Regionale Produkte

Das Regionalfenster

"Wir erleben in Deutschland eine beispiellose Renaissance des Regionalen. Immer mehr Verbraucher wollen Lebensmittel aus ihrer Heimat kaufen. Umso wichtiger ist es, dass regionale Produkte verl├Ąsslich und transparent gekennzeichnet werden", erkl├Ąrte die ehemalige Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner im Januar 2013 bei der Pr├Ąsentation erster Produkte mit dem neuen "Regionalfenster" auf der Internationalen Gr├╝nen Woche in Berlin. Diese neue bundesweit einheitliche Kennzeichnung bietet Herstellern die Chance, regionale Rohstoffherkunft transparent zu machen.

Das Fenster

Das Regionalfenster zeigt auf einen Blick, wo die wichtigsten Zutaten herkommen. In einem Informationsfeld auf der Verpackung stehen Angaben

  • zur Herkunft der landwirtschaftlichen Zutaten
  • zum Ort der Verarbeitung, bei nur verpackten Produkten Ort der Verpackung
  • zur Gesamtsumme aller regionalen Rohstoffe in Form einer Prozentzahl bei zusammengesetzten Produkten.

Ein Hinweis auf die neutrale Kontrolle erg├Ąnzt das Deklarationsfeld.

Die Kriterien

Das Regionalfenster bekommt jedes Produkt, das folgende Kriterien erf├╝llt:

  • Die Region muss f├╝r den Rohwarenbezug eindeutig und nachpr├╝fbar benannt werden (z.B. Landkreis, Bundesland oder Angabe eines Radius in Kilometern) und kleiner als die Bundesrepublik Deutschland sein, sie kann jedoch Staats- oder L├Ąndergrenzen ├╝berschreiten (z.B. Getreide aus der Eifel oder 100 Kilometer um Aachen).
  • Die erste Hauptzutat und die wertgebenden Zutaten m├╝ssen bei zusammengesetzten Produkten zu 100 % aus dieser definierten Region stammen. Betr├Ągt die erste Hauptzutat weniger als 51 % des Produktgesamtgewichts, so m├╝ssen auch die weiteren Zutaten jeweils zu 100 % aus der definierten Region stammen, bis mindestens 51 % des Gesamtgewichtes erreicht sind.
  • Der Ort der Verarbeitung muss im Regionalfenster in Zeile 2 benannt werden.
  • Bei zusammengestzten Produkten wird die Gesamtsumme aller regionalen Rohstoffe mit einer Prozentzahl in Zeile 3 angegeben.
  • Die Herkunft der landwirtschaftlichen Vorstufen/Betriebsmittel (z.B. Futtermittel, Jungtiere, Saatgut) kann im Regionalfenster optional angegeben werden.
  • Es besteht ein Qualit├Ątssicherungssystem mit nachvollziehbarer Dokumentationspflicht bzw. ein dreistufiges, neutrales Pr├╝f- und Sicherungssystem.
  • Die Vergabe des Regionalfensters erfolgt nach ├ťberpr├╝fung der angemeldeten Auslobung im Deklarationsfeld. Die ├ťberpr├╝fung erfolgt auf Basis einer j├Ąhrlichen, neutralen Prozesskontrolle.
  • Das beauftragte Zertifizierungsunternehmen, welches den Lizenznehmer ├╝berpr├╝ft hat, wird im Regionalfenster benannt.
  • Vergleichbare Pr├╝f- und Sicherungssysteme wie die Zertifizierungsverfahren der L├Ąnderzeichen von Baden-W├╝rttemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz werden anerkannt, so dass hier Kontrollaufwand und -kosten m├Âglichst gering gehalten werden k├Ânnen.
  • F├╝r die Vergabe von Lizenzen f├╝r das Regionalfenster und die Zulassung von Zertifizierungsstellen ist der Regionalfenster e.V. zust├Ąndig.

Beispiele f├╝r eine Vergabe des Regionalfensters:

  • Erdbeer-Fruchtaufstrich (75 Prozent Erdbeeren): 100 Prozent der Erdbeeren m├╝ssen aus der definierten Region stammen.
  • Schinkenwurst (47 Prozent Schweinefleisch, 42 Prozent Rindfleisch): 100 Prozent des Schweinefleischs m├╝ssen aus der definierten Region stammen. Da diese Zutat weniger als 50 Prozent des Produktgesamtgewichts betr├Ągt, muss auch das Rindfleisch zu 100 Prozent aus der definierten Region stammen.
  • Weizenvollkornbr├Âtchen (90 Prozent Weizenvollkornmehl): 100 Prozent des Weizens m├╝ssen aus der definierten Region stammen.

Der Tr├Ągerverein

Das Regionalfenster wird durch den Regionalfenster e. V. mit Sitz in Friedberg (Hessen), vergeben. Der Tr├Ągerverein bildet mit seinen Mitgliedern aus den Bereichen Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel die gesamte Wertsch├Âpfungskette der Lebensmittelproduktion ab. Begleitet wird der Tr├Ągerverein von einem Beirat, der sich aus Vertreterinnen und Vertretern des Bundesministeriums f├╝r Ern├Ąhrung und Landwirtschaft, der Bundesl├Ąnder, der Wissenschaft und Forschung und von Verbraucherverb├Ąnden zusammensetzt.

Der Verein vergibt das Regionalfenster nach den oben genannten Kriterien, die Einhaltung dieser wird durch unabh├Ąngige Kontrollinstitutionen wie beispielsweise ├ľkokontrollstellen ├╝berpr├╝ft. Wenn Sie als Hersteller Interesse an der bundesweit einheitlichen Regionalkennzeichnung haben, k├Ânnen Sie sich an den Regionalfenster e. V. wenden.


Lesetipp

Regionales Wirtschaften: Eine Chance f├╝r Lebensmittelunternehmen?
Herausgeber: Christian Korunka, Hermann Frank, Manfred Lueger, Reinhard Kainz, Paulus Stuller, Roman Sandgruber
Broschiert, 172 Seiten
Verlag: Facultas (Januar 2010)
ISBN-10: 3708905539
ISBN-13: 978-3708905532

Letzte Aktualisierung 07.09.2017

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