Einführung in die ökologische Sauenhaltung

Haltung von Zuchtsauen und Ferkeln

Nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau sind Sauen - außer während der Hochträchtigkeit und Säugeperiode - in Gruppen zu halten. Ein Auslaufbereich ist für die Sauen in ökologischen Betrieben vorgeschrieben (siehe Anhang VIII der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau), eventuell in Verbindung mit Weidemöglichkeiten. Das Halten von Ferkeln in Flatdecks oder Ferkelkäfigen ist verboten. Auslaufflächen - zum Misten und Wühlen - müssen vorhanden sein. Zum Wühlen können verschiedene Materialien (beispielsweise Stroheinstreu) verwendet werden.

Laut den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau ist für Ferkel eine Mindestsäugezeit von 40 Tagen vorgeschrieben. Dies führt zu einer höheren Anzahl notwendiger Abferkelbuchten (für 35 bis 40 Prozent der produktiven Sauen) als bei der konventionell üblichen Säugezeit von 21 bis 28 Tagen. Um diese zusätzlichen Kosten zu reduzieren, wird häufig das Gruppensäugeverfahren angewendet. Nach zehn bis 14 Tagen werden mehrere Sauen mit ihren Ferkeln in einer Gruppe zusammengefasst. Die Ferkel erhalten eine nur für sie zugängliche Ferkelbucht.

Die EU-Rechtsvorschriften regeln den Flächenbedarf in der Ferkelerzeugung wie folgt: 

Flächenbedarf in der Ferkelerzeugung gemäß EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau
TierLebend- gewicht 
(kg)
Stallfläche (m2)Außenfläche (m2)Summe 
total
 (m2)
Stallfläche: Bei den Flächen handelt es sich um begehbare/nutzbare Fläche. Die Fläche für Futterautomaten wird abgezogen. Die Fläche für Tröge nicht.
Sau, gedeckte Jungsau 2,51,94,4
Säugende Sau   7,52,510,0
Absatzferkel< 300,60,41
Zuchtläufer30 bis 110 0,8-1,30,6-1,01,4-2,3
Eber 6,08,014,0

Bei der Sauenhaltung dominiert die Stallhaltung auf Stroh, Teilspaltenställe sind eher selten. Kombinationen von Freiland- und Stallhaltung sind hingegen üblich.

Bei Neu- und Umbauten werden in der Regel zugfreie Kaltställe (Windschutznetze) als eingestreute Zwei- und Drei-Raum-Ställe oder Tieflaufställe mit überdachten Ausläufen erstellt.

Bei den Abferkelbuchten haben sich die Buchten mit einem verschließbaren Sauenbügel zum vorübergehenden Fixieren der Sauen und beheizbarem, isolierten Ferkelnest (Heku-Bucht) bewährt. Aber auch Abferkelbuchten zum freien Abferkeln (beispielsweise Schmid-Bucht, FAT-Bucht, Universalbuchten) sind im Einsatz. Diese können allerdings je nach Temperament und Kondition der Sau zu erhöhten Ferkelverlusten durch Erdrücken führen. Die Haltung in Gruppen beziehungsweise einer Kombination von Gruppen- und Einzelhaltung ist jedoch möglich und findet zunehmend Eingang in die Praxis. Ihren Nestbautrieb befriedigt die Sau vor dem Abferkeln mit viel trockenem Stroh. Eine Fixierung ist bei ausreichendem Platzangebot nicht notwendig. "Problemsauen" können im Notfall trotzdem fixiert werden. Dies sollte nicht länger als 14 Tage dauern.

Die Gruppenhaltung ist laut EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau und auch gemäß Schweinehaltungsverordnung für "leere" und "niedertragende Sauen" vorgeschrieben. Selbstfangfressstände mit Trogfütterung sind hier genauso vertreten wie Trockenfutter- und auch Breiautomaten.

Die Freilandhaltung von Sauen hat sich besonders in küstennahen milden Klimaregionen und auf leichten Standorten bewährt und stellt eine tiergerechte und kostengünstige Lösung dar. Schweine sind empfindlich gegen UV-Strahlen und können einen Sonnenbrand erleiden. Deshalb ist ein Unterstand bei der Freilandhaltung unerlässlich. Zusätzlich dient er als Regenschutz. Eine Suhle in der Freilandhaltung fördert das Wohlbefinden, da Schweine zur Kühlung ihre empfindliche Haut gerne mit Wasser oder Schlamm befeuchten. Eine automatische Dusche kann im Auslauf von Stallgebäuden installiert werden. Dabei ist allerdings auf Hygiene zu achten. Vor allem in Schlammsuhlen findet man eine hohe Endoparasitenbelastung.

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