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BÖLW: "Pflanzen und Ernten braucht jetzt viele Hände"

Aufgrund der Corona-Pandemie fehlen bis zu 300.000 Saisonarbeitskräfte in der Landwirtschaft. Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bio-Dachverbands Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), kommentiert die brisante Arbeitskräftesituation in der Ernährungswirtschaft.

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"Die Situation auf den Höfen spitzt sich durch Corona dramatisch zu. Bundesweit fehlen hunderttausende Menschen beim Pflanzen, bei der Pflege und der Ernte. Denn die Natur macht keine Pause. Für genug Essen auf den Tellern müssen Gemüse oder Kartoffeln jetzt gepflanzt werden, wenn wir im Sommer ernten wollen.

Die jetzt von der Bundesregierung geplanten Schritte zur Erleichterung der Arbeitskräftesituation in der Landwirtschaft reichen leider nicht aus, um die Versorgung sicher zu stellen. Aber unsere Bauern wollen ihre Felder bestellen und die Ernten einbringen.

Viele Hände, etwa Kurzarbeitende aus anderen Branchen, Studierende, Arbeitssuchende oder Geflüchtete, wollen anpacken. Damit das funktioniert, müssen Regeln unter der Beachtung der notwendigen Sicherheitsmaßnahmen befristet geändert werden, um die Lebensmittelversorgung zu sichern und Betriebe in der Produktion zu halten."

Hintergrund

Damit ausreichend Menschen in der Landwirtschaft arbeiten können, müssen bestehende Regeln temporär schnell und unbürokratisch angepasst werden:

Zuverdienstgrenzen

Die Gesetzesvorlage des Kabinetts sieht vor, dass Kurzarbeiterinnen und Kurzarbeiter als land- und forstwirtschaftliche Aushilfskraft so viel abzugsfrei hinzuverdienen können, wie der Differenz zwischen dem Kurzarbeitergeld und ihrem bisherigen Nettolohn entspricht. Das bedeutet für einen Betrieb, der eine Vollzeit-Saisonarbeitskraft ersetzen muss,  drei bis vier einheimische Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter einstellen muss, da sich die Mitarbeit für den einzelnen nur für wenige Stunden die Woche lohnt.

Die Betriebe können mitten in der Anbausaison einen vervierfachten Verwaltungsaufwand nicht stemmen, sie müssen auf den Feldern arbeiten! Zusätzlich würden mehr, verschiedene Arbeitskräfte ein höheres Infektionsrisiko bedeuten. Und außerdem kann auch die staatliche Arbeitsverwaltung diesen zu hohen zusätzlichen Aufwand nicht bewältigen.

Natürlich kann es dazu führen, dass die Arbeiterinnen und Arbeiter durch ein Aussetzen der Zuverdienstgrenzen für ein paar Wochen sogar bessergestellt werden als bisher. Aber die Betriebe haben nur so die Chance Pflanzsaison, Bestandspflege und Ernte auch mit einheimischen Arbeitskräften zu bewältigen.

Berufsmäßigkeit

Um eine Aushilfskraft bei pauschaler Abführung von Steuer und Sozialversicherung kurzfristig (bis 115 Tage) beschäftigen zu können, darf die entsprechende Tätigkeit für diese nicht "berufsmäßig" sein.  Für die meisten Personen, um die jetzt geht (vor allem Studierende und Kurzarbeitende), trifft das auch nicht zu. Allerdings werden Arbeitssuchende in jedem Fall als "berufsmäßig" eingestuft. Es ist unsinnig, dass ausgerechnet diese Personengruppe deshalb temporär nicht als landwirtschaftliche Arbeitskräfte zum Einsatz kommen wird. Denn in den nächsten Monaten wäre damit zu rechnen, dass viele Betriebe aufgeben müssten, deren Personal sich dann arbeitssuchend melden wird.

Quelle: Pressemitteilung BÖLW

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