Sozialstandards

Bio gleich Sozial? Herausforderung Sozialstandards

Weltweit gelten internationale Standards und Richtlinien, um gewisse Grunds√§tze in der internationalen Marktwirtschaft und Zusammenarbeit zu garantieren. Diese bestehen haupts√§chlich aus den Grunds√§tzen der internationalen Arbeitsorganisation (ILO), der allgemeinen Erkl√§rung der Menschenrechte der Vereinten Nationen (UN) und der UN-Konventionen √ľber die Rechte von Kindern. Doch die globale Konkurrenz ist hart. Um an M√§rkten teilnehmen zu k√∂nnen, Investoren zu gewinnen und sich Wettbewerbsvorteile zu beschaffen, werden Sozialstandards und grundlegende Rechte von Arbeitnehmerinnen und -nehmern h√§ufig missachtet.

Die ILO-Kernarbeitsnormen

Neben den oben genannten Standards und Richtlinien, gibt es eine Vielzahl weiterer privater Standards, mit welchen Unternehmen in Selbstverpflichtung gegen√ľber Handelspartnern, Verbraucherinnen oder Verbrauchern, bescheinigen k√∂nnen, dass sie und ihre Lieferanten sich der Einhaltung von Sozialstandards verpflichten. Grundlage dieser Standards sind h√§ufig die ILO-Kernarbeitsnormen, welche auf vier Grunds√§tzen bestehen:

  • Vereinigungsfreiheit und Recht auf Kollektivverhandlungen
  • Beseitigung der Zwangsarbeit
  • Abschaffung der Kinderarbeit
  • Verbot der Diskriminierung in Besch√§ftigung und Beruf

Die Biokundschaft erwartet es längst

Gr√ľnde, sich intensiver mit Sozialstandards zu besch√§ftigen, gibt es viele. Vielen Unternehmen aus der Biobranche war es von Gr√ľndung an wichtig, mit ihren Partnern in aller Welt eine sozial faire Zusammenarbeit zu garantieren und dies auch ihren Kundinnen und Kunden gegen√ľber zu kommunizieren. Diese Verarbeiter besch√§ftigen sich also auch aus reiner Selbstverpflichtung mit der Einhaltung der Standards. Die EU-Rechtsvorschriften f√ľr den √∂kologischen Landbau geben in diesem Punkt keine Vorgaben, sodass die Einhaltung von Sozialstandards nicht automatisch garantiert ist, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher ein Bioprodukt erwerben. Umfragen zeigen jedoch, dass soziale Kriterien beim Kauf von Bioprodukten eine wichtige Rolle spielen. Verbraucherinnen und Verbraucher gehen also bereits davon aus, dass solche Standards eingehalten werden. Der Einzelhandel m√∂chte den Erwartungen seiner Kundschaft nachkommen und fordert dementsprechend auch von den Herstellern vermehrt den Nachweis zur Einhaltung von Sozialstandards.

Hinweis: Die verschiedenen √∂kologischen Anbauverb√§nde greifen Sozialrichtlinien in unterschiedlicher Intensit√§t auf. Teils werden diese in den allgemeinen Grunds√§tzen des Verbandes beschrieben, teils auch direkt kontrolliert. Naturland ist der einzige Verband, der in jeder der Kontrollen auch seine Sozialrichtlinien abpr√ľft. Die Zugeh√∂rigkeit zu einem √∂kologischen Anbauverband in Deutschland, mit Ausnahme von Naturland, garantiert also nicht, dass Sozialkriterien unmittelbar kontrolliert werden.

Hier können Unternehmen ansetzen

Je nachdem aus welchem Grund Verarbeiter sich mit Sozialstandards auseinander setzen m√∂chten, gibt es verschiedene M√∂glichkeiten, Ans√§tze und Anbieter, nach deren Richtlinien sich ein Unternehmen zertifizieren lassen kann. Auf freiwilliger Basis wird h√§ufig ein Code of Conduct (Verhaltenskodex) vereinbart, mit dem Verhaltensweisen in freiwilliger Selbstbindung zwischen Handelspartnern auferlegt werden. Inhalt dieses Code of Conducts k√∂nnen beispielsweise die ILO Kernarbeitsnormen, die allgemeinen Erkl√§rung der Menschenrechte der Vereinten Nationen (UN) und die UN-Konventionen √ľber die Rechte von Kindern sein. Auch eine Lieferantenselbstauskunft ist eine M√∂glichkeit, um sich dem Thema auf freiwilliger Basis zu n√§hern.

