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AöL und UnternehmensGrün fordern verpflichtende Umsetzung des Green Deals

Europa setzt mit dem Green Deal und der "Vom Hof auf den Tisch"-Strategie neue Maßstäbe – dies begrüßen die Verbände der nachhaltigen Wirtschaft UnternehmensGrün und die Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller. Klimaschutz und der Erhalt der Biodiversität könnten aber nur gewinnen, wenn die Strategien in den Mitgliedsstaaten verpflichtend und gleich gewichtet umgesetzt werden. Das Prinzip der freiwilligen Selbstverpflichtung sei gescheitert, erklären die Wirtschaftsverbände.

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#Farm2Fork verbindlich in Mitgliedsstaaten umsetzen

Die Strategie "Vom Hof auf den Tisch" setze mit neuen Zielen für mehr Ökolandbau und weniger Pestiziden und Antibiotika einen guten Zielrahmen. Einen wichtiger Zwischenschritt hin zu einer enkeltauglichen Land- und Ernährungswirtschaft. Aber: Pestizid-, Dünge- und Antibiotikareduktion sowie der Ausbau des Ökologischen Landbaus müssten verbindlich für die EU-Mitgliedsstaaten sein. "Das Prinzip der freiwilligen Selbstverpflichtungen ist gescheitert", erklärt Dr. Katharina Reuter, Geschäftsführerin von UnternehmensGrün, dem Bundesverband der grünen Wirtschaft. "Wir brauchen die verbindliche Umsetzung und eine gleiche Gewichtung in allen Ländern, denn das stellt auch faire Marktbedingungen und Wettbewerbsfähigkeit für die Betriebe her", so Reuter weiter.

Radikale Entgiftung für echte Nährstoffkreisläufe

Eigentlich sollten Siedlungsabfälle eine sinnvolle Quelle in der Kreislaufwirtschaft für die natürlichen agrarischen Produktionssysteme sein. Aber durch die massive Verschmutzung der Abwässer und anderer Siedlungsabfälle wird das Schließen der Nährstoffkreisläufe unmöglich. Zurecht schlage der Green Deal deshalb ein "Null-Schadstoff-Ziel für eine schadstofffreie Umwelt" vor. Dazu erklärt Dr. Alexander Beck, Geschäftsführender Vorstand der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AöL): "Es braucht eine radikale Entgiftung. Ein "Detox"-Programm für alle Produktions- und Konsumbereiche. Nur dann können die natürlichen Nährstoffkreisläufe geschlossen werden – eine zentrale Voraussetzung für eine zukunftsfähige Ernährungswirtschaft!" Auch die Minimierung des Einsatzes von Fremdstoffen und toxischer Substanzen in der gesamten Lebensmittelproduktion gehöre für Beck in dieses Programm.

Nachhaltige Globalisierung & Re-Regionalisierung

Die Coronakrise zeigt die Verletzlichkeit der Schwächsten in den Lieferketten – und die Abhängigkeit beispielsweise der deutschen Landwirtschaft von Saisonarbeitskräften. Soziale Rechte und Arbeiterinnen- und Arbeiterrechte-Rechte müssten gestärkt werden.

Die Krise fordere aber auch ein Überdenken der bisherigen weltweiten Arbeitsteilung, auch in der Ernährungswirtschaft. "Wir setzen uns für eine Re-Regionalisierung ein. Wir brauchen im systemrelevanten Ernährungssektor resiliente und regionale Strukturen – diese müssen aber auch entsprechend gefördert werden", fordert Mathias Kollmann, Geschäftsführer der Bohlsener Mühle und Vorstand von UnternehmensGrün. Dabei verkennen die Wirtschaftsverbände nicht die Bedeutung einer globalisierten Land- und Ernährungswirtschaft. "Es kommt darauf an, den globalen Handel so umzubauen, dass ökologische und soziale Standards durch Globalisierung nicht mehr unterlaufen werden können – sondern globalisiert werden", so Kollmann weiter.

Ernährungsbildung und -kompetenz

In der "Vom Hof  auf den Tisch"-Strategie heißt es, es liege auf der Hand, dass der Übergang nicht ohne eine Änderung des Ernährungsverhaltens der Menschen vollzogen werden könne. "Dringend notwendig ist jetzt, in praktische Ernährungsbildung und -kompetenz zu investieren. Denn es geht um primäre und essentielle Lebens- und Gesundheitsthemen", ist Dr. Alexander Beck (AöL) überzeugt.

Quelle: Pressemitteilung AöL (PDF-Dokument)

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