Verarbeitung von Bruderhähnen

Verarbeitung von Bruderhähnen

Immer mehr Initiativen in Deutschland setzen sich für die Aufzucht von männlichen Küken der Legelinien ein. Die Aufzucht und Verarbeitung der sogenannten Bruderhähne sind jedoch mit mehr Kosten verbunden als bei speziell gezüchteten Masthähnchen. Dafür wird Konsumentinnen und Konsumenten ein intensiver Fleischgeschmack geboten.

Bruderhähne sind männliche Küken aus der Legehennenbrüterei, die aufgezogen werden statt aus wirtschaftlichen Gründen aussortiert, getötet oder an andere Tiere verfüttert werden. Mittlerweile  setzen sich immer mehr Initiativen für die Aufzucht ein. Zu den bekanntesten zählt die Brudertier-Initiative Deutschland (BID). 2012 startete die Initiative mit dem Fokus auf die Aufzucht der Bruderhähne. Mittlerweile setzt sie sich auch für eine ethisch vertretbare Aufzucht anderer Tierarten ein, wie etwa Kälber in der Milchviehaltung.

Ab dem 1. Januar 2022 ist das Töten von Eintagsküken in Deutschland verboten, ab dem 1. Januar 2024 wird zudem das Töten von Hühnerembryonen im Ei nach dem sechsten Bebrütungstag untersagt. Damit ist Deutschland laut Bundesregierung das weltweit erste Land, das diese Praxis verbietet.

Die Aufzucht von Bruderhähnen bedeutet für Bio-Landwirtinnen und Bio-Landwirte vor allem einen höheren finanziellen Aufwand. Durch die langsamere Gewichtszunahme der Tiere und der daraus folgenden längeren Mastdauer ist der Input an Futter höher. Laut BID werden Bruderhähne etwa 154 Tage gemästet, mindestens jedoch vierzehn Wochen lang, und damit etwa viermal so lange wie speziell gezüchtete Masthähnchen. Ein Teil der Kosten für die Aufzucht der Bruderhähne wird über den Verkauf von Eiern, die ein bis vier Cent teurer verkauft werden, querfinanziert. Laut dem Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) ist dies bisher aber nur bei weniger als fünf Prozent der insgesamt 45 Millionen aussortierten Legehähnchen im Jahr der Fall.

Verarbeitung ist Handarbeit

Nicht nur die Aufzucht der Bruderhähne ist kostenintensiv, auch die Schlachtung und Verarbeitung der Tiere ist komplizierter als bei gezüchteten Masthähnchen. Da die Bruderhähne zu klein und zu schmal sind, um mit den gleichen Maschinen in der Schlachtstätte verarbeitet zu werden wie die gezüchteten Mastlinien, ist viel Handarbeit bei der Verarbeitung gefordert. Das hat seinen Preis.

Ist ein Bruderhahn einmal zerlegt, gibt es vielfältige Möglichkeiten der Fleischverarbeitung. Geflügelwurstaufschnitt, Geflügel-Wiener, Hühnerbrühe, Hühnerfrikassee, Geflügel-Grillwürstchen, Geflügel-Bolognese, Geflügel-Frikadellen und Geflügel-Currywurst sind hier beispielsweise zu nennen. Auch frische oder tiefgekühlte, haushaltsgerecht portionierte Bruderhähne werden online oder im (Bio-) Handel vor Ort angeboten, beispielsweise vom Geflügelhof Schubert.

Außerdem wird das Fleisch von Bruderhähnen in Babynahrung eingesetzt. So verwendet das Unternehmen Holle als Partner der BID bereits seit dem Jahr 2014 ausschließlich Geflügelfleisch aus der Aufzucht von Bruderhähnen für seine Bio-Babygläschen. Auch Alnatura bietet seit 2017 Babygläschen mit dem Fleisch von Bruderhähnen an.

Intensiver Geschmack

Unterschiede gibt es zudem auch in Geschmack und Konsistenz. Durch die längere Aufzuchtzeit der Bruderhähne wächst das Fleisch langsamer und bekommt einen intensiveren, würzigeren Geschmack als das von schnell wachsenden Masthähnchen. Zudem ist das Fleisch durch den höheren Muskelanteil fest und muss länger garen. Von der Qualität erinnert es laut BID an Fasanenfleisch.

Fleisch von Bruderhähnen ist eine besondere Delikatesse und eignet sich daher besonders gut für die Direktvermarktung. Der höhere Preis durch die Mehrkosten bei Aufzucht und Schlachtung sollte den Kundinnen und Kunden am besten im direkten Gespräch erläutert werden. Qualität statt Quantität lautet die Devise. Hahn, Huhn und Ei – Letztendlich gehören diese drei zusammen. "Wenn eine vierköpfige Familie etwa zehn Eier in der Woche verbraucht, kann sie mit dem Genuss von zwei Bruderhähnen im Jahr eine ausgeglichene Hahn-Henne-Ei-Bilanz ermöglichen", so die BID.


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Letzte Aktualisierung 26.08.2021

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