Stable Schools für Ziegenhalter

Stable Schools für Ziegenhalter - ein vielversprechendes Beratungskonzept

Seit mehr als zehn Jahren nimmt die Zahl der Milchziegen haltenden Betrieb in Deutschland stetig zu, insbesondere im ökologischen Landbau. Das Beratungsangebot für professionelle Milchziegenhaltung ist dagegen nach wie vor überschaubar, vor allem fehlt es an qualifizierten Fachberaterinnen und –beratern. Um diese Lücke mit einem alternativen Beratungsansatz zu füllen, hat das Thünen-Institut für Ökologischen Landbau in Trenthorst in einer dreijährigen Studie erstmals das Potential einer sogenannten Stable School auf 40 Betrieben mit Ziegenhaltung untersucht. Die Studie wird im Rahmen der Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz durchgerführt und durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert.

Erfolgreich getestet in der Milchviehhaltung

Stable Schools sind in Dänemark bereits seit vielen Jahren üblich und wurden auch schon in Deutschland erfolgreich auf ökologisch wirtschaftenden Milchviehbetrieben getestet. Im Kern geht es bei einer Stable School darum, dass sich bis zu sechs Praktikerinnen und Praktiker regelmäßig auf ihren Betrieben treffen und sich vor Ort austauschen, um gemeinsam Lösungen für bestehende Probleme zu entwickeln.

Die Beratung findet also nur auf Ebene der Betriebsleitung statt. Zwar ist bei jedem Treffen auch eine Beraterin oder ein Berater dabei. Ihr Beitrag beschränkt sich aber ausschließlich darauf, die Diskussion zu moderieren und problemorientiert zu leiten. Ziel ist es, dass sich die Landwirtinnen und Landwirte auf Basis ihrer eigenen Praxiserfahrungen gegenseitig beraten und ihre Betriebe individuell weiter entwickeln.

Treffen direkt auf dem Betrieb

Anders als bei einem klassischen Arbeitskreis finden Stable School-Treffen im Wechsel direkt auf den teilnehmenden Betrieben statt. Zu jedem Treffen gehört eine ausführliche Betriebsführung, damit sich alle Beteiligten ein möglichst konkretes Bild von den jeweiligen betrieblichen Voraussetzungen machen können. Als zusätzliche Basis für die Erarbeitung konkreter Empfehlungen bei bestehenden Problemen erhält die Gruppe Daten zur Tiergesundheit, zum Betrieb und zur Stallausstattung. In der Studie wurden diese Daten vorab vom Forscherteam auf allen Betrieben erhoben, wobei der Gesundheitsstatus von insgesamt 1.876 Milchziegen aufgenommen wurde.

Die ersten Zwischenergebnisse der Studie zeigen, dass die beteiligten Landwirtinnen und Landwirte sehr zufrieden mit dem Konzept der Stable School sind. So halten knapp 95 Prozent die Beteiligten den gewählten Beratungsansatz nach 2,5 Jahren Versuchslaufzeit für "gut" oder "sehr gut". Besonders schätzen sie den Austausch und die Offenheit bei den Treffen und die Möglichkeit zur Vernetzung, durch die bereits Stalleinrichtungen vermittelt werden konnten oder Zuchttiere ausgetauscht wurden. Größter Kritikpunkt waren die großen Entfernungen, die die Beteiligten beim Besuch der anderen Betriebe zurücklegen mussten.

Stable Schools motivieren zu Veränderungen

Doch vor allem zeigte die Befragung, dass die Stable School-Treffen die Betriebe zu konkreten Veränderungen bei vorhandenen Problemen motivieren, was mit klassischen Beratungsansätzen oft nicht gelingt. Knapp 70 Prozent der Befragten halten Stable Schools für "motivierender" (48 Prozent) oder "sehr viel motivierender" (20 Prozent), die Tiergesundheit ihrer Herden zu verbessern als bestehende Beratungsansätze wie Tagungen, Workshops oder eine tierärztliche Bestandsbetreuung. Wichtigster Grund für die höhere Motivation war für die meisten Befragten ein "positiver Gruppendruck". Dieser Druck entsteht durch die mehrmaligen Treffen auf jedem Hof, bei denen der gastgebende Betrieb zeigen möchte, dass besprochene Vorschläge zur Optimierung angenommen wurden.

Veränderungen und Anpassungen nahmen die meisten Betriebe im Bereich der Haltung, Fütterung und der Lämmeraufzucht vor. Für viele Betriebe war auch ganz grundsätzlich eine höhere Sensibilisierung für Probleme und verstärkte Selbstreflexion ein Vorteil der Stable School. Nur neun Prozent der Betriebe gaben an, bisher keine Veränderungen aufgrund der Stable School-Treffen vorgenommen zu haben.

Sehr hoher Gesundheitsstatus der Herden

Sehr positiv fiel die erste Erhebung zum Gesundheitsstatus der Ziegen auf den beteiligten Betrieben aus. Dabei wurden die Tiere auf zentrale Indikatoren wie Lahmheiten, Körperkondition, haarlose Stellen und mögliche Schwellungen untersucht. Am häufigsten traten leicht überwachsene Klauen bei knapp 50 Prozent aller untersuchten Tiere auf. Haarlose Stellen am Hals und Verletzungen im Kopfbereich wurden pro Betrieb nur bei etwa 15 Prozent der Ziegen festgestellt. Nach Einschätzung des forschenden Teams weisen die 40 untersuchten deutschen Projektbetriebe damit im internationalen Vergleich einen sehr hohen Tierwohl-Standard auf.

Auch das Stallklima der Stable School-Betriebe beurteilten die Forscherinnen und Forscher sehr positiv. Mit durchschnittlichen Ammoniakgehalten von maximal 1,2 parts per million (ppm) wiesen die Ställe der deutschen Betriebe deutlich günstigere Werte auf als etwa niederländische oder norwegische Ziegenhalterinnen und Ziegenhalter, in deren Ställen bei Studien bis zu 7,8 ppm beziehungsweise 12 ppm Ammoniak gemessen wurden.


Letzte Aktualisierung 05.11.2017

Damit es nichts zu meckern gibt – Ziegen professionell halten

Nahaufnahme Ziege.

Ein Dossier des Thünen-Instituts über professionelle Ziegenhaltung.

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Milchziegenhaltung im Biobetrieb

Ein Management-Leitfaden für Einsteigerinnen und Einsteiger und Ziegenprofis

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