Mehlkäfer (Tenebrio molitor, Familie Schwarzkäfer)

Mehlkäfer

Tenebrio molitor (L.), Familie: Schwarzkäfer

Beschreibung des vorratsschädlichen Käfers

Dieser größte bei uns vorkommende Vorratsschädling wird etwa 2 Zentimeter lang und von matt glänzender schwarz-brauner Farbe. Die Gliedmaßen und Bauchseite können etwas heller rotbraun sein, frisch geschlüpfte Käfer sind hellbraun. Der Hinterleib ist lang gestreckt mit parallelen Seiten und mit bloßem Auge erkennbaren Längsrillen, das Halsschild breit und die Fühler von mittlerer Länge und schnurförmig ohne Verdickungen. Sie können gut fliegen.

Die Eier sind bis 2 Millimeter lang und glänzend milchweiß. Sie werden in kleinen Grüppchen in die Vorräte gelegt, an denen die klebrige Oberfläche anhaftet. Die als Mehlwürmer bekannten Larven wachsen von gut 2 Millimeter langen weißen Larven auf 3 Zentimeter Länge und nehmen eine  gelb-braune Farbe mit dunklen Ringen an. Sie bewegen sich mit drei Beinpaaren krabbelnd fort, sind rundlich und tragen zwei Dornen am Hinterleibsende. Die 14 bis 19 Millimeter langen Puppen liegen lose und ohne besondere Hülle in den Vorräten.

Ähnliche Schädlinge

Der Dunkle Mehlkäfer (Tenebrio obscurus F.) ist verwandt, er hat eine matt tiefschwarze Färbung, unterscheidet sich aber kaum in Lebensform, Schadwirkung und Regulierung.

Reismehlkäferhinterlassen ebenfalls typische, aber kleinere Laufspuren auf staubigen Flächen

Schadbild und Schadwirkung an Getreideprodukten

Die Mehlkäferlarven befallen vor allem Getreideprodukte und Brot, unter schlechteren Lagerbedingungen auch ganze Getreidekörner. Äußerlich sind Fraßspuren und Laufspuren in Stäuben erkennbar, und Fraßmehl entsteht, während das Innere stark zerfressen und durch Kot, Larven, Puppen und abgeworfene Häute verunreinigt wird. Bei starkem Befall werden Getreideprodukte verunreinigt und verderben.

Mehlkäfer gelten als weniger bedeutende Schädlinge, da sie sich langsam entwickeln und leichter Befall nur zu geringen Masseverlusten führt. Allerdings ist verstärkter Befall, insbesondere an unverarbeiteten Vorräten, ein Anzeichen für schlechte Lagerbedingungen und unzureichende Hygiene. Sie können, wie mehrere andere Vorratsschädlinge, Überträger des Rattenbandwurms sein, der selten zu Darmerkrankungen beim Menschen führen kann.

Biologie und Lebensraum

Die Weibchen legen bis zu 500 Eier in kleinen Gelegen. Die Entwicklung vom Ei zum ausgewachsenen Käfer dauert zwischen sechs Monaten in beheizten Räumen und einem Jahr mit Winterruhe in unbeheizten Räumen. Die Larven können bis zu neun Monate ohne Nahrung überstehen und sind kältetolerant. Die ausgewachsenen Käfer haben eine kurze Lebensdauer von ca. sechs Wochen.

Die Käfer entwickeln sich im Temperaturbereich von 18–35 Grad Celsius und ab 60 Prozent relativer Luftfeuchte, die Larven sterben unter 5 Grad Celsius. Der Mehlkäfer ist in Mühlen und Bäckereien häufig. Neben Vorräten ernähren sie sich von Pilzrasen, toten Insekten, Federn und Kot. Sie treten auch in morschem Holz, Vogelnestern und Fledermausplätzen auf. In Vorratslagern sind sie besonders in dunklen, ungestörten Bereichen, Restgetreide und feuchtem Lagergut zu finden. Neben der Einschleppung mit befallenen Produkten verbreiten sich Mehlkäfer durch Flug, wobei sie von Lichtquellen angezogen werden.

Regulierungsstrategien: vorbeugen und bekämpfen

Vorbeugende Maßnahmen

  • Reinigung der Betriebsräume und Maschinen, Entfernung aller Produktionsstäube
  • Pyrethrumsprays in niedriger Konzentration zur Behandlung unzugänglicher Nischen (auch in Anwesenheit von Gütern in den Räumen)
  • Leerraumbehandlung mit Pyrethrum oder Kieselgur
  • Gekühlte Lagerung

Biologische Maßnahme: Nützlingseinsatz

  • Die Raubwanze Xylocoris flavipes schränkt die Populationsentwicklung verschiedener vorratsschädlicher Käfer ein

Direkte Bekämpfung durch chemische und physikalische Maßnahmen

  • Wärmebehandlung mit 55 Grad Celsius für eine Stunde
  • Begasung mit Stickstoff oder Kohlendioxid
  • Kältebehandlung (zum Beispiel 24 Stunden bei -20 Grad Celsius, Trockeneis)
  • Kieselguranwendung auf oder in ganzkörnigem Lagergut tötet nur die Käfer, nicht aber Larven ab.
  • Transport mit einem Getreidegebläse tötet einen Großteil der vorratsschädlichen Käfer durch Prallung.

Bitte informieren Sie sich unbedingt über die aktuelle Zulassungssituation und Anwendungsbestimmungen, z. B. für Pflanzenschutzmittel unter www.pflanzenschutz-information.de (für pflanzliche Vorräte) oder für Biozidprodukte unter www.baua.de (für verarbeitete Produkte).


Letzte Aktualisierung 20.09.2016

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