Öko-Zierpflanzenbau – Was ist anders?

Öko-Zierpflanzenbau – Was ist anders?

Bei der Umstellung von konventionellem auf ökologischen Zierpflanzenbau ändert sich so manches. Was genau, erläutern wir im Folgenden.

Sortiment

Im Biozierpflanzenanbau ist meist ein breiteres Sortiment erforderlich. Das erhöht die Anforderungen an die Gärtnereien, die diese Vielfalt organisieren müssen. Andererseits reduziert ein breites Sortiment das Anbaurisiko.

Die meisten ein- und zweijährigen Sommerblumen eignen sich sehr gut für den ökologischen Anbau. Über den Anbau von Schnittstauden kann das Angebot auf das Frühjahr und den Herbst erweitert werden. Wichtig ist, auf langstielige und gut verzweigte Sorten zu achten, da sich kurzstielige Schnittstauden nicht gut binden lassen.

Der größte Teil der Beet-, Balkon- und Zimmerpflanzen ist problemlos in Bioqualität zu kultivieren. Besonders lohnend für Biozierpflanzenbetriebe ist der Anbau von „Essbaren Blüten“ und Kräutern, da Kunden in diesem Segment sehr viel Wert auf rückstandsfreie Ware legen.

Auch die Kultur in Töpfen ist nach EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau möglich. Allerdings nur dann, wenn die Töpfe mit der Pflanze verkauft werden. Ausnahmen sind in Absprache mit der zuständigen Kontrollstelle möglich. Die Verwendung biologisch abbaubarer Töpfe ist nicht verpflichtend.

Saatgut und Jungpflanzen

Falls verfügbar, müssen Saatgut und Jungpflanzen aus biologischer Vermehrung stammen. Die Verfügbarkeit kann bei organicXseeds.com überprüft werden.

Biologische Ware ist in den benötigten Mengen und Qualitäten meist nur sehr selten zu finden. Bei Nichtverfügbarkeit kann im Zierpflanzenbereich ohne Antrag auf Ausnahmegenehmigung konventionelles, nicht chemisch gebeiztes Saatgut oder Pflanzgut verwendet werden. Der Einsatz muss aber für die Ökokontrolle dokumentiert werden.

Sämlinge, das heißt aus Samen gezogenen Jungpflanzen, dürfen laut EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau nicht aus konventioneller Produktion stammen. Da das Angebot aus ökologischem Anbau sehr begrenzt ist, bleibt den Zierpflanzenbetrieben oft nur die eigene Aussaat und Anzucht.

Erde und Substrate

Im ökologischen Anbau ist sowohl im Freiland als auch im Gewächshaus grundsätzlich die Kultur in gewachsenem Boden vorgeschrieben. Eine Ausnahme bilden der Topfpflanzenanbau und die Anzucht: hier dürfen Substrate verwendet werden. Bislang ist die Zusammensetzung solcher Substrate in den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau (noch) nicht geregelt. Die Verbände haben eigene Anforderungen in ihren Richtlinien.

Viele Substrathersteller bieten inzwischen biozertifizierte Substrate an. Diese sind in der FiBL-Betriebsmittelliste zu finden.

Düngung

Topf- und Schnittblumenkulturen mit geringem bis mittlerem Nährstoffbedarf lassen sich generell über eine Vollbevorratung im Substrat mit Nährstoffen versorgen. Da aus dem Kompostanteil der Substrate meist aber hohe Mengen an Phosphor und Kali geliefert werden, ist manchmal eine stickstoffbetonte Ergänzungsdüngung nötig. Hierfür eignen sich organische Handelsdünger (zum Beispiel Horndünger). Zunehmend werden auch pflanzliche Produkte zur organischen Aufdüngung von Biosubstraten angeboten, zum Beispiel die als Rückstand aus der Maisproduktion gewonnenen Phytoperls.

Zur flüssigen Nachdüngung eignen sich Vinasse oder andere flüssige Handelsdünger. Eine Auswahl möglicher organischer Handelsdünger kann der FiBL-Betriebsmittelliste entnommen werden.

Beleuchtung

Fotoperiodische Beleuchtung bis zirka 600 Lux ist laut EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau erlaubt. Assimilationslicht ist nur für die Jungpflanzenanzucht zugelassen.

