Biozyklisch-veganer Anbau

Biozyklisch-veganer Anbau – eine Option für Öko-Betriebe?

Vegan ist voll im Trend: Laut einer Umfrage von YouGov und Statista aus dem Jahr 2019 gibt es derzeit etwa 1,6 Millionen Veganerinnen und Veganer in Deutschland, und die Zahl nimmt seit Jahren stetig zu. Viele unter ihnen ernähren sich ökologisch, denn eine vegane Lebensweise bedeutet für viele mehr als nur pflanzliche Ernährung – sie steht auch für einen achtsamen Umgang mit der Natur.

Das Angebot an veganen Produkten hat in den vergangenen Jahren enorm zugenommen. Viele dieser Produkte werden aber jenen Menschen nicht gerecht, denen eine biologisch und konsequent vegane Lebensmittelerzeugung wichtig ist. So kontrolliert zum Beispiel das V-Label der European Vegetarian Union, das bekannteste Label für vegane Produkte, die Lebensmittel erst ab der Verarbeitungsstufe. Das heißt, es wird zwar überprüft, ob das Lebensmittel auch tatsächlich keine tierischen Zutaten enthält und es nicht unter Verwendung tierischer Hilfsmittel hergestellt wurde. Ob die enthaltenen pflanzlichen Bestandteile während des Anbaus aber mit tierischen Düngern gedüngt wurden oder ob andere Präparate tierischen Ursprungs zum Einsatz kamen, ist nicht Teil der Zertifizierung. Ebenfalls nicht geprüft wird beim V-Label, ob die Lebensmittel unter ökologischen Anbaubedingungen erzeugt wurden.

Sehr viel konsequenter ist da das neue Gütesiegel "biozyklisch-veganer Anbau". Damit dürfen seit November 2017 Produkte gekennzeichnet werden, die nach den IFOAM-Richtlinien für den biozyklisch-veganen Anbau erzeugt wurden. Und das bedeutet bio-vegan ab Feld, also garantiert ohne den Einsatz tierischer Betriebsmittel.

Biozyklisch-veganer Anbau – Was heißt das?

In vielen Punkten decken sich die Ideale der biozyklisch-veganen Lebensmittelerzeugung mit denen der biologischen Landbewirtschaftung – insbesondere, was enge Stoffkreisläufe und den Verzicht auf synthetische Düngemittel, Pestizide und Gentechnik angeht. Vegan im Sinne der Biozyklisch-Veganen Richtlinien sind biologisch erzeugte pflanzliche Lebensmittel jedoch erst dann, wenn auf dem Erzeugerbetrieb keine Tiere zur Erzeugung von Fleisch, Milch, Eiern oder anderen kommerziellen Zwecken gehalten werden.

Darüber hinaus dürfen im Pflanzenbau keine tierischen Nebenprodukte wie Mist, Gülle, Horn- oder Haarmehlpellets als Dünger verwendet werden. Hier widersprechen sich also die Ansätze von biozyklisch-veganer Landwirtschaft und dem heute praktizierten Ökolandbau. Denn in der ökologischen Landwirtschaft ist die Tierhaltung in den meisten Betrieben integraler Bestandteil des betrieblichen Kreislaufs, wenngleich es hier immer mehr Ausnahmen gibt. So arbeitet inzwischen rund ein Viertel aller Bio-Betriebe viehlos. Der Grund dafür liegt jedoch meist in der höheren Rentabilität dieser Wirtschaftsweise und bedeutet nicht, dass diese Betriebe auf den Einsatz von Mist aus Düngekooperationen oder tierische Handelsdünger wie Hornmehl verzichten.

Ein Umdenken ist nötig

Die Umstellung auf biozyklisch-veganen Anbau erfordert also auch von Betriebsleiterinnen und Betriebsleitern von Öko-Betrieben ein Umdenken. So kommt durch den Verzicht auf jeglichen Dünger tierischer Herkunft der Nährstoffbereitstellung über die Fruchtfolge eine noch größere Bedeutung zu, als dies im Ökolandbau ohnehin schon der Fall ist. Zudem sind der großflächige Einsatz von pflanzlichem Kompost und biozyklischer Humuserde (siehe FAQ) wichtige Bausteine in der Nährstoffversorgung der Kulturen. Kompost und Humuserde können vom eigenen Betrieb stammen, zulässig sind aber auch kommunale Grüngutkomposte.