M√∂chte oder braucht ein Unternehmen einen Standard, welcher kontrolliert und zertifiziert wird, so kann es zwischen einer Vielzahl an privaten Anbietern w√§hlen. Eine gute Bewertungsbasis bietet dabei das International Trade Centre, eine gemeinsame Organisation der Vereinten Nationen und der Welthandelsorganisation (WTO), mit der sogenannten Standardsmap. Dort findet sich eine √úbersicht mit verl√§sslichen und transparenten Informationen √ľber alle g√§ngigen Standards. Weiterhin gibt es die M√∂glichkeit, nach Produkten, L√§ndern oder Zielmarkt zu filtern, sowie Standards miteinander zu vergleichen.

Stolpersteine f√ľr die Zukunft

Die Auswahl an Anbietern von Sozialstandards f√ľr verschiedene Produktkategorien und L√§nder ist zwar gro√ü, doch eine Sozialzertifizierung bietet keinem Unternehmen eine 100 prozentige Sicherheit, dass die festgelegten Normen eingehalten werden. So gibt es nach wie vor L√§nder, die nicht alle ILO-Kernarbeitsnormen ratifiziert haben. Und Kontrollen der privaten Anbieter bilden h√§ufig auch nur Momentaufnahmen ab. Viele Unternehmen investieren daher viel Zeit und Geld in zus√§tzliche Lieferantenaudits vor Ort.

Zudem kann es zu Zielkonflikten f√ľr Verarbeiter kommen, denn nicht jeder langj√§hrige und zuverl√§ssige Lieferant kann oder m√∂chte die Kosten und Zeit f√ľr ein zus√§tzliches Audit in Kauf nehmen. Dies wird insbesondere dann zu einer Herausforderung, wenn die Einhaltung von Sozialstandards von Handelspartnern gefordert wird. Die zus√§tzlichen Kosten f√ľr solche Audits verteuern au√üerdem die Rohware.

Hinweis: Ein offener und enger Austausch zu dem Thema ist daher mit allen Handelspartnern notwendig. Es sollte bei dem Thema Sozialstandards nicht nur um die reine Einhaltung von vorgegeben Richtlinien gehen, sondern darum, gemeinsam im direkten Kontakt mit den Lieferanten an den Herausforderungen zu arbeiten.

Instrumente nutzen

Verarbeiter k√∂nnen in ihrem Unternehmen bereits vorhandene Systeme zur Lieferantenbewertung nutzen und diese um Kriterien zu sozialen Standards erweitern. Alternativ kann eine eigene Matrix erstellt werden, anhand welcher das Unternehmen entscheidet, ob ein Lieferant die erforderlichen Standards erf√ľllt oder nicht. Wichtig dabei ist, herauszufinden, wie hoch der Anteil an Rohwaren aus risikobehafteten Herkunftsl√§ndern f√ľr das Unternehmen ist. Welches Land als Risikoland einzustufen ist, l√§sst sich anhand einer Liste der Business Social Compliance Initiative (BSCI) und der √úbersicht der ILO definieren.


Aus der Forschung - f√ľr die Praxis

Im Rahmen des Bundesprogramms √Ėkologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (B√ĖLN) werden zahlreiche Forschungsprojekte durchgef√ľhrt.

Aus der Forschung - f√ľr die Praxis

Im Rahmen des Bundesprogramms √Ėkologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (B√ĖLN) wurde ein Projekt der Assoziation √∂kologischer Lebensmittelhersteller (A√∂L) und Bionext zu "Leitlinien zur Qualit√§tssicherung f√ľr Hersteller und H√§ndler √∂kologischer Erzeugung" gef√∂rdert. Diese Leitlinien enthalten auch ein Instrument zur Lieferantenbewertung, welches jedes Unternehmen individuell f√ľr sich erweitern und zum Beispiel um Kriterien der sozialen Standards erg√§nzen kann. Das Instrument ist im Abschlussbericht beschrieben und kann auf Nachfrage bei der A√∂L auch als Excel-Datei zur Verf√ľgung gestellt werden.

http://orgprints.org/26504/


Letzte Aktualisierung 16.05.2017

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