Lohnverarbeitung

Lohnverarbeitung von Bioprodukten

T├Ątigkeiten im Produktionsprozess an Dienstleister abzugeben, ist in der Branche seit jeher ├╝blich. Dabei kann es sich um eine Lohnlagerung handeln, um die Auslagerung eines einzelnen Produktionsschrittes, aber auch um die komplette Herstellung des Produktes im Lohn.

Warum eine T├Ątigkeit au├čer Hand geben?

Eine Lohnverarbeitung oder Lohnlagerung bietet immer Vor- und Nachteile. Ob die Gr├╝nde daf├╝r oder dagegen ├╝berwiegen, muss jedes Unternehmen f├╝r sich abw├Ągen.

Gr├╝nde daf├╝r

  • Kapazit├Ątsengp├Ąsse im eigenen Haus
  • Mengen zu klein/gro├č
  • Fachliches Know How und Kompetenz beim Dienstleister
  • Produktion im eigenen Haus unwirtschaftlich
  • Fehlende technische Einrichtung
  • Zu risikoreiche eigene Investition notwendig
  • Fehlendes Personal

Gr├╝nde dagegen

  • Verantwortung wird aus der Hand gegeben
  • Abh├Ąngigkeit vom Dienstleister
  • Fehler bei Dienstleister f├╝hren auch zu eigenem Schaden
  • Produkthaftung wird komplizierter
  • Zus├Ątzliche Transportkosten
  • Erh├Âhter Kommunikationsbedarf
  • Keine Entwicklungsm├Âglichkeit f├╝r das eigene Personal in dem Themenbereich

Wenn man sich dazu entscheidet, eine T├Ątigkeit auszulagern ist es wichtig eine schriftliche Vereinbarung zu treffen, damit die Anforderungen, Erwartungen, aber auch Verantwortungsbereiche f├╝r beide Parteien eindeutig und verst├Ąndlich festgehalten sind. Dies gilt insbesondere auch f├╝r die ├Âkospezifischen Anforderungen.

Wie sind die rechtlichen Vorgaben?

Die EU-Rechtsvorschriften f├╝r ├Âkologischen Landbau regeln in Artikel 28, Absatz 1, dass ein Unternehmer, der eine seiner T├Ątigkeiten von einem Dritten aus├╝ben l├Ąsst (= Erzeugung, Aufbereitung, Lagerung, Import oder Handel), dennoch der Pflicht unterliegt, sich dem Kontrollsystem zu unterstellen und seine T├Ątigkeiten an die Beh├Ârden zu melden. Zudem unterliegen die im Auftrag gegebenen T├Ątigkeiten ebenfalls der Kontrollpflicht.

Im Schadensfall greift in Deutschland das Produkthaftungsgesetz. Lagert ein Unternehmen die komplette Produktion aus, verkauft das Produkt aber unter eigenem Namen oder eigener Marke ohne den tats├Ąchlichen Hersteller anzugeben, so gilt es als "Quasi-Hersteller" und kann haftbar gemacht werden. Daher sollten sich Unternehmen ausf├╝hrlich dar├╝ber informieren, wie die Produkthaftung im Schadensfall aussieht und dies bereits in der vertraglichen Vereinbarung mit dem Lohnunternehmen festhalten.

Wie l├Ąuft die Bio-Zertifizierung bei der Lohnverarbeitung ab?

Das Kontrollsystem sieht hier zwei M├Âglichkeiten vor:

  • Eigenst├Ąndige Bio-Zertifizierung
    Es ist empfehlenswert einen Lohnverarbeiter zu suchen, der selbst bio-zertifiziert ist. Eine eigenst├Ąndige Zertifizierung ist vor allem dann sinnvoll, wenn der Dienstleister f├╝r mehrere Unternehmen ├Âkologische Produkte lagert oder verarbeitet. In diesem Fall findet beim Lohnunternehmen eine eigenst├Ąndige Biokontrolle durch dessen Kontrollstelle statt und die Kontrollkosten werden auch von dem Unternehmen selbst getragen. Sitzt das Lohnunternehmen nicht in der EU, muss darauf geachtet werden, dass dieses von einer als gleichwertig anerkannten Kontrollstelle kontrolliert wird.
  • Einbindung in das Kontrollverfahren des Auftraggebers
    Es gibt aber auch F├Ąlle, in denen zum Beispiel aufgrund von regionaler N├Ąhe oder besonderer T├Ątigkeit, ein Dienstleister gew├Ąhlt wird, der nicht selbst bio-zertifiziert ist. Dann besteht die M├Âglichkeit, dass die ├ľkokontrollstelle des Auftraggebers auch den Lohnverarbeiter mit kontrolliert. Die Kontrolle findet je nach Risikoeinstufung alle ein bis drei Jahre statt. Die Kosten f├╝r diese Kontrolle tr├Ągt der Auftraggeber, er kann diese in Absprache aber nat├╝rlich an den Dienstleister weiterverrechnen.

Welche Dokumente sind f├╝r die Biokontrolle notwendig?

Ob der Lohnverarbeiter eigenst├Ąndig kontrolliert oder im Kontrollverfahren des Auftraggebers aufgenommen wird, es muss immer gem├Ą├č Artikel 86 der Verordnung (EG) 889/2008 eine detaillierte Beschreibung des Lohnunternehmens und seiner T├Ątigkeiten vorgelegt werden. Ist der Dienstleister nicht selbst bio-zertfiziert, ist zudem eine Best├Ątigung n├Âtig, dass die Kontrollstelle des Auftraggebers beim Lohnunternehmen eine Kontrolle durchf├╝hren darf.

Weiterhin muss gew├Ąhrleistet werden, dass eine R├╝ckverfolgbarkeit der Ware und die Einhaltung der rechtlichen Vorgaben f├╝r die ├Âkologische Produktion jederzeit gegeben sind.

Wenn Verbandsware an das Lohnunternehmen gegeben wird, m├╝ssen zus├Ątzlich auch die jeweiligen Bio-Anbauverb├Ąnde informiert werden. Diese haben h├Ąufig ebenfalls eigene Dokumente, welche in diesem Fall ausgef├╝llt werden m├╝ssen.

M├Âchte ein Unternehmen Produkte im Lohn von einem anderen Unternehmen verarbeiten lassen, sollten die folgenden Punkte gekl├Ąrt werden:

  • ├ťberpr├╝fen, ob das Lohnunternehmen schon eine eigene Biozertifizierung hat,
  • bei Lohnunternehmen au├čerhalb der EU ├╝berpr├╝fen, ob diese von einer anerkannten Kontrollstelle kontrolliert werden,
  • Verantwortlichkeiten eindeutig kl├Ąren und in einem Vertrag festhalten,
  • die eigene ├ľkokontrollstelle informieren und Dokumente zur Erfassung der Daten des Lohnunternehmers zusenden lassen,
  • gegebenenfalls Zusatzvereinbarung/Vertrag mit der Kontrollstelle und dem Lohnunternehmen ausf├╝llen,
  • Liste aller beauftragten Lohnunternehmen f├╝hren und bei der Biokontrolle vorlegen,
  • im Fall von Verbandsware den Bio-Verband informieren.

Letzte Aktualisierung 24.09.2018

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