Nachhaltigkeit

Wie nachhaltig sind ├ľkolandbaubetriebe?

Der ├ľkolandbau strebt in Sachen Nachhaltigkeit seit vielen Jahren eine Vorreiterrolle an. Um dem gerecht zu werden, m├╝ssen sich die Betriebe, auch ├╝ber die ├ľkorichtlinien hinaus, stetig weiterentwickeln. "Denn alleine die ├ľkozertifizierung garantiert nicht automatisch, dass die Entwicklung in allen Bereichen der Nachhaltigkeit optimal l├Ąuft", sagt Dr. Christian Schader vom Forschungsinstitut Biologischer Landbau (FiBL). "Es gibt zahlreiche Aspekte der Nachhaltigkeit, die durch die ├ľkostandards nur teilweise erf├╝llt werden". Der Agrarwissenschaftler forscht seit einigen Jahren zum Thema Nachhaltigkeit und wei├č aus Erfahrung, dass in ├Âkologischen Landwirtschaftsbetrieben vor allem das individuelle Engagement und die F├Ąhigkeiten der Betriebsleiterin oder des Betriebsleiters dar├╝ber entscheiden, wie nachhaltig der Betrieb ├╝ber die ├ľkorichtlinien hinaus agiert.

Schritt eins: Status quo erfassen

Viele ├ľkobetriebsleiterinnen und -leiter sind guten Willens, noch nachhaltiger zu wirtschaften. Die meisten wissen aber nicht, wo sie in Sachen Nachhaltigkeit stehen und an welchen Stellschrauben sie drehen m├╝ssen, um den Zustand zu verbessern. "Diesbez├╝glich besteht noch erheblicher Beratungsbedarf, der durch die Standard-├ľkoberatung bislang nicht abgedeckt wird", so Schader. Der Nachhaltigkeitsexperte empfiehlt daher als ersten Schritt, den Status quo des Betriebs ermitteln zu lassen. Dazu gibt es verschiedene Methoden. Eine, die sich besonders f├╝r die Nachhaltigkeitsbewertung und -beratung ├Âkologischer Landwirtschaftsbetriebe bew├Ąhrt hat, ist RISE.

Nachhaltig beraten mit RISE

RISE steht f├╝r Response-Inducing Sustainability Evaluation und ist eine computergest├╝tze Methode zur Nachhaltigkeitsanalyse. Inhaltliches Ger├╝st der RISE-Analyse sind zehn Indikatoren, die alle Nachhaltigkeitsaspekte des Betriebs abdecken. Lebensqualit├Ąt und Biodiversit├Ąt z├Ąhlen hier ebenso dazu wie Tierhaltung und Betriebsf├╝hrung. Sehr wichtig ist auch der Bereich Lebensqualit├Ąt. Daf├╝r werden sogar Familienmitglieder und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Befragung miteinbezogen.

"Die f├╝r die Analyse notwendigen Daten werden durch eine geschulte Beraterin oder einen geschulten Berater im Rahmen eines Gespr├Ąch erfasst" wei├č Sigrid Griese von der Bioland Beratung GmbH. Sie koordiniert zusammen mit anderen Akteuren des ├ľkolandbaus ein Projekts zur F├Ârderung der Nachhaltigkeitsberatung in Deutschland (siehe Infokasten unten), bei dem RISE eingesetzt wird. Das Gespr├Ąch dauert je nach Betriebsstruktur drei bis sechs Stunden. Die Ergebnisse werden anschlie├čend in Form eines anschaulichen Spinnennetzdiagramms dargestellt. Au├čerdem erh├Ąlt die Landwirtin oder der Landwirt einen detaillierten Abschlussbericht. Auf Grundlage dieser Ergebnisse kann die Beraterin oder der Berater dann konkrete Vorschl├Ąge zur Verbesserung machen oder, falls n├Âtig, passende Fachberaterinnen oder -berater vermitteln. 

