Mehlmotte, Speichermotte, Tropische Speichermotte (Gattung Ephestia, Familie Zünsler)

Mehlmotte, Speichermotte, Tropische Speichermotte

Ephestia kuehniella (Zell.),Ephestia elutella (H.), Ephestia cautella (Walk.)
Synonyme Cadra spp., Dattelmotte, Kakaomotte, Graue Dörrobstmotte, Familie: Zünsler

Die Mehlmotte im Film

Beschreibung der Lebensmittelmotten

Motten der Gattung Ephestia gehören mit einer Körperlänge von 8 bis14 Millimeter und einer Flügelspannweite von etwa 11 bis 27 Millimeter zu den größeren vorratsschädlichen Mottenarten. Sie gehören wie die Reismotte und die Dörrobstmotte zur Familie der Zünsler, die sich durch kurze nach vorn gerichtete Palpen (fühlerartige Taster die zu den Mundwerkzeugen gehören) auszeichnen, welche bisweilen den Eindruck eines kurzen Rüssels erwecken können. Die Falter fliegen besonders zur Dämmerung und lassen sich durch Erschütterungen und Licht aufscheuchen.

Die Vorderflügel sind leicht glänzend braun- bis blaugrau mit dunklerer Zeichnung, und besitzen, wie die Hinterflügel, einen mit Lupe erkennbaren kurzen Fransensaum. Die Mehlmotte ist mit 10 bis14 Millimeter Körperlänge größer als die Speichermotte und die Tropische Speichermotte mit 8 bis 10 Milliemeter Körperlänge. Die Arten lassen sich nur schwer unterscheiden, wenig abgeflogene Falter kann man anhand ihrer Flügelzeichnung zuordnen. Die Flügel der Mehlmotte tragen zwei stark gezackte dunkle Bänder. Die etwas kleinere Tropische Speichermotte trägt eine undeutliche dunkle Zeichnung. Die Flügel der Speichermotte sind im oberen Bereich heller und mit zwei undeutlichen, leicht gezackten Querbändern versehen.

Die Larven weisen für die Gattung typische braune Punkte auf, in deren Zentrum spärliche, schwer sichtbare Haare sitzen. Sie können eine Länge von 15 Millimeter erreichen. Ihre Färbung hängt stark von der aufgenommenen Nahrung ab, so können sie weiß, gelblich, rosa oder bräunlich gefärbt sein. Der Kopf und das Nackenschild der Larve haben eine rotbraune bis gelbbraune Farbe, ein ähnlich gefärbter Fleck befindet sich auf dem letzten Segment am Hinterleib. Die Puppen sind dunkelbraun und in der Regel von einem weißen, dichtgesponnenen Kokon umgeben. Befall und Verpuppung erfolgen oft an belüfteten Orten wie an Oberflächen und Seiten von Lagern. Auch die Raupen suchen Frischluft und Licht.

Ähnliche Schädlinge

Die Samenmotte (Hoffmannophila pseudospretella Staint.) ist etwas größer und von dunklerer Flügelfarbe als die Ephestia-Arten, ihre Palpen sind größer und länger, ihre Larve ohne Punkte. Sie tritt an feucht gelagerten Vorräten auf.

Reismotten und Dörrobstmotten werden als verwandte Zünsler-Arten durch die gleichen Pheromonfallen angelockt wie die Ephestia-Arten, sie unterscheiden sich jedoch durch ihre silbrige (Reismotte) beziehungsweise mehrfarbige (Dörrobstmotte) Flügelfärbung.

Getreidemotten haben als Palpenmotten ähnlich auffallende Palpen, sie unterscheiden sich aber mit ihren spitz zulaufenden Flügelenden von den Zünslern, welche abgerundete bzw. abgeschrägte Flügelenden haben.

 

Schadbild und Schadwirkung in der Lagerung und Verarbeitung

Die Motten befallen nahezu alle Nahrungsmittel, insbesondere alle Getreide, Mahlprodukte, Kakaokerne und -produkte, Nüsse, Trockenobst, Leguminosensamen, Gewürze, sowie im Freiland auch Heu und Stroh. Die Speichermotte kann aufgrund von Symbionten im Darm sogar Tabak verdauen, ohne vom Nikotin geschädigt zu werden. Anzeichen für einen Befall sind die großen Mengen von Gespinsten der Raupen. Versponnene Mehlklumpen, Larvenhäute und Puppen finden sich zum Beispiel in Mühlen häufig an der Oberfläche von Mehlbehältern, in und um Maschinen, sowie an Verpackungsmaterialien. An Trockenfrüchten, die oft schon im Freiland vor dem Trocknen befallen werden, lassen sich neben Gespinsten und Kot Austrittslöcher von 2 bis 3 Millimeter Durchmesser finden. In Verpackungen können Löcher eingefressen sein.

Der Hauptschaden entsteht durch eine Verunreinigung des Lagergutes durch Gespinste und Kot der Insekten, wodurch es nicht mehr verkehrsfähig wird. Auch bei Nutztieren kann verunreinigtes Tierfutter gesundheitliche Probleme wie Ferkelabgang verursachen. Gespinste können zu Verstopfungen in Transportsystemen und Sieben führen sowie zu Kondensation und Wärmestau, was Sekundärbefall durch Schimmelpilze oder andere Schädlinge begünstigt.

