Rotbrauner Leistenkopfplattkäfer (Cryptolestes ferrugineus, Familie Plattkäfer)

Rotbrauner Leistenkopfplattkäfer

Cryptolestes ferrugineus (Stephens), Familie Plattkäfer

Beschreibung des Leistenkopfplattkäfers

Diese 1,5 bis 2,3 Millimeter langen, glänzend mahagonibraunen Käfer haben eine sehr flache, längliche Körperform, und wirken mit ihrer verengten Taille und den relativ langen Fühlern wie kleine Ameisen. Die dünnen Fühler überragen die Hälfte der Körperlänge beim Männchen, beim Weibchen sind sie etwas kürzer.  Das Halsschild ist trapezförmig nach vorne verbreitert. Im Laufen schwenken sie den Kopf seitlich hin und her und bewegen fortwährend ihre Fühler. Abends sind sie am aktivsten. Sie fliegen bei Temperaturen ab 21 Grad Celsius.

Die weißen zylindrisch geformten Eier liegen lose in den Vorräten. Die bis 4 Millimeter langen, gelblich-weißen, abgeflachten Larven haben einen braunen Kopf und ein rötlichbraunes Endsegment mit zwei hakenförmigen Fortsätzen. Die creme-weiße Puppe liegt frei oder in einem Kokon aus verklebten Nahrungsteilchen.

Ähnliche Schädlinge

Der Kleine und der Türkische Leistenkopfplattkäfer (Cryptolestes pusillusSchönh., C. turcicusGrouv.) sind ohne Mikroskop nicht vom Rotbraunen Leistenkopfplattkäfer unterscheidbar, es gelten für sie die gleichen Regulierungsstrategien.
Der Getreideplattkäferund verwandte Arten sind etwas größer, sie unterscheiden sich zudem durch das ovale Halsschild mit gezacktem Seitenrand und die etwas kürzeren Fühler.  Ihr unterschiedliches Vermögen, glatte Wände empor zu klettern, hat zur Folge dass in Becherfallen nur Leistenkopfplattkäfer, nicht aber Getreideplattkäfer gefangen werden. Die Abgrenzung dieser Arten ist nur für eine biologische Kontrolle bedeutsam, sonst unterscheiden sich ihre Regulierungsmöglichkeiten nur unwesentlich.

Schadbild und Schadwirkung in der Lagerung

Käfer und Larven treten häufig in Getreidevorräten schädigend auf, sowohl als primärer Schädling als auch in Folge des Befalls mit anderen Insekten. Sie befallen zunächst hauptsächlich den Keimling und fressen an beschädigten Körnern, befallen aber auch in Verarbeitungsorten Mehl und andere Getreideprodukte sowie Trockenfrüchte, Nüsse und Ölfrüchte. Befallsherde sind an Festlagerungen erkennbar, wenn man beim Laufen über das Getreide nicht einsinkt (normal wären circa 15 Zentimeter tief). Leistenkopfplattkäfer halten sich meist in mehr als 50 Zentimeter Tiefe auf. Der Befall kann auch durch Becher- und Klebefallen überwacht werden.

Bleibt die zügige Bekämpfung nach einem Massenbefall mit Leistenkopfplattkäfern aus, kommt es zu starken Verklumpungen von mehreren Meter Durchmesser und das Getreide kann nicht mehr gefördert werden. Die Verklumpungen müssen mühsam, manchmal sogar unter Einsatz von Presslufthämmern, ausgegraben werden. Die bevorzugte Beschädigung des Keimlings vermindert die Mehlqualität und die Keimfähigkeit.

Biologie und Lebensraum

Die Weibchen legen 100 bis 400 Eier einzeln in die Vorräte. Die weiße Puppe bildet sich nach mehrfacher Häutung der Larve in einem Kokon, der häufig in der Nähe des Keimlings eines Getreidekorns gesponnen wird. Die Gesamtentwicklung vom Ei bis zum Käfer dauert im Sommer drei bis fünf Wochen und verlängert sich bei niedrigen Temperaturen bis auf zwölf Wochen. Die ausgewachsenen Käfer leben mehrere Jahre. Bei Massenbefall bewirken die erhöhten Getreidetemperaturen eine Verkürzung der Entwicklungsdauer und die Population steigt explosionsartig an. Wegen dieser schnellen Generationsfolge sind die Plattkäfer in der Getreidelagerei gefürchtet.

Leistenkopfplattkäfer sind kältehart, weisen aber bei niedriger Luftfeuchtigkeit unter 50 Prozent eine hohe Sterblichkeitsrate auf. Sie überleben den Winter auch unter Baumrinden im Freiland. Sie treten häufig in der Lagerung, seltener in der Verarbeitung auf.

 

Regulierungsstrategien: vorbeugen und bekämpfen

Vorbeugende Maßnahmen

  • gründliche Reinigung der Lagerstellen vor Neueinlagerung
  • Absenken der Temperatur unter 10 Grad Celsius
  • Annahmeausschluss befallener Ware
  • Befallsbeobachtung durch Becherfallen, da Käfer nicht an Glaswänden empor klettern können

Direkte Bekämpfung durch physikalische und chemische Maßnahmen

  • sofortiges Handeln, wenn möglich Kühlen, um Populationsentwicklung zu bremsen und Massenbefall zu vermeiden
  • Einmischen von Kieselgur in die gesamte Getreidepartie. Leistenkopfplattkäfer reagieren aufgrund ihrer geringen Größe und hohen Aktivität besonders empfindlich auf Kieselgur.
  • Begasung mit Kohlendioxid oder Stickstoff, Kohlendioxid unter Hochdruck
  • Hitzebehandlung: 20 Stunden bei 45 Grad Celsius oder 20 Minuten bei 55 Grad Celsius zur Abtötung aller Entwicklungsstadien
  • Reinigung des Getreides und Absaugen der Käfer kann Befall deutlich verringern.
  • Eventuell Leerraumbehandlung vor Neueinlagerung

Bitte informieren Sie sich unbedingt über die aktuelle Zulassungssituation und Anwendungsbestimmungen, z. B. für Pflanzenschutzmittel unter www.pflanzenschutz-information.de (für pflanzliche Vorräte) oder für Biozidprodukte unter www.baua.de (für verarbeitete Produkte).

Letzte Aktualisierung 20.09.2016

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