Tiefgekühltes Biogemüse

Markt für tiefgekühltes Biogemüse wächst

Der Anbau von Biogemüse für die Verarbeitung nimmt seit Jahren zu. Die Landwirtinnen und Landwirte gehen in der Regel mit dem Verarbeitungsunternehmen langfristige Verträge ein, die beide Seiten absichern. Das frische Gemüse wird unmittelbar nach der Ernte bei sehr tiefen Temperaturen schockgefrostet. Im Vergleich zu Konservierungsverfahren wie Einkochen, Trocknen und Einlegen bleiben Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Eiweiß, Fette, Vitamine und Mineralstoffe beim Tieffrieren weitgehend erhalten. Auch die Biokundinnen und Biokunden schätzten den schnellen Griff in die Tiefkühltruhe und nutzen das tiefgekühlte Gemüse als Beilage oder als Basis für Suppen und vieles mehr.

Für 2019 ergab die Trendbefragung des Deutschen Tiefkühlinstituts (dti), dass Regionalität und Bio weiter starke Trends im TK-Sortiment bleiben. Die Hersteller greifen diese Trends durch die bewusste Wahl der Rohstoffherkunft zum Beispiel bei Kartoffel- und Gemüseprodukten auf. Trotzdem war der Gesamtmarkt für tiefgekühltes Gemüse 2018 gegenüber dem Vorjahr leicht rückläufig.

Die Einkaufsmenge an Biotiefkühlgemüse ist 2018 um knapp sieben Prozent gestiegen. Der Bio-Anteil an der Verkaufsmenge von TK-Gemüse ist somit von 5,7 Prozent im Jahr 2017 auf 6,3 Prozent im Jahr 2018 gestiegen. Insbesondere tiefgekühltes Buttergemüse (plus 30 Prozent) und Gemüsepfannen (plus 28 Prozent) sowie Erbsen (plus 23 Prozent) haben Verbraucherinnen und Verbraucher stärker nachgefragt. Aber auch tiefgekühlter Bioblumenkohl und Biobroccoli landeten 2018 häufiger im Einkaufswagen, so die AMI-Analyse des GfK-Haushaltspanels.

Demgegenüber ist die Einkaufsmenge an tiefgekühltem Biokaisergemüse, Biospinat und Biobohnen im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Trotz leicht rückläufiger Einkaufsmengen entfielen 2018 fast 19 Prozent der gesamten Einkaufsmenge an Biotiefkühlgemüse auf Spinat. Biospinat aus der Tiefkühltruhe ist sowohl bei allen konventionellen Handelsketten zu finden – auch Discounter haben eine Biovariante in der Kühlauslage – als auch im Naturkosthandel. Der "Biotrend Bio Blattspinat" von Lidl und "Gut Bio Blattspinat" von Aldi Nord können mit den niedrigsten Packungspreisen aufwarten.

Tiefgekühlter Biospinat dominiert

Außerdem kauften die privaten Haushalte 2018 insgesamt 873 Tonnen tiefgekühlte Biokräuter, das waren sechs Prozent mehr als im Jahr zuvor. Verzehrfertige Biokräuter stellten 2018 mehr als 26 Prozent der Einkaufsmenge an TK-Kräutern insgesamt. Tiefgekühlte Biokräuter eignen sich zum Verfeinern von Gerichten, Dips und Salaten.

Die Bioverarbeitungsunternehmen haben sich zunehmend auch den Erbsen für die Verarbeitung gewidmet. Weitere Trendgemüsearten sind Kürbis, Brechbohnen, Broccoli, Blumenkohl, Grünkohl und Zuckermais. Auch in fertigen Gemüsemischungen bestehend aus mehreren Gemüsearten wie Möhren und Erbsen hält das Biogemüse Einzug in die Tiefkühltruhe.

Langfristige Partnerschaften bieten Sicherheit

Die Bioverarbeitungsunternehmen schließen oft langfristige Verträge mit den Landwirtinnen und Landwirten ab, um sich nach beiden Seiten abzusichern. Einige verarbeitenden Unternehmen übernehmen zum Teil bereits die Anbauplanung (Sortenauswahl, Mengen, Qualitäten, Erntezeitpunkt). Dafür können sich die Vertragslandwirtinnen und -landwirte auf die Abnahme ihres Produkts verlassen.

Die steigende Nachfrage nach TK-Gemüse in Bioqualität sieht auch Wilfried Schaffer, Verkaufsleiter Bio der Meyer Gemüsebearbeitung GmbH, im Gespräch mit Freshplaza.de. Auf Produktebene ist die Möhre weiterhin vorn, gefolgt von Kartoffeln und Zwiebeln. Weitere gefragte Produkte – neben den klassischen Rohwaren – sind Sellerie, Porree, Bohnen und Hokkaido-Kürbisse und viele mehr. Diese Produkte werden in der hauseigenen Produktionsstätte verarbeitet. Andere Artikel wie Paprika, Tomaten, Broccoli und so weiter kauft Meyer in vorgefertigter Form zu. Die Firma lässt bei einem polnischen Tochterunternehmen Zwiebeln, Porree und Hokkaido-Kürbisse verarbeiten. Demzufolge wurde in den letzten Jahren speziell in die Bioproduktion investiert. Derzeit werden noch Verträge mit einzelnen Landwirtinnen und Landwirten geschlossen, während im konventionellen Bereich regionale Erzeugergemeinschaft als Vertragspartner auftreten.

