Detailansicht

Online-Milchviehtage: Praxiswissen und reger Austausch

Mit drei Online-Milchviehtagen lockte Bioland fast 400 Teilnehmende vor die Bildschirme: Fachleute aus Forschung und Praxis boten aktuelles Wissen für die Praxis. Die Veranstaltung bot zudem Platz für den virtuellen Austausch der Teilnehmenden.

Logo Bioland

Für Milchviehbäuerinnen und -bauern sind die Bayrischen Bioland-Milchviehtage ein fester Termin im Jahreskalender. Auch dieses Jahr durften sie nicht fehlen: An drei Tagen Anfang Dezember informierten sich über 400 Teilnehmende online über aktuelle Themen der Bio-Milchviehhaltung.
Neben Landwirtinnen und Landwirten nahmen auch ganze Fachschulklassen sowie Vertreterinnen und Vertreter von Landwirtschaftsämtern und Landesanstalten an den Online-Veranstaltungen teil. Dank des Online-Formats konnte man sich aus jeder Region flexibel zuschalten, über Bayern hinaus von der Nordsee bis nach Südtirol. Etliche Teilnehmende nahmen an allen drei Tagen teil und belegten so eine komplette Online-Fortbildungsreihe. Das zeigt: ökologische Weiterbildung funktioniert auch virtuell gut.

Mit Melkroboter Kühe auf die Weide schicken

Der erste Bio-Milchvieh-Fachtag widmete sich der Verbindung Weidegang und automatisches Melksystem. Wie Weidegang mit Melkrobotern funktioniert, erklärte Uwe Eilers aus dem landwirtschaftlichen Zentrum Baden-Württemberg, Aulendorf. Er zeigte: Weidegang muss nicht zu einer geringeren Auslastung des Automatischem Melksystems führen, im Gegenteil! Es kann sich sogar positiv auf Funktion und Auslastung des Melkroboters auswirken, wenn die Kühe auf die Weide gehen.

Wie sie Weidegang mit Melkroboter auf ihrem Betrieb umsetzen, berichteten zwei Bioland-Landwirte. So habe Hans-Jürgen Bauer, ein Neueinsteiger in die Bioland-Milchviehhaltung im sommertrockenen Mittelfranken, nur positive Erfahrungen mit der Kombination aus Weide und AMS gemacht. Er freute sich, dass er nicht mehr Arbeitsaufwand mit dem Nachtreiben der Kühe habe, trotz ganztägigen Zugang zur Weide. Weiterhin motiviere ihn die sehr positive Rückmeldung aus der Bevölkerung, die wertschätzt, dass seine Kühe nun auf die Weide dürfen.

Konrad Stöger, langjähriger Bioland-Milcherzeuger aus dem niederschlagsgesegneten Allgäu, erklärte, wie er die Ziele Weidegang, Futter und Milchleistung miteinander in Einklang bringt. Er legt Wert auf größtmögliche Futteraufnahme aus dem Weidegras. Deswegen nutzt er auch Flächen, die nicht direkt zum Stall zugänglich sind und nimmt eine etwas geringere Auslastung des Melkroboters in Kauf.

Rüdiger Brügmann von der Bioland-Milchkoordinationsstelle stellte die Entwicklung des Bio-Milchmarktes in Zeiten der Corona-Pandemie vor. So halte sich der Bio-Milchpreis auf stabilem Niveau. Die Nachfrage nach Bio-Milch steige weiterhin kontinuierlich und man kann davon ausgehen, dass sich diese Entwicklung weiter fortsetzt.

Wie Milchbauern die Kuhgesundheit fördern können

Der zweite Bio-Milchvieh-Fachtag zeigte an vielen Beispielen, wie man den Stall und die Haltungsbedingungen an die Bedürfnisse von Milchkühen stärker ausrichten kann.
Aufbauend auf seiner langjährigen Expertise und Praxiserfahrung erklärte Christian Manser vom landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen auf unterhaltsame Weise, wie man Kuhsignale erkennen und die Haltung mehr auf die speziellen Bedürfnisse der Tiere einstellen kann. Kleine Details können hierbei entscheidend sein.

So erläuterte Manser: Wenn die Kühe ihre Füße schüttelten, so sei das zum Beispiel ein Signal dafür, dass sie nicht gut stünden, entweder weil der Untergrund zu hart oder zu rutschig ist oder sie schon zu lange stehen müssen. Entspannung bringen gute Liegeboxen mit den richtigen Maßen, in die sich die Kühe gerne legen.