Der Preis der Nachhaltigkeitsberatung ist abh├Ąngig von den Kosten einer Beraterstunde. "Au├čer dem Beratungsgespr├Ąch selbst, muss noch Zeit f├╝r die Vor- und Nachbereitung eingerechnet werden", sagt Griese. "In einigen Bundesl├Ąndern gibt es auch eine Beratungsf├Ârderung f├╝r Nachhaltigkeitsberatung."

Interessierte k├Ânnen sich auf der Homepage Nachhaltigkeit-Agrar.de informieren.

Nachhaltigkeitsleistungen vergleichbar machen mit SMART

RISE ist ein Nachhaltigkeitsinstrument, das explizit f├╝r die Beratung konzipiert wurde. Das hei├čt, die durch RISE ermittelten Nachhaltigkeitsleistungen, dienen nicht der Kommunikation an Dritte, zum Beispiel im Rahmen einer Auditierung oder Zertifizierung. F├╝r diesen Zweck ist das Analyseinstrument SMART besser geeignet. 

Das vom FiBL entwickelten SMART (Sustainability Monitoring an Assessment RouTine) eignet sich besonders daf├╝r, Nachhaltigkeitsleistungen vergleichbar bewerten und glaubw├╝rdig kommunizieren zu k├Ânnen. SMART orientiert sich dabei an den international anerkannten Leitlinien zur Nachhaltigkeitsbewertung (SAFA), die von unabh├Ąngiger Stelle, der Ern├Ąhrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), aufgestellt werden. Die SAFA-Leitlinien unterteilen Nachhaltigkeit in 58 Themenbereiche, f├╝r die jeweils ein spezifisches Nachhaltigkeitsziel formuliert wurde, an dem sich landwirtschaftliche Betriebe orientieren sollen. 

Die Datenerhebung f├╝r die SMART-Analyse dauert etwa zwei bis drei Stunden. Eine Beratung ist darin nicht vorgesehen. Daf├╝r kann die Methode aber auf Wunsch mit RISE gekoppelt werden. Weitere Informationen zu SMART gibt es beim FiBL unter SMART - Nachhaltigkeitsbewertung im Agrar- & Lebensmittelsektor.

Weitere Methoden

Neben SMART und RISE gibt es noch weitere Methoden zur Analyse und Bewertung der Nachhaltigkeit. Mehr Informationen dazu finden sich unter den folgenden Links:

Projekt "Entwicklung und Erprobung eines Beratungskonzepts f├╝r die Begleitung landwirtschaftlicher Betriebe zur nachhaltigen Entwicklung"

Ziel des seit 2013 laufenden Projekts ist es, ein Beratungsangebot f├╝r eine freiwillige Weiterentwicklung der ├Âkologischen Landwirtschaft zu einer nachhaltigeren Produktion zu erarbeiten und bereitzustellen. In dem Projekt wurde bisher ein Beratungskonzept entwickelt, das auf einer gesamtbetrieblichen Nachhaltigkeitsanalyse basiert und mit dessen Hilfe Entwicklungsziele und Optimierungsma├čnahmen abgeleitet werden k├Ânnen. Hierf├╝r wurde das Tool RISE an deutsche Verh├Ąltnisse und den ├ľkolandbau angepasst. Zeitgleich wurde die RISE Software flexibilisiert und so die Anwenderfreundlichkeit erh├Âht. Aktuelles Ziel des Projektes (Laufzeit bis 2018) ist es, die konkrete Ma├čnahmenplanung auf den Betrieben effektiver durch kollegiale Beratung und kosteng├╝nstiger ├╝ber die Gruppenberatung zu gestalten. Zus├Ątzlich wird RISE technisch weiterentwickelt: Datenschnittstellen sollen es den Beratern m├Âglich machen, bereits erfasste Daten aus anderen Systemen einfach zu ├╝bertragen. Erg├Ąnzend dazu wird eine Infoplattform Nachhaltigkeitsberatung aufgebaut, die Interessierten alle relevanten Informationen zu dem Thema anbieten wird.

Weitere Infos zum Projekt auf Organic eprints


Letzte Aktualisierung 23.05.2016

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