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Zuchtprojekt "Robustpute" soll ökologische Putenhaltung stärken

Das Land Niedersachsen fördert zukunftsweisende landwirtschaftliche Projekte wie das Zuchtprojekt "Robustpute". Am Montag besuchte Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast einen Bio-Geflügelhof in Suhlendorf und ließ sich darüber informieren.

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"Niedersachsen ist einer der größten Erzeuger von Geflügelfleisch in Deutschland. Die Putenhaltung findet bisher allerdings fast ausschließlich auf sehr spezialisierten Betrieben statt. Das möchten wir ändern! Mit dem Projekt der "Robustpute" wollen wir die Putenhaltung unter ökologischen Bedingungen unterstützen. Die Ergebnisse können dabei helfen, den Landwirten eine weitere interessante wirtschaftliche Perspektive für den regionalen Markt zu bieten", sagte Ministerin Otte-Kinast.

"Es ist ein wichtiges Projekt. Denn das Problem ist, dass viele Nutztierarten heute auf hohe Mastleistung in kurzer Zeit gezüchtet sind. Das hat die Nebenwirkung, dass die Tiere zu empfindlich für die Freilandhaltung sind", sagte Carolin Grieshop, Geschäftsführerin des Kompetenzzentrums Ökolandbau Niedersachsen, das das Putenzuchtprojekt mit mehreren Öko-Landwirtinnen und -Landwirten und unter wissenschaftlicher Begleitung der Tierärztlichen Hochschule Hannover umsetzt.

Bei Mastgeflügel wie Puten wird diese Problematik besonders deutlich. In 24 Wochen erreichen die Puten – es sind Hybriden – ein Gewicht von 27 Kilogramm. Sie wachsen so schnell, dass sie Spezialfutter brauchen. Sie werden ausschließlich im Stall gehalten. Stress macht sie krank. Aus diesem Grund haben viele Höfe die Putenhaltung irgendwann eingestellt.

Die Mastputen sind zu groß, zu schwer, zu empfindlich und werden zu schnell krank. Auch Öko-Landwirtin Christine Bremer hatte vor einigen Jahren die Putenhaltung aufgegeben. Für das Zuchtprojekt sind seit vergangenem Jahr wieder Puten auf ihrem Hof. Es sind kleinwüchsige Mastputenhennen und Putenhähne von zwei alten Rassen. Die Rasseputen stammen von Hobbyzüchterinnen und Hobbyzüchtern aus Norddeutschland. Es sind Ronquières Puten, die von den ersten nordamerikanischen Wildputen in Europa abstammen und noch sehr viel ursprüngliches Verhalten und Robustheit mitbringen. Und es sind Cröllwitzer Puten, eine ebenfalls alte Putenrasse.

"Nachteil der Rasseputen ist, dass sie nicht so viel Muskelfleisch ansetzen wie die Mastputen", erklärt Christine Bremer. Während die Mastputen einen Brustfleischanteil von rund 30 Prozent haben, liegt er bei den Rasseputen unter 20 Prozent. Die Aufgabe ist es nun, diejenigen Tiere zu kreuzen, die die besten Eigenschaften vererben: langsames Wachstum, guten Fleischansatz, hohen Brustfleischanteil und Robustheit. "Ich bin zuversichtlich, dass wir jetzt einen großen Schritt voran kommen", sagt Christine Bremer. "Im kommenden Jahr können wir wohl die ersten Bio-Weihnachtsputen anbieten. Sie sind dann so klein, dass sie in einen normalen Backofen passen."

Quelle: Pressemitteilung Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen

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