Kombinierte Einzel- und Gruppenhaltung

Kombinierte Einzel- und Gruppenhaltung von ferkelführenden Sauen

Die kombinierte Einzel- und Gruppenhaltung von ferkelführenden Sauen ab dem 14. Tag ist zur Nutzung von Altgebäuden ein häufig genutztes Verfahren in Praxisbetrieben.

Vorteile:

  • Geringere Anzahl an Abferkelbuchten nötig
  • Gute, kostengünstige Integrationsmöglichkeiten in Altgebäude
  • Effiziente Flächennutzung im Auslauf
  • Günstige Arbeitswirtschaft
  • Feste Gruppenbildung der Ferkel bereits ab dem 14. Lebenstag
  • Das System entspricht den natürlichen Verhaltensweisen der Schweine

Nachteile:

  • Hoher Managementanspruch
  • Umgang mit Problemsauen
  • Eventuelle Leistungseinbußen durch Fremdsauger
  • Probleme bei frühem Absetzen der Ferkel durch die Sau. Diese können sich besonders bei Krankheitsproblemen (zum Beispiel Milchfieber) negativ auswirken.
  • Eventuell intensivere Laktationsrausche durch das Umstallen

Den eventuell etwas schlechteren Leistungen im Gruppensäugesystem im Vergleich zur Einzelhaltung stehen Einsparungen bei den Investitionskosten gegenüber. Für das Gelingen der Gruppenhaltung darf der Altersunterschied der Ferkel maximal fünf Tage betragen. Um die Ausbildung einer stabilen Saugordnung und der Mutter-Kind-Bindung zu gewährleisten, sollte die Gruppenbildung frühestens am zehnten Tag erfolgen. Eine geeignete Gruppengröße liegt bei drei bis fünf Sauen. Ein Vorteil dieser Gruppengröße ist, dass bei Umrauschen auch Zweier- beziehungsweise Vierergruppen problemlos zu führen sind.

Die Gruppenbucht sollte immer für vier Sauen geplant werden, in der Regel aber nur mit drei Sauen belegt werden. Durch das größere Flächenangebot gibt es bessere Rückzugsmöglichkeiten für Sau und Ferkel. Im Bedarfsfall (Umrauscher) können dann auch vier Sauen eingestallt werden.

Sauenbereich

Der gemeinsame Bereich von Sauen und Ferkeln besteht aus einer eingestreuten, unstrukturierten Liegefläche. Die Fläche sollte im Stall mindestens 3,5 Quadratmeter je Sau umfassen, um das synchrone Säugen aller Würfe zu ermöglichen. Bei zu geringen Platzangebot ist Unruhe als Auslöser für Säugen im Stehen zu beobachten. Die Sauen werden auf einem erhöhten Fressplatz mit Selbstfangfressständen gefüttert. Reserven für Umrauscher sind vorzusehen.

Ferkelbereich

Der Ferkelbereich besteht aus einem Fress- und einem Liegebereich. Der Fressbereich der Ferkel ist neben dem Fressbereich der Sauen angeordnet. Daneben befindet sich der Ferkelschlupf. Ein eingestreutes Ferkelnest mit Lamellenvorhang bietet den Ferkeln einen Mikroklimabereich. Bei Bedarf kann das Nest mit einer Wärmelampe oder einer Fußbodenheizung beheizt werden.

Die frühe Anfütterung der Ferkel erfolgt im Ferkelfressbereich, direkt im Kopfbereich der Sauen (Lerneffekt). Die Futterschale wird zur Futterzeit mit frischem Futter befüllt und nach etwa einer Stunde wieder entfernt, damit das Futter attraktiv bleibt.

Auslauf

Laut EU-Rechtsvorschriften für den ökologische Landbau sind einer ferkelführenden Sau 2,5 Quadratmeter Außenfläche zur Verfügung zu stellen. Diese ist als befahrbare Betonfläche (Betonqualität mindestens B 25 wu) ausgeführt, eingestreut und mit Gittertoren unterteilt. Die Tore können während des Mistens auf einen abgeschrägten Sockel vor die Auslaufluken geschwenkt werden. Diese bestehen aus einer Tür, die im unteren Bereich mit einem Lamellenvorhang ausgestattet ist. Das Entmisten geschieht mobil mit dem Hofschlepper.

Beckentränken werden im Auslauf installiert, da häufig nach dem Trinken ein Absetzen von Kot und Harn stattfindet. Sie müssen frostsicher, ausreichend groß und leicht zu reinigen sein. Auch Bürste, Scheuerpfahl und Suhle oder Dusche werden im Auslauf untergebracht.

Nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau kann der Auslauf teilüberdacht sein. Der Jaucheanfall durch zusätzliches Regenwasser wird so geringer gehalten. Im Auslauf sollten auf jeden Fall Sonnen- beziehungsweise Regenbäder möglich sein. Zur Ableitung der anfallenden Jauche wird an geeigneter Stelle eine Schlitzrinne oder "Grüne Rinne" verlegt.

Wichtige Maße für Gruppensäugen
BereichMaßGrund
Fläche innen7,5 qmEU-Rechtsvorschriften
Fläche außen2,5 qmEU-Rechtsvorschriften
Reine Liegefläche~ 3 qmAusreichend Platz für gemeinsames Säugen
Tiefe Auslauf> 2 mPlatz zum Säugen, Maschinenbreite
Ferkelnest Fläche/ Ferkel< 0,1 qmFerkelgröße, Raumvolumen, Erhaltung Mikroklima
Fressplatz Breite55 cmBreite der Sau und Platz für Ferkel
Fressbereich Fläche/ Ferkel0,15 qmGröße der Ferkel
Montagehöhe Schwenktor Auslauf3 cmHinderung Durchschlupf, keine Klemmgefahr
Maximaler Abstand horizontale Gitterstäbe6 cmKeine Klemmgefahr
Maximale Stufenhöhe10 cmFerkelgröße (Kanten entgraten)

Letzte Aktualisierung 26.02.2020

Nach oben