100 Prozent Biofütterung ab 2018

Ohne Kartoffeleiweiß: 100 Prozent Biofütterung

Nach einer Verlängerung der Übergangsfrist durch die EU-Kommission dürfen in der Fütterung von ökologisch gehaltenen Schweinen bis Ende 2020 noch bis zu fünf Prozent konventionelle Futtermittel in der durchschnittlichen Jahresration enthalten sein, in der Tagesration maximal 25 Prozent. In der Praxis betrifft dies den Einsatz von konventionellem Kartoffeleiweiß, da alle anderen möglichen Komponenten grundsätzlich aus ökologischer Herkunft verfügbar sind.

Mit fünf Prozent Kartoffeleiweiß kann man etwa 25 Prozent des Proteinbedarfs eines Mastschweins decken. Zudem entsprechen die Anteile der einzelnen Aminosäuren ziemlich exakt den Bedürfnissen der Tiere. Kartoffeleiweiß ökologischer Herkunft ist jedoch kaum verfügbar, weil Speisestärke in Ökoqualität, bei dessen Herstellung Kartoffeleiweiß anfällt, am Ökomarkt kaum verfügbar ist. Futterrationen für Ökoschweine müssen somit ab 2021 weitestgehend ohne Kartoffeleiweiß zusammengestellt werden.

Alternativen zu Kartoffeleiweiß

FuttermittelEigenschaften
Erbsen
Ackerbohnen
Lupinen
Heimischer Anbau unbedeutend.
Neuere Erbsen- und Ackerbohnen-Sorten haben deutlich bessere Verträglichkeit.
Methionin und Cystein-Gehalte sehr gering
Lupinen rohfasereich
RapskuchenBegrenzte Verträglichkeit (Geschmack, Fettgehalt)
Brauchbare Eiweißqualität
Kürbiskernkuchen
Sesamkuchen
Viele wertvolle schwefelhaltige Aminosäuren (Cystein, Methionin)
Sehr begrenzte Verfügbarkeit
SojakuchenHeimischer Anbau (noch) unbedeutend
Gute Eiweißqualität
MilchpulverGute Eiweißqualität
Außer in der Ferkelfütterung zu teuer

Quelle: C. Wucherpfennig, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Deckung des physiologischen Bedarfs von Bioschweinen

Den höchsten Bedarf an wertvollen Aminosäuren haben Ferkel. Aufgrund der mäßigen Schmackhaftigkeit wird Kartoffeleiweiß auch heute schon durch andere Komponenten wie beispielsweise Milchpulver ergänzt. Ackerbohnen können nach spezieller thermischer Aufbereitung eine Alternative sein, Sesam- und Kürbiskernkuchen vor allem als Methionin- und Cystein-Lieferanten. Hierbei müssen aber zur Deckung des Aminosäurenbedarfs höhere Rohproteingehalte toleriert werden. Wird der Bedarf der Ferkel durch das Futter nicht gedeckt, kann dies negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben (zum Beispiel Durchfall).

Bei tragenden Sauen und Endmastschweinen lässt sich der Bedarf auch ohne Kartoffeleiweiß problemlos mit Körnerleguminosen und etwas Ölkuchen decken. In der Vormast verringert sich die Mast- und zum Teil auch die Schlachtleistung, wenn die Tiere unterhalb ihres physiologischen Bedarfs mit Protein versorgt werden (müssen). Sie wachsen langsamer und verfetten unter Umständen, werden davon jedoch nicht krank. Säugende Sauen hingegen müssen bedarfsdeckend gefüttert werden, weil ansonsten die Milchleistung und damit auch die Aufzuchtleistung zurückgeht.

Die Zusammenstellung von Rationen ohne Kartoffeleiweiß ist in der Regel etwas teurer. Eine größere Zahl an Komponenten ist erforderlich, was Eigenmischungen erschwert. Künftig werden daher mehr Betriebe ihr Getreide mit zugekauften Eiweißergänzern mischen.

Verfügbarkeit von alternativen Futtermitteln

Konventionelles Kartoffeleiweiß kann laut Berechnungen derzeit noch nicht vollständig ersetzt werden. Der Anbau von Körnerleguminosen ist seit Jahren rückläufig und der heimische Sojaanbau reicht noch nicht aus. Auch Sojaimporte aus Österreich und Italien können den Bedarf gegenwärtig nicht decken. Raps-, Sesam- und Kürbiskernkuchen sind nur begrenzt verfügbar und zudem nur in geringen Anteilen verträglich. Reisprotein könnte die Bedarfsspitzen decken. Hoffnungen werden auf Futterfermentation und bakterielle Fermentierung einzelner Aminosäuren gesetzt. Die Forschung steht hier aber noch am Anfang.


Autor

Christian Wucherpfennig
Beratungsteam Ökologischer Land- und Gartenbau der Landwirtschaftskammer NRW

Letzte Aktualisierung 17.11.2020

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