Biologie und Lebensraum

Die Mottenweibchen legen während ihres Lebens 150 bis 500 Eier einzeln oder in kleinen Gelegen in die Nähe von Nahrungssubstrat für die Larven. An der Oberfläche von Getreidekörnern abgelegte Eier können bis zu 5 Zentimeter in das Getreide hereinrieseln. Die Larven halten sich in der oberen Schicht des Lagergutes auf. In ihrem letzten Entwicklungsstadium verlassen sie aktiv das Nahrungssubstrat, um einen geeigneten Verpuppungsort zu finden. Dazu werden bevorzugt Ritzen außerhalb des Nahrungssubstrates aufgesucht. Larven, die im Herbst schlüpfen, überwintern in Diapause bevor sie sich im Frühjahr verpuppen.  Die Falter haben eine Lebensdauer von etwa drei Wochen und nehmen in dieser Zeit keine Nahrung mehr auf. Die Entwicklungsdauer vom Ei zum Falter beträgt abhängig von den Umweltbedingungen 6 bis 10 Wochen. In einem Jahr entwickeln sich zwei bis drei Generationen der Mehlmotte oder der Speichermotte. Da die Larve der Tropischen Speichermotte keine Diapause hält, können sich bis zu sechs Generationen pro Jahr in beheizten Räumen entwickeln.

Die nacht- und dämmerungsaktiven Falter fliegen hauptsächlich in der wärmeren Jahreszeit (Mai bis September). Die Speichermotte und die Tropische Speichermotte entwickeln sich in einem Temperaturbereich von 15 Grad Celsius bis 35 Grad Celsius und bei einer relativen Luftfeuchte von 30 Prozent bis 70 Prozent. Die Mehlmotte ist kältetoleranter und benötigt nur 10 Grad Celsius und 40 Prozent relative Luftfeuchte.

Regulierungsstrategien: vorbeugen und bekämpfen

Befallsüberwachung

  • Der Befall kann durch Pheromonfallen, die männliche Motten aller Zünsler-Arten mittels Sexuallockstoffen fangen, überwacht werden.
  • Auch durch Licht lassen sich verschiedene Mottenarten in Fallen locken.
  • Motteneier in Mehlen können durch Siebung mit 0,2 Millimeter Maschenweite entdeckt werden.
  • Larven werden in Käferfallen erfasst oder durch Wellpappen als geeignete Verpuppungsorte angezogen.

Vorbeugende Maßnahmen

  • Komplett verschlossene Verpackungen beziehungsweise Behälter von Lebensmitteln. Die Larven können durch kleinste Öffnungen ab einem Querschnitt von 0,1 Millimeter in Verpackungen eindringen.
  • Gute Hygieneverhältnisse im Lager
  • Gründliche Reinigung der Läger vor Neueinlagerung
  • Absenken der Lagertemperatur auf unter 15 Grad Celsius
  • Kieselgur – Einmischung in obere Schichten des Lagergutes

Biologische Maßnahmen: Nützlingseinsatz

  • Einsatz der Brackwespe Habrobracon hebetoroder der Schlupfwespe Venturia canescens, sie parasitieren die Mottenlarven
  • Die Erzwespe Trichogramma evanescens parasitiert Motteneier. Sie parasitiert bevorzugt die Eier der Speichermotte und der Tropischen Speichermotte und weniger stark die Eier der Mehlmotte.

Direkte biotechnische Bekämpfung

  • Durch großräumige Ausbringung von Pheromonen mit Aerosolverteilern in Verarbeitungsanlagen kann die Paarung gestört werden. Dieses Verfahren wirkt auf alle Zünsler-Arten und ist in unterschiedlichen Anlagen einsetzbar. Bei niedrigen Befallsdichten, früher Anwendung und ausreichend Pheromonverteilern wird die Fortpflanzung des Schädlings um 95 Prozent reduziert. Solche Produkte sind derzeit nur mit Zulassung als Biozid, nicht aber als Pflanzenschutmittel verfügbar, daher können sie in der Verarbeitung und Lebensmittellagerung angewendet werden, nicht aber in der landwirtschaftlichen Lagerung.

Direkte Bekämpfung durch physikalische und chemische Maßnahmen

  • Hitzebehandlung, zum Beispiel 11 Stunden bei 45 Grad Celsius oder 30 Minuten bei 50 Grad Celsius zur Abtötung aller Larvenstadien der Mehlmotte
  • Kältebehandlung
  • Einmischen von Kieselgur in gesamte Getreidepartien
  • Begasung mit Kohlenstoffdioxid

Bitte informieren Sie sich unbedingt über die aktuelle Zulassungssituation, z. B. für Pflanzenschutzmittel unter www.pflanzenschutz-information.de (für pflanzliche Vorräte) oder für Biozidprodukte unter www.baua.de (für verarbeitete Produkte).

Letzte Aktualisierung 20.09.2016

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