Faire Produkte

Label f├╝r fair erzeugte Bioprodukte

F├╝r viele Biokundinnen und Biokunden ist klar: Bio und fair geh├Âren zusammen. Laut aktuellem ├ľkobarometer 2016 gehen rund 75 Prozent der Befragten davon aus, dass die meisten Bioprodukte fair gehandelt sind. Und 42 Prozent von ihnen verbinden mit ├Âkologisch erzeugten Lebensmitteln die Einhaltung von Sozialstandards und ein faires, verl├Ąssliches Einkommen f├╝r die Erzeugerinnen und Erzeuger. Schon allein um die Erwartungen ihres Kundenkreises zu erf├╝llen, sollten Bioverarbeiterinnen und -verarbeiter nicht nur auf eine verl├Ąssliche Bioqualit├Ąt achten, sondern auch auf faire Produktionsbedingungen. Offensiv kommuniziert lassen sich damit auch neue sozial orientierte K├Ąufergruppen gewinnen oder Vorteile gegen├╝ber Mitbewerberinnen und Mitbewerbern erzielen.

Im Gegensatz zu "bio" ist der Begriff "fair" oder "fairer Handel" weder in Deutschland noch in der EU rechtlich gesch├╝tzt. F├╝r fair erzeugte Produkte gibt es kein einheitliches staatlich legitimiertes Zeichen, geschweige denn gesetzliche Vorgaben. Daf├╝r existieren Label verschiedener Organisationen: das bekannteste ist das Fairtrade-Label.

Wer vergibt das Fairtrade-Label?

Unter dem Dach der Organisation Fairtrade International sind nationale Fairtrade-Organisationen in mehr als 25 L├Ąndern sowie mehrere Produzentennetzwerke und Marketingorganisationen vereint. In Deutschland fungiert der Verein TransFair e.V. mit Sitz in K├Âln als Ansprechpartner f├╝r Unternehmen, die sich f├╝r eine Fairtrade-Zertifizierung interessieren. Der gemeinn├╝tzige Verein ber├Ąt zu Zertifizierungs- oder Finanzierungsfragen sowie bei der Suche nach m├Âglichen Partnern. Wer das Fairtrade-Siegel nutzen will, muss mit dem Verein einen Lizenzvertrag abschlie├čen. Lizenznehmerinnen und Lizenznehmer k├Ânnen hiesige Handelsunternehmen und Lebensmittelhersteller sein, die dann eine Fairtrade-Produktlinie anbieten.

Die Zertifizierungsgesellschaft FLOCERT kontrolliert, ob die Fairtrade-Standards vor Ort eingehalten werden. Unabh├Ąngig davon erfolgt die Biokontrolle ├╝ber daf├╝r akkreditierte ├ľkokontrollstellen. Nach Aussage von Transfair ist gut die H├Ąlfte aller Fairtrade-Organisationen zus├Ątzlich zur Fairtrade-Zertifizierung biozertifiziert.

Kriterien f├╝r die Fairtrade-Zertifizierung

Die Fairtrade-Standards regeln im Detail, welche Anforderungen die Produzentinnen und Produzenten, Plantagenbesitzerinnen und -besitzer in den sogenannten Entwicklungs- und Schwellenl├Ąndern des globalen S├╝dens, aber auch die Handels- und Verarbeitungsunternehmen hierzulande einhalten m├╝ssen. Alle Akteure der Lieferkette m├╝ssen nach dem Fairtrade-H├Ąndlerstandard zertifiziert sein. Zu den wichtigsten Kriterien z├Ąhlen:

  • Der m├Âglichst direkte Handel unter Ausschluss von Zwischenh├Ąndlern,
  • die Zahlung von Mindestpreisen, die Schwankungen der Weltmarktpreise ausgleichen und ├╝ber dem Weltmarktniveau liegen (f├╝r biozertifizierte Produkt gilt ein produktspezifischer Fairtrade-Bio-Zuschlag, der zehn bis zwanzig Prozent ├╝ber dem Mindestpreis liegt),
  • die Zahlung von Pr├Ąmien f├╝r eigene soziale, ├Âkonomische oder ├Âkologische Projekte der Produzentengruppen,
  • bei Bedarf Vorfinanzierung der Ernte sowie langfristige Lieferbeziehungen.

