Änderungen bei Zusatz- und Hilfsstoffen

Aktuelle Änderungen bei Zusatz- und Hilfsstoffen

Mit der Durchführungsverordnung (EU) 2019/2164 vom Dezember 2019 wird die Liste der erlaubten Zusatz- und Hilfsstoffe für Bio-Produkte geändert. Die Liste wird länger und enthält nun 54 zugelassene Zusatzstoffe und 42 zugelassene Verarbeitungshilfsstoffe. Zudem wird die Liste "ökologischer": Die Anzahl der Stoffe, welche aus ökologischer Produktion stammen müssen, erhöht sich auf 15. 

Mit zunehmendem Wachstum des Biomarktes kommen auch neue Produktgruppen hinzu. Häufig wurde für einzelne benötigte Zusatzstoffe oder Hilfsstoffe für deren Anwendungsbereich die Übereinstimmung mit den Bioprinzipien vom Gesetzgeber bisher noch gar nicht überprüft. Dies zeigt sich zum Beispiel bei Stoffen für die Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln oder Pflanzenproteinextrakten. Zudem ergeben sich in manchen Produktbereichen neue technologische Herausforderungen, wenn die Verarbeitungsmenge wächst. Wie zum Beispiel in der Zuckerherstellung aus Zuckerrüben, bei welcher die Beherrschung der mikrobiellen Belastung mit den bisher zugelassenen Stoffen nicht mehr ausreichend möglich war. Daher kommt es immer wieder dazu, dass neue Stoffe zugelassen werden oder sich die Anwendungsbereiche erweitern.

Was ändert sich bei den Zusatzstoffen?

Was ändert sich bei den Verarbeitungshilfsstoffen?

Es wird ökologischer!

Neben Neuzulassung oder Erweiterung des Anwendungsbereiches einzelner Stoffe fällt in der Durchführungsverordnung (EU) 2019/2164 noch etwas anderes auf: Die Anzahl der Stoffe, die aus ökologischer Produktion stammen müssen, erhöht sich von 8 auf 15. Schließlich haben viele dieser Stoffe einen landwirtschaftlichen Ursprung und können somit auch ökologisch produziert werden. Außerdem möchte der Gesetzgeber langfristig gesehen das Ziel erreichen, dass Bio-Produkte auch tatsächlich zu 100 Prozent aus ökologischen Zutaten bestehen. Um eine angemessene Übergangszeit für die neuen Fälle zu gewährleisten, gelten diese Vorgaben ab 1. Januar 2022.

Der Rechtstext unterscheidet noch zwischen Stoffen, welche aus ökologischen Rohstoffen gewonnen werden und solchen, die aus ökologischer Produktion stammen. Letztere sind als eigenständiges Produkt biozertifiziert. Bei ersteren stammen die Rohstoffe aus biozertifizierter Herkunft, aber das Produkt selbst nicht. Dies ist auf den ersten Blick etwas verwirrend, hat aber in den meisten Fällen einen rein juristischen Hintergrund. Mit Einführung der neuen Bioverordnung (EU) 2018/848 ab 2021 ändert sich diese Rechtssituation in einzelnen Fällen. Die folgende Tabelle gibt dazu eine Übersicht:

StoffAnwendungsbedingung
Lecithine (E322)Seit 1. Januar 2019 aus ökologischen Rohstoffen. Ab 1. Januar 2022 aus ökologischer Produktion.
Extrakte aus Rosmarin (E392)Aus ökologischer Produktion. Bereits geltendes Recht.
Johannisbrotkernmehl (E410)Ab 1. Januar 2022 aus ökologischer Produktion.
Guarkernmehl (E412)Ab 1. Januar 2022 aus ökologischer Produktion.
Gummi arabicum (E414)Ab 1. Januar 2022 aus ökologischer Produktion.
Tarakernmehl (E417)Ab 1. Januar 2022 aus ökologischer Produktion.
Gellan (E418)Ab 1. Januar 2022 aus ökologischer Produktion.
Glycerin (E422)Ab 1. Januar 2022 aus ökologischer Produktion.
Bienenwachs (E901)Aus ökologischer Bienenhaltung. Bereits geltendes Recht.
Carnaubawachs (E903)Aus ökologischen Rohstoffen nach bereits geltendem Recht. Ab 1. Januar 2022 aus ökologischer Produktion.
Erythrit (E968)Aus ökologischer Produktion ohne Einsatz von Ionenaustauschtechnologie. Bereits geltendes Recht.
Pflanzliche ÖleAus ökologischer Produktion. Bereits geltendes Recht.
Essigsäure/EssigAus ökologischer Produktion. Bereits geltendes Recht.
HopfenextraktWenn verfügbar aus ökologischer Produktion.
PinienharzextraktWenn verfügbar aus ökologischer Produktion.

Letzte Aktualisierung 21.02.2020

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