Bio-Süßigkeiten

Süßigkeiten in Bioqualität

Was als Nischensortiment begann, ist heute aus dem Angebot im Handel nicht mehr wegzudenken. Süßwaren und Snacks aus ökologischer Erzeugung sind fester Bestandteil in den Regalen vieler Handelsformate. Darüber hinaus werden Biosüßwaren auch im Außer-Haus-Markt vielfach nachgefragt. Die Herstellung von Biosüßwaren ist aufgrund der Rohwarenbeschaffung anspruchsvoll. Aber es lohnt sich, denn auf diese Weise lassen sich neue und oft jüngere Zielgruppen erreichen. 

Dass der Konsum von ökologisch erzeugten Süßwaren und Snacks von wachsender Bedeutung ist, spiegelt auch die Ausstellerzahl der Bioanbieter 2017 auf der weltweit größten Messe für Süßwaren und Snacks (ISM) in Köln wider: Von rund 1.650 Ausstellern haben 282 Anbieter angegeben, Bioprodukte im Portfolio zu haben. 2016 beteiligten sich bereits 222 Aussteller mit Bioangebot. Der wertmäßige Biomarktanteil von Süßwaren und Knabberartikeln beträgt rund zwei Prozent, etwas höher liegt der Anteil bei Gebäck. Auch für 2017 rechnet der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) mit Zahlen auf einem ähnlichen Niveau wie im Jahr 2016.

Viele der Hersteller zählen zu den Biopionieren und verfügen somit über jahrelanges Know-How. Andere haben den Trend erkannt, Biokompetenz erworben und bieten zusätzlich zu ihren traditionellen Produkten auch Süßwaren aus ökologischer Erzeugung an. Der Geschmack und ein hoher Genussfaktor stehen dabei an erster Stelle. Statt auf Masse wird Wert auf Qualität gelegt und das auf Basis größtmöglicher Produktsicherheit und mittels Verzicht von künstlichen Aromen, Farb- und Geschmacksstoffen. Zu den Unternehmen mit jahrelanger Bioexpertise zählen beispielsweise Vivani und Rapunzel sowie Gepa und Zotter, deren Schokoladenprodukte zudem fair gehandelt sind. Neueinsteiger wie ChocQlate setzen auf eine minimalistische Rezeptur: Bei nur fünf reinen Grundzutaten wissen die Verbraucherinnen und Verbraucher was drinsteckt.  

Rohstoffbeschaffung häufig eine Herausforderung 

Angesichts der eingeschränkten Auswahl an Zusatzstoffen ist die Herstellung von Biosüßwaren anspruchsvoll. Gesüßt wird bevorzugt mit mildem Rohrohrzucker, mit Agavendicksaft und seit ein paar Jahren auch mit Kokosblütenzucker. Letzterer ist ein Naturprodukt und hat einen sehr intensiven, karamelligen Eigengeschmack. Zu den Bioschokoladen-Herstellern, die Stevia statt Zucker verwenden, gehören zum Beispiel Cavalier aus Belgien oder Lovechock aus den Niederlanden. Beim Rohstoff Biokakao beispielsweise ist die Nachfrage derzeit größer als das Angebot. Lieferanten für Biokakao sind zum Beispiel Bolivien, die Dominikanische Republik oder Ecuador. Dort wird der Rohkakao oft in bäuerlichen Kleinbetrieben hergestellt. Rohkakao besitzt eine Fülle an Vitaminen, Mineralstoffen, Antioxidantien, Ballaststoffen und ungesättigten Fettsäuren. 

