Bio-Landwirtschaft

Öko-Landbau – was heißt das?

Grundlage des Öko-Landbaus ist die Kreislaufwirtschaft – doch was bedeutet das? Und warum ist sie für den ökologischen Landbau so wichtig? In unserer neuen Filmreihe "Öko-Landbau erklärt..." geht Bio-Landwirtin Mila auf wichtige Aspekte des Öko-Landbaus ein.

Der Öko-Landbau basiert auf einer Kreislaufwirtschaft. Pflanzenbau und Tierhaltung sind hier eng miteinander verbunden: Das Futter für die Tiere bauen Bio-Landwirtinnen und Bio-Landwirte möglichst auf dem eigenen Betrieb an. Der Dung der Tiere in Form von Mist oder Gülle wird auf die Felder ausgebracht, macht den Boden fruchtbar und dient den Pflanzen als Nahrungsquelle. So befinden sich die im Dünger, Boden und Futter enthaltenen Nährstoffe auf dem Bio-Bauernhof in einem Kreislauf. Daher spricht man auch von einem Nährstoffkreislauf.

Es gibt auch Gartenbau- und Ackerbau-Betriebe, die ohne eigene Tierhaltung die Vorgaben einer ökologischen Kreislaufwirtschaft erfüllen. Zum Beispiel werden Ernteabfälle kompostiert und zur Bodenverbesserung genutzt.

Filmreihe "Öko-Landbau erklärt..."

Bio-Landwirtinnen und Bio-Landwirte sorgen dafür, dass sich dieser Nährstoffkreislauf im Gleichgewicht befindet. Sie achten darauf, dass nur so viele Tiere auf dem Hof leben wie sie mit ihrem eigens angebauten Futter ernähren können. Sie dürfen zwar auch Futtermittel zukaufen, die Menge ist jedoch begrenzt. Auch die Menge der benötigten tierischen Dünger begrenzt die Anzahl der Tiere auf einem Bio-Hof. Denn bei einem Nährstoffüberschuss können die Pflanzen die im Dünger enthaltenen Nährstoffe nicht aufnehmen. Dann werden sie beispielsweise durch Regenwasser ausgewaschen und können so unser Grundwasser verschmutzen. Weil Tierzahl und Futterfläche so genau aufeinander abgestimmt sein müssen, spricht man im ökologischen Landbau auch von einer flächengebundenen Tierhaltung.

Ganz geschlossen ist der Nährstoffkreislauf jedoch nie. Denn Landwirtinnen und Landwirte ernten das Getreide, die Kartoffeln, das Gemüse und andere Feldkulturen, um uns Menschen und auch die Tiere mit gesunden Nahrungsmitteln zu versorgen. Mit der Ernte verlassen also die in den Pflanzen enthaltenen Nährstoffe diesen Kreislauf.

Leguminosen sammeln Stickstoff

Um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten, setzen die Bio-Landwirtin und der Bio-Landwirt neben tierischem Dung auch pflanzliche Dünger ein. Für einen guten Ertrag brauchen Pflanzen insbesondere Stickstoff und zwar in relativ großen Mengen. In der Bio-Landwirtschaft sind die industriell hergestellten Stickstoffdünger verboten, da ihre Produktion sehr viel Energie verbraucht. Eine ganz wichtige Quelle für Stickstoff ist in der Bio-Landwirtschaft daher die Pflanzenfamilie der Hülsenfrüchte, auch Leguminosen genannt. Als Beilage oder Suppengrundlage sind uns vor allem Erbsen, Linsen und Bohnen aus dieser Pflanzenfamilie bekannt. Andere Vertreter sind Klee- oder Luzernegras, die als Tierfutter dienen. Das Besondere an Leguminosen ist, dass die Wurzeln dieser Pflanzen in einer Gemeinschaft mit Bakterien, sogenannten Rhizobien leben. Diese Bakterien können den Hauptpflanzennährstoff Stickstoff aus der Luft sammeln und binden. Dieser steht damit den nächsten angebauten Pflanzen für ihr Wachstum zur Verfügung.

Artgerechte Tierhaltung

Die Haltung aller Tiere auf einem ökologisch wirtschaftenden Betrieb muss den natürlichen Bedürfnissen der Tiere entsprechen. Dazu gehören zum Beispiel Kontakt zu Artgenossen, ausreichend Platz und Auslauf, frische Luft und Tageslicht. Im Biobetrieb werden die Futtermittel meist selbst erzeugt oder sie stammen von anderen Biohöfen. Nur in Ausnahmefällen darf konventionelles Futter zugekauft werden.
Hier finden Sie mehr Infos zur artgerechten Tierhaltung.