Die ausschließliche Frostung von Biogemüse betreibt nur ein deutsches Verarbeitungsunternehmen: Die BIO-FROST Westhof GmbH in Schleswig-Holstein verarbeitet seit ihrer Gründung 1998 ausschließlich Gemüse von zertifizierten Biobetrieben. Da die Produktionsstätte mitten in einem der größten europäischen Anbaugebiete für Biogemüse liegt, kann das Gemüse gleich nach der Ernte verarbeitet und gefrostet werden.

Neben TK-Produkten in Kleinverpackungen für LEH und Naturkosthandel bieten viele Bioverarbeitungsunternehmen auch Großgebinde für die weiterverarbeitende Industrie an. Auch Hersteller von Babykost erhalten wichtige Bestandteile für ihre Gläschen als tiefgekühlten Biorohstoff. Das Biogemüse kann dann in der Lieferkette ohne große Verluste von Nährstoffen und Vitaminen weiterverarbeitet werden. Auch Kantinen und die Gastronomie fragen Großgebinde von tiefgefrorenen Biogemüse nach.

Verbandsware rückt in den Fokus

Zunehmend wird im Handel auch Biotiefkühlgemüse mit der Herkunft Deutschland ausgelobt. Die heimische Herkunft der Rohware ist für die Biokundinnen und -kunden ein zusätzlicher Kaufanreiz. Noch begehrter ist das Tiefgekühlte, wenn das Gemüse nach Verbandsrichtlinien erzeugt wurde. Während Marktkenner die Versorgung mit EU-Bioware als unproblematisch bezeichnen, ist es schwieriger, Rohstoffe mit Verbandslabel in ausreichenden Mengen zu erhalten.

Dem Anbau und der Verarbeitung von biologisch-dynamischem Biogemüse hat sich die Demeter-Felderzeugnisse GmbH verschrieben. Als erstes brachte das Unternehmen im Jahr 1995 Biotiefkühlprodukte auf den Markt. Mittlerweile wird ein großes Sortiment an Biogemüse in Demeterqualität unter anderem für die Marke "Natural Cool" angebaut und im Naturkosthandel vertrieben. Auch Tiefkühlprodukte für die Gastronomie gehören zum Kerngeschäft. Das von der Erzeugergemeinschaft verarbeitete Biogemüse kommt auch als Zutat in Tiefkühlpizza oder in Convenience-Produkten wie Cannelloni mit Spinat zum Einsatz. Demeter Felderzeugnisse bauen auf Wunsch für ihre Kundschaft auch Exoten wie Brennnesseln, Kräuter, Sauerampfer, Schwarzwurzeln oder Pastinaken in Demeter-Qualität für die Verarbeitung an. Die seit mittlerweile drei Jahrzehnten bestehende Erzeugergemeinschaft von Biolandwirtinnen und -landwirten hat mit Unterstützung von Liefer- und Verarbeitungsunternehmen bis heute über 600 Tiefkühlprodukte in Demeter-, Bioland und Bio-Qualität entwickelt.

Auch Westhof Bio sieht eine Tendenz hin zu tiefgekühltem Verbandsgemüse. Demnach wollen die führenden Supermärkte sowie Fachhandelsketten ihr Produktportfolio erweitern und mehr Demeter-Artikel ins Sortiment bringen. Unter anderem Rote Bete, Möhren, Broccoli und Blumenkohl können von dem Unternehmen bereits als Demeter-Produkte angeboten werden. Westhof Bio bietet zudem Verbandsware von Naturland und Bioland an.

Gemüse mit Biolandzertifizierung bietet auch der deutsche Tiefkühlhersteller Frosta an. Das Bioland-Logo findet sich prominent auf der Packung. Von der Marke Frosta gibt es aktuell nur drei reine Sorten Bio-Gemüse sowie ein Sommergemüse tiefgekühlt. Um die Rückverfolgbarkeit und Qualität zu sichern, bezieht Frosta das gesamte Biogemüse frisch von den Feldern der Vertragsbäuerinnen und -bauern aus Deutschland; die Verarbeitung erfolgt an den Produktionsstandorten im Elbtal und im Rheintal.

Wachsender Export – vor allem in die USA

Das Marktpotenzial von verarbeitetem Biogemüse ist europaweit noch bei Weitem nicht ausgeschöpft. Um dem Anbau von Biogemüse für die Verarbeitung bis hin zum Produkt im Glas oder in der Konserve eine Lobby zu geben, wurde 2017 die European Organic Processing and Trade Association (OPTA, Europäische Vereinigung für Biologische Weiterverarbeitung und Handel) gegründet. Die OPTA möchte europaweit eine starke biologische Lieferkette mit aktiven Verarbeitern und Händlern aufbauen. Der Vorstand der OPTA besteht aus fünf Mitgliedern aus vier europäischen Ländern. Die Niederlande sind mit sechs von 15 Gründungsmitgliedern stark in der Vereinigung vertreten.

Der Export auf europaweiter Ebene sowie in Drittländern ist ein sehr bedeutendes und wachsendes Standbein mancher Bioverarbeitungsunternehmen. So erzählt auch Jan Groen, CEO von Green Organics in den Niederlanden, vom Wachstumsmarkt USA. In den USA steigt die Nachfrage nach Bioprodukten – frisch und verarbeitet – massiv.

Das Potenzial ist auch in Deutschland noch nicht ausgeschöpft. Noch listen die konventionellen Handelsketten meist ein schmales Sortiment an Biotiefkühlgemüse. Die größte Auswahl findet sich bislang im Naturkosthandel. Export und LEH bieten demnach noch verschiedenste Ausbaumöglichkeiten.


Letzte Aktualisierung 14.11.2019

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