Hinzu kommt, dass auch natürliche Mittel zur Schädlingsabwehr, die im Ökolandbau zulässig sind, im biozyklisch-veganen Anbau nicht oder nur sehr restriktiv verwendet werden dürfen. Das heißt, dass vorbeugende Maßnahmen, wie zum Beispiel die Nützlingsförderung, deutlich mehr Gewicht bekommen. Hierzu wird auf jedem Betrieb der sogenannte Biozyklisch-Vegane Betriebsindex (BBI) ermittelt, anhand dessen ökologische Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt und zur Förderung des natürlichen Gleichgewichtes in einem Ranking beurteilt werden können. Im biozyklisch-veganen Pflanzenbau wird zudem Mischkultur angestrebt, was für viele Bio-Betriebe eine zusätzliche Herausforderung darstellen dürfte. Im geschützten Anbau ist der Mischkulturanbau sogar Pflicht.

FAQ's

Wie umstellen?

Die Biozyklisch-Veganen Richtlinien wurden im November 2017 in die IFOAM Family of Standards aufgenommen. Damit ist weltweit erstmals ein veganer Öko-Anbaustandard verfügbar. Betriebe, die nach diesen Anbaurichtlinien wirtschaften, können sich kontrollieren und zertifizieren lassen und ihre Erzeugnisse unter dem biozyklisch-veganen Label vermarkten.

Für konventionelle Betriebe sehen die Richtlinien – wie auch bei anderen Öko-Anbaustandards – eine Umstellungszeit von zwei Jahren für einjährige Kulturen und drei Jahren für Dauerkulturen vor. Im Falle der Umstellung bereits bio-zertifizierter Betriebe auf biozyklisch-veganen Anbau kann die Umstellungsphase je nach Gegebenheit verkürzt beziehungsweise ganz auf sie verzichtet werden, wenn bei der Erstkontrolle aus den Betriebsaufzeichnungen eindeutig hervorgeht, dass während der vorangegangenen Vegetationsperiode bei den zertifizierungsrelevanten Kulturen bereits die Biozyklisch-Veganen Richtlinien eingehalten wurden.

Am einfachsten ist die Umstellung verständlicherweise für solche Betriebe, die bereits viehlos arbeiten. Tierhaltende Betriebe müssen die Tierhaltung innerhalb einer Frist von zwei Jahren einstellen. Bisherige Öko-Verbandszugehörigkeiten müssen nicht aufgegeben werden. Allerdings wird dies für Betriebe, die dem Anbauverband Demeter angeschlossen sind, schwierig, da Demeter die Anwendung tierischer Präparate in seinen Richtlinien vorschreibt.

Um sich als Betrieb kontrollieren und zertifizieren lassen zu können, ist eine Mitgliedschaft im Förderkreis Biozyklisch-Veganer Anbau e. V. erforderlich. Dieser unterstützt die produzierenden Mitgliedsbetriebe bei der Umstellung und der Vorbereitung auf die Kontrolle der Bio-Kontrollstellen. Die zuständige Zertifizierungsstelle Ceres vergibt die Zertifikate, während die Kontrollen von jeder EU-Bio-Kontrollstelle durchgeführt werden können, die durch Ceres geschult wurde.

Warum umstellen?

Der biozyklisch-vegane Anbau stellt derzeit sicher noch eine Nische dar. Die stetig zunehmende Zahl an vegan lebenden Menschen, aber auch die immer größer werdende Gruppe der Flexitarierinnen und Flexitarier, die an einer Reduktion des Konsums tierischer Produkte und an Bio-Lebensmitteln interessiert ist, wird diese Nische wachsen lassen. Nach einer aktuellen Umfrage von YouGov.de ernähren sich derzeit etwa zwei Prozent der Deutschen vegan (circa 1,6 Millionen Menschen), und der Trend hält weiter an. Das Meinungsforschungsinstitut TNS hat in einer Untersuchung von 2015 herausgefunden, dass bereits 56 Prozent der Bevölkerung in Deutschland zu den Flexitarierinnen und Flexitariern gehören.

Nach Angaben des Marktforschungsinstituts Skopos gibt es ein Potenzial von knapp zehn Millionen Menschen, die zukünftig gerne ganz auf Fleisch, Eier und Milchprodukte verzichten möchten, darunter auch immer mehr überzeugte Bio-Konsumentinnen und -Konsumenten. Insofern kann die Umstellung für einige Betriebe eine lohnende Initiative sein. Wer sich für eine Umstellung interessiert, kann sich beraten lassen. Infos gibt es beim Förderkreis Biozyklisch-Veganer Anbau e. V.


Weblinks

Letzte Aktualisierung 24.06.2020

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