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Das Kalb im Mittelpunkt – Praxisdialog kuhgebundene Kälberaufzucht

Kalb und Kuh gehören zusammen. In der Praxis ist das bislang nur in der Mutterkuhhaltung die Regel, also wenn die Kühe für die Produktion von Fleisch gehalten werden. Aber immer mehr Bio-Milchviehbetriebe setzen auf die sogenannte Mutter- und Ammengebundene Kälberaufzucht.

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Kalb und Kuh gehören zusammen. In der Praxis ist das bislang nur in der Mutterkuhhaltung die Regel, also dann wenn die Kühe nur für die Produktion von Fleisch gehalten werden. Dem widersprechen zunehmend mehr Bio-Milchviehbetriebe und setzen auf die sogenannte Mutter- und Ammengebundene Kälberaufzucht (MAK). Darunter versteht man im weitesten Sinne, dass Kälber, die auf einem Milchviehbetrieb geboren werden, ihre ersten Lebenswochen Milch direkt aus dem Euter einer Kuh trinken dürfen, statt sie von Menschen in Eimern gereicht zu bekommen. Die wichtigsten Vorteile: Sie haben Sozialkontakte zu Elterntieren und Gleichaltrigen, sie sind vitaler, die Haltungsform wird den Bedürfnissen der Tiere besser gerecht.

In der Umsetzung stehen die Bio-Landwirtinnen und -Landwirte jedoch vor großen Herausforderungen. Der gesamte Prozess im Milchviehstall muss an die Kälber angepasst werden, von der Stalleinrichtung bis zum Umgang zwischen Mensch und Tier. Eine weitere große Herausforderung liegt in der Vermarktung der Tiere, denn Bio-Kälber vor allem von reinen Milchviehrassen sind nicht besonders gefragt.

Am 22. Oktober trafen sich nun im Gasthaus Krone in Fichtenberg Praktikerinnen und Praktiker, Interessierte und Fachleute zum Austausch rund um das Thema MAK. Organisiert wurde das Treffen von der Schweisfurth Stiftung, in Kooperation mit der Bio-Musterregion Hohenlohe und dem WertKalb-Projekt unter Führung der Universität Hohenheim.

Die MAK in Milchviehbetrieben ist heute noch die absolute Ausnahme. In Deutschland gibt es einige regionale Initiativen, die sich dem Thema annehmen, beispielsweise De Öko Melkburen aus Schleswig-Holstein (www.deoekomelkburen.de), die Bruderkalb-Initiative Hohenlohe (www.bruderkalb.bio) und die Demeter-Heumilchbauern (www.heumilchbauern.de) aus dem südlichen Baden-Württemberg.

Die Universität Hohenheim untersucht seit diesem Jahr in ihrem Projekt WertKalb verschiedene Alternativen zur Aufzucht und Vermarktung von Bio-Kälbern aus der Milchviehhaltung. Übersichten deutscher Milchviehbetriebe mit MAK bieten die Vereine PROVIEH und die Welttierschutzgesellschaft.

Eine Musterlösung für die Haltung gibt es nicht. Jeder Betrieb findet die für ihn am besten passende Strategie. "Der direkte Austausch unter Praktikerinnen und Praktikern ist sehr wichtig und war auch heute besonders wertvoll" reflektiert Anja Frey. Dank einem guten Hygienekonzept und enger Absprache mit dem örtlichen Ordnungsamt konnte die Tagung trotz Corona als Präsenzveranstaltung stattfinden. Insgesamt waren 34 Teilnehmende mit dabei und das Veranstaltungsteam konnte sich über viel positives Feedback freuen.

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung Schweisfurth Stiftung, Projekt WertKalb der Universität Hohenheim, Bio-Musterregion Hohenlohe

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