Wie viel Fairtrade muss in Schokolade und Co. drin sein?

Anders als bei Bananen oder Kaffee gibt es beispielsweise f├╝r Schokolade oder Gew├╝rzmischungen, sogenannten Mischprodukten, mehr Spielr├Ąume. Die Regeln sind nicht so streng wie bei naturbelassenen Bioprodukten:

  • Alle Zutaten, die als Fairtrade-zertifizierte Rohstoffe verf├╝gbar sind, m├╝ssen aus Fairtrade-Quellen stammen.
  • Der Anteil aller Fairtrade-Zutaten muss, gemessen am Normalgewicht/-volumen des Endprodukts, mindestens 20 Prozent ausmachen.
  • Hinzugef├╝gtes Wasser und/oder Milchprodukte flie├čen in diese Berechnung nicht ein, wenn ihr Anteil mehr als 50 Prozent des Endproduktes betr├Ągt.
  • Bei Kakao, Tee, Zucker und Fruchts├Ąften ist ein Mengenausgleich durch eine Vermischung konventioneller und fair gehandelter Produkte zul├Ąssig. Es ist also gut m├Âglich, dass eine Tafel Schokolade mit dem Fairtrade-Siegel gar keinen fair erzeugten Kakao enth├Ąlt. Umgekehrt kann eine bestimmte Kakaomenge aus fairer Produktion zu Schokolade verarbeitet werden, ohne dass diese Tafeln das Fairtrade-Siegel tragen. Im Endeffekt m├╝ssen die verkaufte Menge an Fairtrade-Rohstoffen und die eingekaufte Menge in der gesamten Lieferkette ├╝bereinstimmen.

Werden all diese Bedingungen erf├╝llt, d├╝rfen die Herstellerinnen und Hersteller von Fairtrade-Mischprodukten das Fairtrade-Siegel auf der Vorderseite der Verpackung anbringen. Der Prozentsatz Fairtrade-zertifizierter Inhaltsstoffe muss auf der R├╝ckseite der Verpackungen stehen. Erfolgt ein Mengenausgleich, muss dies aus der Kennzeichnung hervorgehen.

Naturland Fair in Nord und S├╝d

Weniger bekannt und verbreitet ist bisher das Naturland Fair-Label. Seit 2010 bietet der international agierende ├ľkoanbauverband eine freiwillige Zusatzqualifizierung f├╝r seine Mitglieder sowie f├╝r seine Partnerunternehmen an. Die Palette der rund 600 zertifizierten Produkte reicht von "Fair-Handelsklassikern" wie Kaffee, Kakao oder Bananen bis hin zu Lebensmitteln des t├Ąglichen Bedarfs wie Milch, Brot- und Backwaren,  Gem├╝se oder Getreideprodukte. Gegenw├Ąrtig nutzen hierzulande vierzig Naturland zertifizierte Verarbeitungsunternehmen die Siegelvariante Naturland Fair. Das Siegel gilt ├╝berall. "Naturland bezieht auch Erzeugerinnen und Erzeuger aus dem globalen Norden in den Gedanken des fairen Handels ein. Damit m├Âchten wir dem H├Âfesterben hierzulande entgegenwirken", erkl├Ąrt Andreas Ziermann vom Naturland Verband.

