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BioBitte – Aufbruchstimmung in Krisenzeiten

Die Corona-Pandemie hat in diesem Jahr so manche Pläne durcheinandergewirbelt. Dennoch: Die Initiative BioBitte konnte in den letzten Wochen endlich durchstarten und ihr erklärtes Ziel – den Anteil von Bio-Lebensmitteln in der öffentlichen Außer-Haus-Verpflegung (AHV) auf 20 Prozent und mehr steigern – weiterverfolgen. So fanden in Leipzig und Essen die ersten größeren Fachveranstaltungen statt. Weitere sind in Planung.

Essensausgabe Kantine.

Die Corona-Pandemie beherrscht wieder verstärkt die Schlagzeilen und unseren Alltag. Und auch die AHV ist an vielen Stellen noch nicht zum Normalbetrieb zurückgekehrt. Insbesondere in diesen Krisenzeiten sind Plattformen zum Austausch, Wissenstransfer und Dialog jedoch wichtig: Akteurinnen und Akteure bleiben im Kontakt oder lernen sich kennen. Sie lernen voneinander und setzen sich gemeinsame Ziele. Die Krise ist auch eine Chance, diese zu erreichen. Die Initiative BioBitte bietet der Fachszene der AHV die passenden Möglichkeiten für den Austausch und Dialog. Denn nur im Schulterschluss mit allen relevanten Akteurinnen und Akteuren der AHV kann es gelingen, dass ein Mehr an regionalen, saisonalen und Bio-Lebensmitteln in öffentlichen Küchen Realität wird.

Bei allen Veranstaltungen wurden selbstverständlich die geltenden Hygienemaßnahmen beachtet. An der optimistischen Stimmung, der Diskussionsfreude und an den Ergebnissen änderte dies aber nichts! Die steigenden Infektionszahlen wirken sich auch auf die Planungen der kommenden Veranstaltungen aus. Vor-Ort-Veranstaltungen sind in einigen Regionen nur schwer oder gar nicht umzusetzen. BioBitte behält es sich vor, in diesen Fällen auf digitale Formate zu setzen und den Austausch online statt offline zu ermöglichen.

Erstes Dialogforum in Leipzig, erster Vernetzungsworkshop in Essen

Mehr als 50 Akteurinnen und Akteure aus Landes- und Kommunalpolitik, Verwaltung und Ernährungswirtschaft tauschten sich Mitte September in Leipzig beim ersten Dialogforum von BioBitte aus. Im Fokus standen die Chancen von mehr regionalen, saisonalen und Bio-Lebensmitteln in der öffentlichen Gemeinschafsverpflegung in Sachsen. Dies sei eine Veranstaltung mit Signalwirkung für das gesamte Bundesland, so Staatsminister Wolfram Günther in seiner Eröffnungsrede. Beim Vernetzungsworkshop in Essen Ende September stand das Pilotprojekt "Zukunftsküche Essen" im Fokus. Verantwortliche aus Politik, Verwaltung, Land- und Ernährungswirtschaft sowie der Schulverpflegung diskutierten darüber, wie sich der Anteil an regionalen, saisonalen und Bio-Lebensmitteln in der öffentlichen AHV der Ruhrgebietskommune erhöhen lässt. Dabei stellte der Ernährungsrat Essen seine Vision einer "Zukunftsküche" vor: ein Fortbildungs- und Schulungszentrum für Kantinen und Cateringunternehmen und ein Ort der Vernetzung für die regionale Landwirtschaft, verarbeitende Betriebe und insbesondere Großküchen.

Auch in Wasserlosen bei Schweinfurth sollte am 22. Oktober ein Vernetzungsworkshop stattfinden. Aufgrund der aktuellen Corona-Infektionslage wurde die Veranstaltung kurzfristig als digitales Format umgesetzt.

