Lebensmittelverschwendung vermeiden

Lebensmittel im Abfall - ein Thema f├╝r jeden Betrieb

Es ist in aller Munde - obwohl es doch gerade dort nicht angekommen ist: das noch verzehrbare Lebensmittel, das auf allen Stufen der Wertsch├Âpfungskette unn├Âtigerweise entsorgt wird. Auf Grundlage der 2012 erschienenen, vom Bundesministerium f├╝r Ern├Ąhrung und Landwirtschaft (BMEL) in Auftrag gegebenen Studie zu diesem Thema leistet das Ministerium eine breit aufgestellte ├ľffentlichkeitsarbeit mit der Kampagne "Zu gut f├╝r die Tonne". Vor allem bei Verbraucherinnen und Verbrauchern soll damit die Sensibilit├Ąt gegen├╝ber dem schnellen Wegwerfen erh├Âht werden. Denn die bundesdeutschen Haushalte sind mit ├╝ber 60 Prozent die mit Abstand gewichtigsten Entsorger verzehrbarer Lebensmittel.

Bereits in der Herstellung werden viele essbare Lebensmittel entsorgt

Schon an zweiter Stelle folgt mit 17 Prozent Anteil am Gesamtaufkommen entsorgter Lebensmittel die Nahrungsmittelindustrie: circa 1.850.000 Tonnen pro Jahr. Das stellt in jedem Fall f├╝r die Lebensmittel herstellenden Unternehmen einen nicht zu untersch├Ątzenden Wirtschaftsfaktor dar und birgt zugleich enormes Einsparpotenzial.

Die Ursachen der Lebensmittelentsorgung in der Branche sind vielf├Ąltig: angefangen bei Fehlchargen, die bestimmten Produkt- und Qualit├Ątseigenschaften nicht gen├╝gen, Proben und R├╝ckstellmustern im Rahmen der Qualit├Ątssicherung, ├ťberproduktion, Fehlplanungen beziehungsweise ungleiche Nachfrage sowie Retourwaren, technische St├Ârungen bis hin zu den gesetzlichen Beschr├Ąnkungen beziehungsweise Handelsnormen im Bereich der frischen Lebensmittel.

Im Rahmen der Studie wurde Handlungsbedarf zur Verringerung der Wegwerfrate f├╝r den Bereich der Lebensmittelindustrie auf folgenden Ebenen identifiziert:

  • Betriebs- und Prozessoptimierungen zur nachhaltigen Produktion
  • Beratung zu ressourceneffizientem Wirtschaften (Beispiel: Bildung von Netzwerken)
  • freiwillige Verpflichtungserkl├Ąrung der Lebensmittelindustrie (wie beispielsweise in Gro├čbritannien das Courtauld Commitment - PDF-Datei)

Wie stehen ├Âkologische Lebensmittelverarbeiter da?

F├╝r Lebensmittelhersteller ist die Studie ein guter Anlass, selbst kritisch zu hinterfragen, wie sie mit dem Abfallthema in ihrem Betrieb umgehen.

  • Der Leitgedanke der ├Âkologischen Lebensmittelwirtschaft- Lebensmittel umweltgerecht, naturnah und schonend zu verarbeiten - legt auch einen bewussten Umgang mit Rohstoffen und Lebensmittelresten nahe.
  • ├ľkologisch erzeugte Rohstoffe sind aufgrund ihrer umweltschonenden und sorgf├Ąltigen Erzeugung besonders wertvoll, das schl├Ągt sich auch in ihren Preisen nieder.
  • Die Verwertung des gesamten Inputs eines Verarbeitungsbetriebes stellt in der Profilierung gegen├╝ber Kundinnen, Kunden und anderen Marktteilnehmern zunehmend ein ├╝berzeugendes Argument dar. Dazu geh├Âren auch Reste, die nicht mehr f├╝r den Verzehr geeignet sind, wie Mehlstaub, Dinkelspelz, Herz vom Schlachtvieh, Presskuchen etc.
  • Und nicht zuletzt: Die Entsorgung verzehrbarer Lebensmittel oder nutzbarer Rohstoffe ist vor dem Hintergrund von 925 Millionen hungernden Menschen weltweit untragbar.

Beispielhaft ist in diesem Zusammenhang der Ansatz der B├Ąckerei M├Ąrkisches Landbrot in Berlin: Um Reststoffe wie Teigreste und Retourenbrote, aber auch Mehlst├Ąube und Bruchk├Ârner verwerten zu k├Ânnen, ist das Unternehmen bereits seit 2006 als Futtermittelh├Ąndler registriert. Verzehrbare Backwaren werden als Spendenbrote weitergegeben. So landet schlie├člich nur ein kleiner Rest in der Kompostierung oder energetischen Verwertung in der Biogas-Anlage. Es ist zu hoffen, dass im weiteren Verlauf der Aufarbeitung der Abfallthematik die wertsch├Ątzende Haltung von Bioverarbeitern eine Rolle spielen wird.


Letzte Aktualisierung 30.01.2018

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