Echter Mehltau an Hopfen

Echter Mehltau

Podosphaera macularis (Wallr.) U. Braun & S. Takam. (Synonyme: Sphaerotheca macularis, Sphaerotheca humuli), Abteilung: Schlauchpilze
 

Beschreibung

Echter Mehltau tritt ab Mitte Mai bei warmer Witterung zunächst an Blättern mittleren Alters auf. Er ist entweder als kleine, rundliche weiße Pusteln auf Blattoberseite und Trieben zu finden oder bedeckt ganze Pflanzenteile oder -bereiche mit glänzend weißem Pilzbelag. Der Befall beginnt im Frühjahr im unteren Rebenbereich, teilweise entwickeln sich komplett infizierte weiße Bodentriebe. Bei regnerischem Wetter bilden sich die weißen Beläge an der Blattunterseite, die befallenen Stellen zeigen auf der Oberseite dann gelbe, chlorotische Flecken.

Dolden können während der gesamten Entwicklung befallen werden. Es entstehen Missbildungen und schmale Dolden. Ein Teil der Doldenblätter vertrocknet, wird blassbraun und teilweise von grau-weißem Pilzbelag überzogen. Die Infektionen bleiben unter verschiedenen, trockenen und nassen Witterungsbedingungen bestehen.

Eine besondere und schwer zu erkennende Befallssituation stellt der sogenannte "Spätmehltau" an bereits ausgebildeten Dolden zur Ernte dar. Getrocknete Dolden zeigen ausgeblichene, gelb-braune Sprenkel. Die Pilzfäden auf den Doldenblättern zeigen sich erst beim vorsichtigen Aufblättern der Dolde.

Ähnliche Schaderreger

Botrytis-Schäden sind zur Zeit der Ernte nicht eindeutig von Spätmehltaubefall an der Dolde unterscheidbar.

Schadwirkung

Echter Mehltau kann Ertrag und Qualität des Hopfens stark beeinträchtigen. Die Pilzkrankheit tritt nicht jedes Jahr und an jedem Standort gleich stark auf. So traten im Anbaugebiet der Hallertau nach etwa elf Jahren ohne nennenswerten Befall wieder einzelne Jahre mit ausgeprägten Mehltauproblemen auf. Dichte, blattreiche Bestände sind besonders gefährdet.

Biologie

Der Pilz kann alle grünen Pflanzengewebe des Hopfens befallen. Die Pilzbeläge werden aus Pilzfäden, Sporen und Sporenträgern des Pilzes auf der Pflanzenoberseite, teilweise auch an der Blattunterseite, gebildet.

Der Pilz überwintert meist in Form von von Pilzmyzel an und in bereits infizierten Pflanzen, was dann im Frühjahr unter schwülwarmen Bedingungen zum Ausbruch neuer Mehltaupusteln oder komplett infizierter Bodentriebe führt. Von dort können Sporen über mehrere hundert Meter mit dem Wind verbreitet werden, wodurch sonst gesunde Hopfengärten von entfernteren, unerkannten Infektionsquellen in anderen Gärten, aufgelassenen Gärten oder Wildhopfen angesteckt werden können.

Zusätzlich überwintert der Pilz in Form von Fruchtkörpern (Kleistothecien) im Boden und der Bodenstreu oder als Pilzgeflecht in und auf den unterirdischen Knospen des Wurzelstockes. Aus den Fruchtkörpern werden im Frühjahr bei Temperaturen über 10 °C und Blattnässe Sporen ausgestoßen, die untere Rebenbereiche neuer Pflanzen infizieren können.

Regulierungsstrategien: vorbeugen und bekämpfen

Die nachhaltige Kontrolle gelingt nur durch ein Bündel an vorbeugenden und anderen kulturtechnischen Maßnahmen.

Vorbeugende Maßnahmen

  • Standortwahl: Staulagen, die offen zur Hauptwindrichtung exponiert sind und möglicherweise noch eine benachbarte Infektionsquelle in der Flur besitzen, sind besonders gefährdet. Hier besonders auf wenig anfällige Sorten achten.
  • Sortenwahl: Robust sind Hallertauer Mittelfrüher, Spalter, Tettnanger, Saazer, HallertauerTradition, Saphir, Opal, Ariana, Callista und die Bittersorte Hallertauer Merkur.
  • Entlauben der Rebenbasis zur besseren Belüftung
  • Entfernen und Einackern der zahlreichen Bodentriebe, Verhindern von zu viel Blattmasse
  • angepasste, moderate Stickstoffdüngung
  • Rebenhäcksel nur in verrotteter Form ausbringen
  • Wild- und Durchwuchshopfen in der Umgebung roden
  • In Hopfengärten in gefährdeter Lage oder mit einer anfälligen Sorte nur zwei Triebe pro Aufleitung stehen lassen.

Direkte Bekämpfung mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln

Vorbeugend wirkende Fungizide müssen spätestens beim Auftreten der ersten Mehltaupusteln angewendet werden, insbesondere im Frühjahr von Mai bis Juni. In anfälligen Lagen oder Sorten können auch im Spätsommer Behandlungen gegen Spätmehltaubefall angezeigt sein.

Amtliche Behandlungsempfehlungen, die auf Prognosemodelle gestützt sind, sollten genutzt werden. Trotzdem sind sorgfältige wöchentliche Kontrollen in gefährdeten Gärten notwendig.

  • Pflanzenschutzmittel auf Basis von Schwefel wirken nur vorbeugend. Sie sollten nicht zur späten Behandlung angewendet werden, da sonst das Aroma beeinträchtigt werden kann.
  • Pflanzenschutzmittel auf Basis von Kaliumhydrogencarbonat

Letzte Aktualisierung 16.09.2019

Nach oben