Initialveranstaltungen in Nord- und Süddeutschland

Wie setzen Kommunen die ersten Schritte, um den Anteil ökologisch erzeugter Lebensmittel in der AHV zu erhöhen? Und wie kann dies gelingen? Auf Initialveranstaltungen im Norden und Süden der Republik vermittelte die Initiative BioBitte den Verantwortlichen erstes Basiswissen und gab die Starthilfe. Im niedersächsischen Brake informierte sich die lokale Politik im Beisein des Landrats Thomas Brückmann Mitte September über Möglichkeiten für eine bioregionale Versorgung. Mit dabei war auch das Projekt REFRAME, das Lebensmittelketten verkürzen will, um die regionale Landwirtschaft zu stärken. Zunächst stellten die Teilnehmenden fest, welche Produkte in der Region in Bio-Qualität verfügbar sind: Fleisch und Milch. Woher lassen sich weitere Lebensmittel beziehen und wo lassen sie sich in der AHV einsetzen? "Wir haben uns die Zeit genommen, die Einrichtungen einzeln durchzugehen und zu besprechen, wo es sinnvoll ist, mit Bio anzufangen und wie das aussehen kann", erläutert Eva Schlüter von a’verdis, BioBitte-Auftragnehmer und Veranstalter vor Ort.

Ende September kamen politische Verantwortliche aus der Region sowie Mitglieder der Ökomodellregion (ÖMR) Hochries-Kampenwand-Wendelstein im oberbayerischen Aschau im Chiemgau zusammen. Ihr Ziel: Wege und Meilensteine zu mehr Bio in der AHV ausfindig machen. Sechzig Kilometer nördlich in Altötting lud BioBitte kommunale Entscheiderinnen und Entscheider der ÖMR Inn-Salzach Mitte Oktober gar zu zwei aufeinanderfolgenden Initialveranstaltungen ein. Und im Rathaus von Markt Moosbach in der Oberpfalz setzte die Initiative im Verbund mit den ÖMR Naturparkland Oberpfälzer Wald und Stiftland erste Impulse bei Politik und Verwaltung. Der Wirtschaftsförderer Uwe Zwick von der Bio-Stadt Lauf an der Pegnitz betonte in seinem Impulsvortrag zudem die "wachsende Bedeutung des Bio-Sektors für die wirtschaftliche Entwicklung in einer Region."

Bei allen Initialveranstaltungen ging es aber auch um die Fragen: Welche Chancen bieten sich den Kommunen und damit den Menschen vor Ort, wenn mehr Bio in öffentlichen Küchen "aufgetischt" wird? Und welche Hürden gibt es zu meistern, um diese Chancen nutzen zu können?

BioBitte setzt weiterhin deutschlandweit Impulse

Auf diese und weitere Fragen sucht BioBitte auch in den nächsten Wochen passende Antworten für die jeweils individuelle Situation vor Ort. Denn auch in den nächsten Wochen wird die Initative BioBitte an einigen Stationen haltmachen. Geplant sind mehrere Initialveranstaltungen. Ein weiterer Vernetzungsworkshop steht am 12. November in Frankfurt am Main auf dem Programm. Das nächste Dialogforum wird eine digitale Veranstaltung: Am 24. November treffen sich Entscheidungsbefugte aus dem Landkreis Wesermarsch online zum Austausch mit Expertinnen und Experten aus der Region und darüber hinaus.

Zur Übersicht aller kommenden Veranstaltungen.

Interview mit Dr. Werner Ebert vom Netzwerk der Bio-Städte

Wie sich die Corina-Krise auf die kommunale Gemeinschaftsverpflegung auswirkt und welche Bedeutung das Netzwerk deutscher Bio-Städte für die Realisierung einer ökologischen AHV in den Gemeinden hat, darüber spricht Dr. Werner Ebert, Geschäftsführer des Bio-Städte-Netzwerks im Interview mit Ökolandbau.de.

Hintergrundwissen: Leitfaden nachhaltige Betriebsverpflegung

Wie sich die Betriebsverpflegung nachhaltiger gestalten lässt, zeigt der neue Leitfaden mit "Empfehlungen und Tipps für Dienstleisterinnen und Dienstleister" (PDF-Dokument) des Projekts NACHHALTIG B|UND GESUND – finanziert vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Rahmen von IN FORM und durchgeführt von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE). Das Projekt und der Leitfaden beruhen auf dem Maßnahmenkonzept Nr. 18 der Zukunftsstrategie Ökologischer Landbau (ZöL). Er dient als ein Baustein für eine höhere Nachfrage nach ökologischen Lebensmitteln und soll insbesondere die öffentlichen Küchen in Bundesbehörden ansprechen.

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