Gruppensäugen macht mehr Arbeit

Gruppensäugen macht mehr Arbeit

Beim Gruppensäugen handelt es sich um eine kombinierte Einzel- und Gruppenhaltung der säugenden Sau. Dabei wird die Sau in den ersten 10 bis 14 Tagen nach dem Abferkeln einzeln gehalten, anschließend werden mehrere Sauen mit ihren Ferkeln gemeinsam aufgestallt. Das Gruppensäugen ferkelführender Sauen gilt als besonders tiergerechtes Verfahren, denn auch in Freiheit ziehen mehrere Wildschweine gemeinsam ihre Ferkel auf. Im Betrieb lässt sich das Verfahren außerdem gut in Altgebäude integrieren.

Am Institut für Ökologischen Landbau in Trenthorst wurde ein dreijähriger Versuch zum Gruppensäugen durchgeführt. Dort zeigte sich, dass dieses Verfahren nicht nur Vorteile hat. Vor allem die Stallkosten und der Arbeitszeitbedarf waren höher als in der Einzelhaltung.

Strikte Gruppierungsregeln

Auf dem Versuchsbetrieb des Instituts für Ökologischen Landbau wurden über drei Jahre hinweg 74 Würfe im Einzelsäugen, 51 Würfe im Dreiersäugen und 39 Würfe im Sechsersäugen aufgestallt. Die Wissenschaftler haben das Verhalten der Tiere, die biologischen Leistungen, Krankheits- und Verlustgeschehen sowie ökonomische Daten untersucht. Die Sauen wurden mit ihren Würfen im Durchschnitt 14 Tage nach der Geburt gruppiert. Für die Gruppensäugevarianten wurden folgende Gruppierungsregeln beachtet:

  • Kranke Sauen werden niemals in die Gruppe umgestallt oder im Gruppensäugen belassen.
  • Es werden keine einzelnen Jungsauen in Altsauengruppen eingegliedert.
  • Der maximale Altersunterschied der Ferkel liegt bei sechs Tagen.

Vergleichbare Leistungen, mehr Arbeit

Im Vergleich zum Einzelsäugen ging das Gruppensäugen mit mehr Aktivität und Unruhe unter den Tieren einher, im Sechsersäugen war dies noch deutlicher zu beobachten als in den Dreiergruppen. Das veränderte Verhalten hatte jedoch keine Auswirkungen auf die biologischen Leistungen der Ferkel und Sauen, genauso wenig wie auf die Krankheits- und Verlustraten.

Der Arbeitszeitbedarf im Gruppensäugen war höher. Dies war der zusätzlichen Reinigung der Abferkelbuchten nach der Gruppierung und der Gruppierung selbst geschuldet.

Das Gruppensäugen führte zu erhöhten Baukosten. Zwar lassen sich in den Gruppenbuchten Fläche und Ausstattung einsparen, das Einsparpotential wird jedoch durch die Bereitstellung zusätzlicher Reserve-Einzelbuchten übertroffen. Reservebuchten sind nötig, um Würfe, die den Gruppierungsregeln nicht genügen, sowie Umrauscher und Spätrauscher auszugliedern.

Empfehlungen

Die Wissenschaftler raten Praktikerinnen und Praktikern, die das Gruppensäugen einführen möchten, folgendes zu beachten:

  • In der Planungsphase sollten die betriebsindividuellen Verteuerungs- und Einsparungspotentiale genau betrachtet werden. In die Kalkulation sollten die Herdengröße sowie die baulichen und arbeitswirtschaftlichen Voraussetzungen einfließen.
  • Es müssen genügend Reserve-Einzelsäugebuchten bereitstehen.
  • In der Umsetzung müssen die oben genannten Gruppierungsregeln strikt eingehalten werden.

Eine grundsätzliche Empfehlung für das Gruppensäugen kann nicht gegeben werden. Aus biologischer Sicht - Verhalten, Leistungen, Krankheits- und Verlustgeschehen - spricht aber nichts gegen die Gruppenhaltung. Letztlich hängt es von der Betriebsleitung ab, ob die Gruppenhaltung bevorzugt und gut gemanagt wird. Grundsätzlich ist immer zu bedenken, dass das Gruppensäugen zu einer erhöhten Arbeitsbelastung führt und mit höheren Kosten verbunden sein kann.


Buchtipp

Ralf Bussemas, Anna Widmaier (Hg.): Biologische Schweinehaltung - Fütterung, Management, Tiergesundheit. Aktualisierte Neuauflage 2011, ISBN 978-3-934239-42-5, www.bioland-verlag.de

Autoren

  • Ralf Bussemas und Friedrich Weißmann, Johann Heinrich von Thünen-Institut, Institut für Ökologischen Landbau Trenthorst
  • Horst Brandt, Justus Liebig-Universität Gießen, Institut für Tierzucht und Haustiergenetik

Letzte Aktualisierung 24.06.2018

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