Bio-Landbau ist mehr als "keine Spritzmittel"

Im Öko-Landbau bleibt die Natur keineswegs sich selbst überlassen. Es gibt wirksame Methoden, mit denen die Böden verbessert, die angebauten Pflanzen und die Hoftiere optimal versorgt werden. Allerdings sind diese Verfahren viel aufwändiger als bei der konventionellen Landwirtschaft. Dies ist neben dem häufig etwas geringeren Ertrag einer der Gründe für den höheren Preis von Biolebensmitteln.

Üblich für den Öko-Betrieb sind zum Beispiel die folgenden Methoden:

  • Fruchtfolge - heißt der wechselnde Anbau verschiedener Kulturen, die unterschiedliche Ansprüche an den Boden stellen. Zum Beispiel reichern Leguminosen wie Klee Stickstoff im Boden an, den dann die folgenden Kulturen, zum Beispiel der zehrende Weizen, verbrauchen.  Außerdem haben Krankheiten und Schädlinge dadurch weniger Chancen, sich zu verbreiten.
    Hier finden Sie mehr Infos zur Fruchtfolge.
  • Humuswirtschaft - erhält die Bodengesundheit. Dazu gehören Bodenlockerung und Gründüngung. Ansonsten bildet das aus dem eigenen Betrieb stammende organische Material (Mist und Kompost) die Grundlage für die weitere Anreicherung mit Humus.
    Hier finden Sie mehr Infos zum Thema Boden.
  • Stärkung der pflanzeneigenen Abwehrkräfte - ist ein zentraler Punkt beim biologischen Pflanzenschutz. Grundprinzip ist die Vorbeugung gegen Krankheiten. Dabei hilft das Wissen über günstige Pflanzen-Nachbarschaften, richtige Saatzeitpunkte, Standort- und Sortenwahl etc.
    Hier finden Sie mehr Infos zum Pflanzenschutz.
  • Unkrautregulierung ohne Chemie - gelingt durch Fruchtfolge und Bodenbedeckung (zum Beispiel mit Stroh) oder auch durch Eggen, Hacken und Abflammen der Beikräuter.
    Hier finden Sie mehr Infos zur Unkrautregulierung.

Fazit: Durch seine Kreislaufwirtschaft schützt der ökologische Landbau Böden, hält das Wasser sauber und schützt das Klima.

Richtlinien der Öko-Anbauverbände

Schon seit vielen Jahren ist es Gesetz: Als "Öko" oder "Bio" dürfen nur Lebensmittel bezeichnet werden, die den EU-Rechtsvorschriften zum ökologischen Landbau entsprechen.

Doch Öko-Landwirtschaft in Deutschland hat eine längere Tradition. Bio-Betriebe können sich nationalen Anbauverbänden anschließen. Sie verpflichten sich dadurch, nach deren Richtlinien zu arbeiten. In Deutschland existieren neun Anbauverbände des anerkannt ökologischen Landbaus. Die Richtlinien dieser Verbände gehen in einigen Punkten über die EU-Rechtsvorschriften zum ökologischen Landbau hinaus. In Deutschland sind die folgenden Anbauverbände aktiv: Biokreis, Bioland, Biopark, Demeter, Ecoland, Ecovin, Gäa, Naturland und Verbund Ökohöfe.

Verpackte oder verarbeitete Produkte von Betrieben, die sich einem Verband angeschlossen haben, sind meistens mit dem Warenzeichen des jeweiligen Verbandes gekennzeichnet. Generell gilt: Alle Produkte entsprechen voll den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau. 

Ökolandbau hautnah erleben

Viele Öko-Bäuerinnen und -Bauern lassen sich gerne mal über die Schulter gucken. Wie legen sie ihre Obstgärten an? Womit füttern sie Hühner und Schweine? Wie stellen sie den hausgemachten Ziegenkäse her?

Auf manchen Höfen werden dazu Besuchstage mit einem Vorführprogramm für Groß und Klein eingerichtet. Gelegentlich gibt es im Sommer sogar Hoffeste mit Unterhaltungsprogramm und Verkostungen.

Über 290 Höfe bundesweit gehören dem Netzwerk "Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau" an und laden regelmäßig zu interessanten Veranstaltungen ein. Hintergrundinformationen zum Projekt, Hof-Porträts sowie aktuelle Veranstaltungshinweise finden Sie hier im Portal unter Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau.


Letzte Aktualisierung 27.06.2023

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