Ein Pluspunkt f├╝r die Verarbeiterinnen und Verarbeiter ist, dass sich die Fair-Kontrolle mit der ├ľkokontrolle kombinieren l├Ąsst. Das spart Kontrollkosten. Daf├╝r sind die Regeln strenger als beim Fairtrade-Zeichen. Bei einem aktuellen Vergleich von sechs Nachhaltigkeitssiegeln kam die Stiftung Warentest zu dem Schluss, dass das Naturland Fair Siegel den h├Âchsten Standard setzt.

Wichtige Kriterien f├╝r die Naturland fair-Zertifizierung

  • Wie beim Naturland Siegel m├╝ssen 100 Prozent der Zutaten aus ├Âkologischem Landbau stammen.
  • Alle Rohstoffe m├╝ssen aus fairem Handel stammen. Das gilt f├╝r Milch aus Deutschland ebenso wie f├╝r Kaffee oder Fr├╝chte aus dem S├╝den.
  • Auch wenn mehrere Rohstoffe in ein Produkt einflie├čen, sollten alle Zutaten fair erzeugt und gehandelt sein. Um das Mischprodukt auf den Markt zu bringen, kann mit einem Fair-Mindestanteil von 50 Prozent gestartet werden ÔÇô solange die betreffenden Zutaten nicht in ├ľko-fair-Qualit├Ąt zu bekommen sind.
  • Ein Mengenausgleich bei Mischprodukten ist nicht zul├Ąssig.
  • Die ganze Wertsch├Âpfungskette muss ├Âko-fair sein: auch die Weiterverarbeitung muss in allen Schritten die Naturland Richtlinien f├╝r ├Âkologische Verarbeitung und fairen Handel einhalten.
  • Soziale Standards von der Versammlungsfreiheit ├╝ber Einhaltung der Menschenrechte bis zum Ausschluss von ausbeuterischer Kinderarbeit sind ebenfalls verpflichtend.
  • Faire Erzeugerpreise mit partnerschaftlicher Preisfindung als Basis f├╝r einen angemessenen Gewinn und die Deckung der Produktionskosten.
  • Regionale Rohstoffe und Betriebsmittel haben Vorrang.

Heimische Bio-Fair-Initiative

Unter dem Dach des FairBio Vereins haben sich 2008 Bioverarbeiterinnen und Bioverarbeiter, darunter so bekannte Naturkostunternehmen wie Bauck oder Voelkel, zusammengeschlossen. Inzwischen z├Ąhlen auch einzelne ├ľkolandwirtinnen und ├ľkolandwirte und Biogro├čhandelsunternehmen zum Mitgliederkreis. Alle Mitglieder lassen ihr Unternehmen auf die vereinseigenen Fairness-Kriterien von einer anerkannten Kontrollstelle pr├╝fen und k├Ânnen nach der Zertifizierung das Fairbio-Logo f├╝r ihre Bioprodukte nutzen.

Im Gegensatz zum Naturland Fair-Konzept geht es dem FairBio Verein ausschlie├člich um heimische Fairness: es d├╝rfen nur Produkte aus heimischen Rohstoffen mit dem Vereinslabel gekennzeichnet werden und s├Ąmtliche Unternehmensbereiche werden bei der Zertifikation unter die Lupe genommen.

Auf den fairen Weg machen

Fazit: Faire Standards lassen sich auf unterschiedlichen Niveaus und mit unterschiedlichen Siegeln einf├╝hren. Voraussetzung daf├╝r ist die Bereitschaft zu schwierigen Lernprozessen und oft weitreichenden betrieblichen Ver├Ąnderungen. Doch allein im Sinne von pers├Ânlicher und betrieblicher Weiterentwicklung und aus Imagegr├╝nden lohnt sich der Einsatz.  Ein kurzfristiger wirtschaftlicher Erfolg im Sinne von h├Âheren Umsatz- oder Verkaufszahlen ist jedoch nicht garantiert. Um bei der Kundenansprache mit Fairness punkten zu k├Ânnen, muss das Unternehmen glaubw├╝rdig vermitteln, wie es diese Werte lebt.


Letzte Aktualisierung 14.12.2016

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