Bio-Landwirt und Klauenpfleger Christoph Reichenwallner schilderte ganz praktisch, worauf es ihm bei der Klauenpflege ankomme: So wenig wie möglich von den Klauen abtragen, von der hinteren Innenklaue nur das Nötigste, um die Trachtenhöhe zu erhalten.

Die entscheidenden Merkmale einer Liegebox mit hohem Liegekomfort erläuterte Uwe Eilers vom landwirtschaftlichen Zentrum Baden-Württemberg, Aulendorf. Bauform, Größe, Länge, Höhe der verschiedenen Elemente wie die Bugschwelle bewirken, dass bestimmte Verletzungen vermieden und Kuhkomfort erhöht werden kann. Eine Umfrage unter den Teilnehmenden der Online-Veranstaltung ergab: 85 Prozent der Teilnehmenden waren nach dem Vortrag von Uwe Eilers motiviert, den Liegekomfort im Stall einmal selbst zu beurteilen.

Bioland-Landwirt Josef Friedl aus Niederrieden (Allgäu) berichtet von seinen Erfahrungen mit der Ammenkuhhaltung: Neben den vielen Vorteilen dieser Haltungsform für Kuh und Kalb entspricht sie auch sehr den Verbrauchererwartungen. Dadurch kann Friedl einen guten Milchpreis erlösen.
Nicolas Barthelmè, Gründer des Vereins "Die Verbrauchergemeinschaft", erläuterte die Milchmarke "Du bist hier der Chef". Der Ansatz dreht die Vermarktung um. Bei der Initiative können Verbraucherinnen und Verbraucher mitentscheiden, wie Lebensmittel entstehen: So nehmen sie Einfluss auf die Haltungsbedingungen der Kühe und die Entlohnung der Landwirte.

Kuh und Kalb vereint – Neue Wege in der Kälberaufzucht

Beim dritten Bio-Milchvieh-Fachtag standen ein gutes Stallklima durch Luft und Licht, die Kälberaufzucht und der Stallbau im Mittelpunkt.

Hier bereicherte erneut Christian Manser vom Landwirtschaftliches Zentrum St. Gallen das Programm. Er ist in ganz Europa als Berater zum Thema Kuhsignale unterwegs. Mit vielen Bildern und Praxisbeispielen verdeutlichte er, was für starke Freunde Licht und Luft für die Kuh das ganze Jahr über sind. Er ermunterte die Landwirtinnen und Landwirte, einige der bewährten Praxisbeispiele im Betrieb auszuprobieren.

Dr. Kerstin Barth vom Institut für Ökologischen Landbau in Trenthorst stellte Untersuchungs-ergebnisse zur kuhgebundenen Aufzucht der Kälber vor. Sie betonte, dass vor allem Bio-Betriebe Vorreiter bei der Entwicklung Methode waren und das Thema immer mehr ins Interesse der Wertschöpfungskette Milch rücke.

Zwei Stallbaufirmen zeigten gute Neu- und Umbaulösungen, von denen sich die Teilnehmenden Ideen und Anregungen für ihren eigenen Betrieb holen konnten. Besonders interessant waren die Lösungen für die kuhgebundene Kälberaufzucht und für mehr Tierwohl durch Licht und Luft.

Online bietet Mehrwerte: Teilnehmende schätzten Angebot

Die Teilnehmenden schätzten das Online-Angebot: Zum einen begrüßten viele, dass sie sich trotz der aktuellen Kontaktbeschränkungen über den Online-Weg weiterbilden und flexibel von Zuhause aus ohne Anfahrtszeiten dabei sein konnten. Die Online-Fachtage waren so gut mit Hof und Familie vereinbar. Zum anderen lieferten hochkarätige Fachleute aus Wissenschaft und Praxis wertvolle Impulse und hatten ihre Inhalte interessant aufbereitet. Kombiniert mit aktuellen Themen direkt aus der Forschung und der Praxis und die Möglichkeit, sich auch im Online-Format an vielen Stellen aktiv zu beteiligen und mitzudiskutieren und nicht zuletzt die virtuelle Kaffeepause mit der Möglichkeit, sich persönlich auszutauschen – das waren die Gründe, weswegen die Teilnehmer das neue Online-Angebot sehr schätzen.

Milchviehtage Bioland Bayern

Das Ziel der Milchviehtage von Bioland Bayern ist, Landwirtinnen und Landwirte unterstützen, innovative Methoden vorzustellen, bewährte Praktiken näher zu diskutieren, Anregungen für den eigenen Betrieb zu erhalten und sich mit Berufskollegen auszutauschen und zu vernetzen. Die Bioland-Milchviehtage werden jährlich von der Bioland-Beratung organisiert. Sie werden gefördert über das Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft.

Quelle: Bioland

Nach oben