Vorratsschädlinge vermeiden

Wie lassen sich Vorratsschädlinge vermeiden?

Bioverarbeitungsbetriebe und Biohandel dürfen nach den EU-Rechtsvorschriften für ökologischen Landbau keine scharfen Mittel wie künstliche Insektizide im Kampf gegen Schädlinge einsetzen: Um Vorratsschädlinge zu töten, nutzt die Biobranche Begasungen mit Kohlendioxid, Kälteschockverfahren sowie Fallen. Auch Nützlinge kommen zum Einsatz. Nur in leeren Lagerräumen sind Wirkstoffe wie Pyrethrum, ein pflanzliches Insektenbekämpfungsmittel, erlaubt, nicht aber auf den Produkten. Dagegen begasen die konventionellen Lebensmittelunternehmen ihre Räume und Produkte mit Phosphorwasserstoffen oder spritzen künstliche Pyrethroide, teilweise auch vorbeugend. Das heißt: bei Bioprodukten ist die Gefahr, sich Schädlinge ins Haus zu holen, tatsächlich größer.

Die häufigsten Vorratsschädlinge

Sichere Zeichen für Schädlingsbefall sind Spinnfäden in der Mehltüte oder versponnene Klumpen im Müsli. Am häufigsten sind Haferflocken, Nüsse, Gewürze und Trockenfrüchte betroffen. Aber praktisch alle Lebensmittel außer Salz, Zucker, Kaffee und reinen Fetten können Schädlinge beherbergen. "Nach unseren Gesprächen mit Verbrauchern treten besonders Dörrobstmotten und Brotkäfer häufig auf. Seltener Getreidekapuziner und andere Motten", berichtet Sara Preißel vom Julius Kühn-Institut in Kleinmachnow. In alten maroden Gebäuden hausen auch noch Berlinkäfer und Diebkäfer. Die unerwünschten Hausbewohner lassen sich relativ leicht identifizieren mit einer Online-Bestimmungshilfe für Vorratsschädlinge.

Vorräte richtig abdichten

Egal um welchen Plagegeist es sich handelt: Der Schlüssel zu einem schädlingsfreien Haushalt sind dichte Verpackungen. Dicht heißt hier 100 Prozent! Also keine Tupperdosen oder Schraubgläser mit ausgeleiertem Verschluss. Wirklich sicher sind nur Vakuumverpackungen, Frischhalteboxen mit Verschlusshebeln am Deckel, Einmachgläser mit Gummidichtung und Drahtbügel sowie einwandfrei verschlossene Schraubdeckelgläser. Denn schon durch kleinste Poren und Spalten in der Verpackung dringt der verführerische Geruch der Waren nach außen. Schädlinge legen ihre Eier gezielt in die Spalten ab. Eine Mehlmotte kann bis zu 230 Eier legen! Die winzigen, frisch geschlüpften Larven kriechen hinein und futtern sofort los. Einige Schädlinge beißen sich dann in späteren Entwicklungsstadien durch die Verpackungen. Eventuell können die Produkte natürlich bereits mit Befall gekauft worden sein. Wer Lebensmittel länger lagern will, sollte sie nach dem Kauf in dichte Behälter umfüllen.

Im Zweifel einfrieren und immer einfangen

Wenn ein Produkt befallen sein könnte, muss man es aber nicht gleich wegwerfen. "Ich empfehle immer etwas Platz im Tiefkühlfach vorzuhalten und die Produkte bei Verdacht einige Tage einzufrieren, so dass eventueller Anfangsbefall gleich in Schach gehalten wird", rät Sara Preißel. Wenn schon Motten herumschwirren, ist der Schaden schon passiert. Mit ungiftigen Pheromonfallen lässt sich ein Befall frühzeitig feststellen. Die auf einen Klebestreifen geträufelten Sexuallockstoffe (Pheromone) ziehen Mottenmänner magisch an. Kleben Motten an der Falle, ist es höchste Zeit zu handeln: Vorräte sollten kontrolliert, Schränke von Krümeln bereinigt und idealerweise mit Essig ausgewischt werden. Durch die in Pheromonfallen gefangenen Mottenmännchen haben die Weibchen kaum noch Partner zur Fortpflanzung und können sich schlechter vermehren. Absolut mottenfrei ist der Haushalt aber damit nicht.

Nützlinge gegen Motten

Effektiver als Pheromonfallen arbeiten Schlupfwespen: Beispielsweise lassen sich Karten mit 3000 Eiern der Zwergwespe Trichogramma evanescens online bestellen. Die winzigen Nützlinge verhindern, dass sich Motteneier zu Räupchen entwickeln. Die Karten werden in jedes Schub- oder Schrankfach oder jeden Regalboden direkt neben die gefährdeten Produkte aufgestellt. "Da diese Schlupfwespenart zu Fuß unterwegs ist, sollten die Karten nicht in der Luft hängen", rät Nützlingsexperte Matthias Schöller von der Biologischen Beratung Berlin. Nach etwa drei Wochen sind alle Nützlinge aus den Karten geschlüpft. Eine erfolgreiche Behandlung dauert neun Wochen, die Karten müssen also dreimal hintereinander ausgebracht werden. Für Mensch und Haustier sind die Schlupfwespen völlig harmlos. Nach ihrem Ende zerfallen sie einfach zu Hausstaub.

Vorbeugen und kontrollieren

Vorratsschädlinge sind eklig und im schlimmsten Fall gesundheitsschädlich. Sie können Hauterkrankungen, Allergien, Bindehautentzündungen und Darmbeschwerden auslösen. Deshalb rät die Bundeszentrale für Ernährung:

  • Vorräte kontrollieren: selten benötigte Vorräte wie Backzutaten und exotische Gewürze regelmäßig auf Schädlingsbefall untersuchen.
  • Regelmäßige Reinigung: Küche und Vorratsräume regelmäßig von Essensresten, Krümeln und Staub reinigen sowie Abfallbehälter regelmäßig leeren und gründlich reinigen.
  • Beim Öffnen prüfen: nach Spinnfäden, Kokons oder toten Tieren schauen.
  • Befallene Lebensmittel sofort entsorgen: befallene Lebensmittel verpacken und sofort wegwerfen. Mülltüten ebenfalls verschließen und aus der Wohnung bringen.
  • Auf Spurensuche gehen: Vorratsschränke gründlich durchsuchen und auswaschen, Ritzen und Spalten aussaugen.

Letzte Aktualisierung 29.10.2019

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