Grundwasser

Vorbeugender Grundwasserschutz durch ├Âkologischen Landbau

Der Nitratbericht 2016 des Umweltbundesministeriums zeigt, dass die Belastung des Grundwassers mit Nitrat nach wie vor problematisch ist. Bundesweit liegt der Nitratgehalt in 28 Prozent der standardm├Ą├čig untersuchten Messstellen ├╝ber dem zul├Ąssigen Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter Wasser. Damit haben sich die Werte seit 2008 kaum verbessert.

Als Hauptverursacher gilt vor allem die Landwirtschaft. Seit 1995 liegt der j├Ąhrliche Bilanz├╝berschuss von Stickstoff auf konventionellen Betrieben bei knapp 100 Kilogramm pro Hektar. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass von diesen ├ťbersch├╝ssen mehr als die H├Ąlfte des Stickstoffs ins Grundwasser ausgewaschen werden. Je nach Bodenart, Klima und Niederschlagsmenge k├Ânnen diese Werte regional sogar noch h├Âher ausfallen.

Wasseraufbereitung ist aufw├Ąndig und teuer

F├╝r kommunale Wasserversorger ist dieser ├╝berm├Ą├čige Eintrag ein gro├čes Problem. Denn f├╝r jedes Kilogramm Stickstoff, das aus dem Wasser gefiltert werden muss, fallen laut einer wissenschaftlichen Studie Kosten in H├Âhe von f├╝nf bis 15 Euro an. Ausgehend von dieser Zahl sch├Ątzt der Bund f├╝r Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) die Kosten durch ├╝berm├Ą├čige N├Ąhrstoffausbringung bundesweit auf acht bis 25 Milliarden pro Jahr.

Um zu hohe Stickstoffeintr├Ąge und die die damit verbundenen Kosten f├╝r die Wasseraufbereitung zu vermeiden, sind immer mehr kommunale Versorger bestrebt, die ├Âkologische Bewirtschaftung im Einzugsgebiet ihrer Brunnen auszudehnen. Denn zahlreiche Studien belegen, dass auf ├Âkologisch genutzten Acker- und Gr├╝nlandfl├Ąchen durchschnittlich nur halb so viel Stickstoff ausgewaschen wird wie bei konventioneller Bewirtschaftung. Ein weiterer wesentlicher Vorteil des ├ľkolandbaus ist der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel und ein deutlich geringerer Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung. Beides sind Problemstoffe, die bei der Trinkwasseraufbereitung zus├Ątzliche Probleme bereiten.

Deutlich weniger Nitrat durch ├Âkologische Bewirtschaftung

Welchen Effekt eine ├Âkologische Bewirtschaftung auf die Nitratgehalte im Grundwasser hat, wurde auf den Fl├Ąchen der Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL) wissenschaftlich untersucht. Noch in den 1990er Jahren wurden hier an einzelnen Messpunkten Nitratwerte von ├╝ber 150 Milligramm pro Liter gemessen. Um eine kostspielige Wasseraufbereitung zu vermeiden, wurden im Jahr 1992 der eigene Betrieb Gut Canitz und in den folgenden Jahren f├╝nf weitere H├Âfe im zentralen Wasserschutzgebiet auf ├Âkologische Bewirtschaftung umgestellt. Insgesamt betr├Ągt der Umfang der ├ľkofl├Ąchen heute knapp 2.600 Hektar. Durch diese Ma├čnahme ging der Nitratgehalt im Rohwasser bis 2004 von durchschnittlich 40 auf 24 Milligramm pro Liter zur├╝ck und sind seitdem stabil.

Obwohl im ├ľkolandbau grunds├Ątzlich mit deutlich geringeren Stickstoffmengen gearbeitet wird, besteht auch hier das Risiko einer erh├Âhten Auswaschung, etwa bei intensiver Bodenbearbeitung nach Leguminosen im Herbst oder durch die Ausbringung von Wirtschaftsd├╝ngern. Deshalb haben die Wasserwerke Leipzig f├╝r die Biobetriebe weitere Ma├čnahmen festgelegt, die ├╝ber die allgemeinen Vorgaben der EU-├ľkoverordnung und der Bioverb├Ąnde hinausgehen. Dazu geh├Ârt zum Beispiel eine deutliche Reduzierung des Tierbesatzes oder eine ganzj├Ąhrige Bodenbedeckung.

Versorger zahlen Ausgleichspr├Ąmien

Daf├╝r zahlt die KWL den Landwirtinnen und Landwirten eine zus├Ątzliche Pr├Ąmie, erg├Ąnzend zu den l├Ąnderspezifischen Ausgleichszahlungen f├╝r die Einschr├Ąnkungen bei der Landnutzung und den damit verbundenen geringeren Ertr├Ągen. Solche Ausgleichszahlungen der Versorger sind allerdings nur zul├Ąssig, wenn sie mit weiteren Vorgaben verkn├╝pft sind. Andernfalls werden die l├Ąnderspezifischen F├Ârders├Ątze gek├╝rzt.

Von diesem Konzept profitieren beide Seiten. Die Biobetriebe k├Ânnen die zus├Ątzlichen Vorgaben der Versorger meist mit vertretbarem Aufwand umsetzen, w├Ąhrend die KWL durch den vorbeugenden Grundwasserschutz kein teure Aufbereitung durchf├╝hren muss. Die Investitionskosten f├╝r weitere Aufbereitungsstufen sch├Ątzen die Verantwortlichen auf etwa 14 Millionen Euro. Zusammen mit den Betriebskosten w├╝rde das einen Aufschlag von 19 Cent pro Kubikmeter Trinkwasser bedeuten. Dagegen entstehen durch die Ausgleichszahlungen f├╝r die Bioetriebe nur Mehrkosten von etwa einen Cent pro Kubikmeter.

Stadtwerke M├╝nchen schaffen gr├Â├čte ├ľkofl├Ąche Deutschlands

Auch die Stadtwerke M├╝nchen haben aus diesem Grund bereits vor ├╝ber 20 Jahren damit begonnen, den ├ľkolandbau auf ihren Wasserschutzfl├Ąchen durch gezielte Ansprache der Landwirtinnen und Landwirte auszuweiten. Im Rahmen des F├Ârderprogramms "├ľko-Bauern" erhalten die Betriebe je nach Schutzgebiet bis zu 350 Euro pro Hektar zus├Ątzlich. Dar├╝ber hinaus unterst├╝tzen die Stadtwerke die H├Âfe bei der Vermarktung ihrer Bioprodukte. Die Vertr├Ąge laufen ├╝ber 15 Jahre und sind seitens der Betriebe jederzeit k├╝ndbar. Die Einhaltung der Auflagen wird ein Mal pro Jahr von unabh├Ąngiger Stelle gepr├╝ft.

F├╝r die M├╝nchener Stadtwerke ist dieses Konzept ein voller Erfolg. Die Nitratwerte im M├╝nchener Trinkwasser liegen bei nur sechs Milligramm pro Liter. F├╝r das Programm fallen lediglich Mehrkosten von 0,5 Cent pro Kubikmeter Trinkwasser an. Insgesamt bewirtschaften heute etwa 160 Biobetriebe eine Fl├Ąche von etwa 3.700 Hektar im Mangfalltal, dem wichtigsten Einzugsgebiet f├╝r die Wasserversorgung des Gro├čraums M├╝nchen. Auf diese Weise ist hier eine der gr├Â├čten, zusammenh├Ąngenden ├ľkofl├Ąchen Deutschlands entstanden.


Letzte Aktualisierung 06.03.2017

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