Die Zertifizierung richtet sich sowohl nach Herkunft- als auch nach Zielmarkt. In Deutschland und der EU ist bei Süßwaren das EU-Biologo obligatorisch, manche Produkte tragen auch ein Siegel der ökologischen Anbauverbände. Beispielsweise sind die Schoko-Orangen-Kekse von Alnatura auch Bioland-zertifiziert. Viele der Schokoladen von Gepa tragen zusätzlich zum EU-Biosiegel das Verbandszeichen des Anbauverbandes Naturland. Süßwaren weisen darüber hinaus neben Biosiegeln häufig auch die Siegel für Fairen Handel und/oder nachhaltigen Anbau auf. Erkennbar sind solche Produkte zum Beispiel am "TransFair"-Siegel, "gepa+", "Naturland-fair" oder dem Zeichen "Hand in Hand" von Rapunzel. Sie stehen für unternehmensindividuelle Ansätze fairer Handelsbeziehungen und spiegeln unterschiedliche Qualitäten fair gehandelter Produkte wider. Auf manchen Bioschokoladen finden Verbraucherinnen und Verbraucher ein "UTZ Certified" Siegel, welches ebenfalls die drei Säulen der Nachhaltigkeit impliziert, aber nicht für den ökologischen Anbau steht. Auch das Rainforest Alliance Siegel hat sich etabliert, hier stehen insbesondere ökologische Aspekte im Vordergrund. 

Reichhaltiges Angebot

Das Angebot an Süßwaren und Snacks in Bioqualität ist vielfältig. Es umfasst Biokonfitüre und Nuss-Nougat-Creme ebenso wie Biopannettone, Kuchen, Kekse und Müsli, Rohkostriegel, Kokosblütenzucker, Schokolade und Schokoladen-Weihnachtsmänner. Auch vegane, vegetarische, gluten- und laktosefreie Produkte in Bioqualität sind keine Seltenheit. Die Manufaktur Teufelswerk & Engelsgabe produziert zuckerfreies Dattelkonfekt mit Minze, Kakao und Orange und wirbt damit für einen "reuelosen" Genuss. Auf saisonale Ereignisse wie Weihnachten und Ostern kann sich der Handel aufgrund des attraktiven Angebotes an Marzipan, Lebkuchen, Printen und ähnlichen Gebäcken aus ökologischer Erzeugung problemlos einstellen. Diese Produkte werden unter anderem von Woodshade Organics aus Dänemark angeboten, die schon 1983 mit der Herstellung von biologischen Konfekten, basiert auf Marzipan, begannen. Auch Mest Marzipan Lübeck, Lubs, Rosmarin Bioback, Männls Naturkostbackstube und Nürnberger Bio-Originale haben ein Angebot an Bioweihnachtsartikeln. Exoten in der Branche sind Biosüßwaren, die mit echtem Grüntee oder aus der Mikro-Alge Chlorella hergestellt werden. Der Hersteller Keiko bietet beispielsweise weiße Schokolade mit Matcha und Teeblättern mit einem Teegehalt von 6,8 Prozent an, Vitalschnitten mit Chlorella gibt es unter anderem von Dr. Ritter.

Tipps zum Verkauf 

Um Kundinnen und Kunden einen guten und nachhaltigen Eindruck von Bioschokoladen zu geben, eignet sich am besten eine Verkostung. Wenn die Schokolade eine Zeit lang bei Raumtemperatur temperiert wurde, können sich Geschmack und Schmelz am besten entfalten. Meist haben Bioschokoladen ein Mindesthaltbarkeitsdatum von ein bis eineinhalb Jahren, gefüllte Sorten und jene mit Frucht dagegen sind maximal zehn Monate haltbar. Wichtig ist, dass die Schokolade an einem kühlen und trockenen Ort gelagert wird, da sie temperaturempfindlich ist. Perfekt sind 16 bis 18 Grad Celsius. Die Schokolade sollte weder direkter Sonneneinstrahlung noch starken Temperaturschwankungen ausgesetzt sein.

Um auf neue Produkte aufmerksam zu machen, eignen sich Werbe-Aufsteller der jeweiligen Hersteller. Ob Süßwaren in Kassennähe platziert werden oder nicht, ist von Geschäft zu Geschäft verschieden. Während die einen auf Impuls-Käufe an der Kasse setzen, platzieren andere Süßwaren sogar absichtlich nicht mal in Augenhöhe, um den Erwachsenen einen entspannten Einkauf ohne Quengelei der Kinder zu bieten.


Letzte Aktualisierung 01.10.2017

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Grafik: Weltkugel

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