Pflanzengesundheit und Pflanzenschutz

Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel sind im ökologischen Zierpflanzenbau generell verboten. Um die Pflanzen gesund zu erhalten, müssen andere Maßnahmen ergriffen werden: Allen voran stehen die Verwendung von gesundem Saat- und Pflanzgut sowie eine konsequente Hygiene. Darüber hinaus lässt sich mit pflanzenbaulichen Maßnahmen die Widerstandskraft der Pflanzen stärken und der Infektionsdruck senken: Besonders wichtig sind ein gut durchlüfteter, belebter Boden mit gutem Mikroorganismenbesatz, eine ausgeglichene Wasser- und Nährstoffversorgung sowie optimale Kulturbedingungen (Temperatur, Standweite et cetera). Auch biologische Pflanzenschutzmaßnahmen – zum Beispiel der gezielte Einsatz von Bakterien, Viren und tierischen Nützlingen – sowie biotechnische Verfahren (Pheromone, Falle et cetera) spielen im Biozierpflanzenbau eine Rolle.

Wuchsregulierung

Der Einsatz von chemisch-synthetischen Hemmstoffen ist im Ökoanbau grundsätzlich verboten. Durch die Wahl kompakt wachsender Sorten mit guter Verzweigung kann man die Wuchsregulierung jedoch meistern. Bewährt haben sich zudem die folgenden gärtnerischen Maßnahmen: große Standweiten, rechtzeitiges Rücken, gegebenenfalls häufigeres Stutzen, angepasste Nährstoffgaben, moderater Trockenstress und kühle Kulturführung.

Bewässerung und Düngung

Auf geschlossene Systeme wird hingearbeitet. Flächenversiegelung ist nur zu Zwecken der Wasser-Rückgewinnung gestattet. Wasser- und energiesparende Fließmattenbewässerung wird in Containerquartieren von Baumschulen und Staudengärtnereien eingesetzt. Probleme mit einer Verteilung von Krankheiten per Wasser-Recycling sind bisher im Biobereich nicht dokumentiert.

Auf Anstautischen kommen Ebbeflutsysteme zum Einsatz. Die flüssige Nachdüngung mit Vinasseprodukten muss häufiger erfolgen als bei mineralischen Düngern.

Beikrautregulierung

Viele Arbeitsstunden werden mit Zupfen und Handhacke verbracht. Beete werden gehackt und spätestens im zweiten Jahr gemulcht. Bei der Auswahl des Mulchmaterials muss eine mögliche N-Fixierung bedacht werden. Kurz- oder mittelfristig freie Flächen können durch Einsaat einer Gründüngung vor Samenunkräutern geschützt werden. Wurzelunkräuter müssen von kleineren Flächen von Hand ausgegraben werden. Auf größeren Flächen empfiehlt sich regelmäßiges Grubbern. Wege können mittels Abflammgerät unkrautfrei gehalten werden. Allerdings muss der Einsatz früh nach der Keimung erfolgen und regelmäßig bei trockenem und windstillem Wetter wiederholt werden.

Wuchsregulatoren

Wuchs-Hemmstoffe sind im ökologischen Zierpflanzenbau verboten. Sie sind auch überflüssig, wenn Kulturen in weiterem Stand, bei reduzierten Wassergaben und mäßiger Düngung heranwachsen. Das kostet zusätzlich Zeit und Platz, bei geringerem Mengenertrag. Auch deshalb müssen Ökopflanzen bei vergleichbarer optischer Qualität einen höheren Preis erzielen.

Energie

Für den Energieaufwand eines Biozierpflanzenbetriebes gibt es derzeit keinen festgelegten Grenzwert. Während im Biogemüsebau nur Jungpflanzen und diese bei lediglich fünf Grad überwintert werden dürfen, müssen für Zierpflanzer andere Maßstäbe gelten. Hier gilt es, sich auf Kulturen zu konzentrieren, die kälter kultiviert werden können und zugleich eine (nahezu) ganzjährige Marktbeschickung ermöglichen.


Letzte Aktualisierung 03.01.2020

Biologischer Landbau: Grundprinzipien und gute Praxis

Das Dossier erläutert die Grundlagen des Biolandbaus und zeigt auf, wie diese in der Praxis angewendet werden. Die Publikation ist eine wertvolle Informationsquelle für Landwirtinnen und Landwirte mit Interesse an der Umstellung auf biologischen Landbau.

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