Naturland-Zertifizierung

Naturland-Zertifizierung

Hauptgeschäftsstelle Naturland – Verband für ökologischen Landbau e.V.
Kleinhaderner Weg 1, 82166 Gräfelfing
Telefon: +49 (0)89 898082-0
E-Mail: naturland@naturland.de
Web: www.naturland.de

Anzahl Mitglieder, bewirtschafte Waldfläche

Derzeit bewirtschaften deutschlandweit 20 kommunale und private Waldbetriebe eine Waldfläche von knapp 56.000 Hektar – rund 0,5 Prozent der gesamten deutschen Waldfläche – nach den Naturland-Richtlinien. Alle Waldbetriebe sind gleichzeitig auch FSC-zertifiziert.

Besonderheiten

Naturland – vielen bekannter aus dem Ökolandbau – bietet als bislang einziger Ökoanbauverband Deutschlands Richtlinien für die ökologische Waldwirtschaft. Entwickelt wurden diese 1995 gemeinsam mit den Umweltverbänden Greenpeace, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), WWF und Robin Wood. Viele Umweltverbände sehen in den Naturland-Standards die strengsten, die es derzeit für die ökologische Waldwirtschaft gibt. Zertifiziert wird bei Naturland auch die Holverarbeitung.

Ablauf der Zertifizierung

Eine Umstellungsphase, wie in der Landwirtschaft, gibt es für den Wald nicht. Ein Betrieb, der neben der Forstwirtschaft auch Landwirtschaft oder Gartenbau hat, muss diese Bereiche jedoch innerhalb von fünf Jahren umstellen  – im Sinne der Gesamtbetriebsumstellung.
Jeder Waldbetrieb, der zertifiziert werden möchte, wird von Naturland geprüft. Ergeben sich aus der Betriebsprüfung keine Beanstandungen seitens Naturland, kann ein Erzeugervertrag unterzeichnet werden. Von da ab ist die betreffende Waldfläche Naturland-zertifiziert.

Die wichtigsten Naturland-Richtlinien für den Wald

  • Ausweisung von Referenzflächen: Für den wiederkehrenden Vergleich mit den bewirtschafteten Flächen sind unbewirtschaftete Referenzflächen auszuweisen, die die wichtigsten Bestandstypen des Waldbetriebs repräsentieren. Ziel ist es dabei, lokale und standörtliche Informationen über die natürliche Waldentwicklung und damit für die ökologische Waldnutzung zu erhalten. Wälder die überwiegend in öffentlichem Eigentum sind, müssen innerhalb von drei Jahren mindestens 10 Prozent der Waldfläche als Referenzfläche ausweisen. Private Waldbetriebe müssen selbst keine Referenzfläche ausweisen, müssen sich in ihrer Waldnutzung aber an vergleichbaren Referenzflächen orientieren.
  • Kahlschläge sind verboten. Die Nutzung von Erntebäumen erfolgt einzel-stamm-, trupp- oder gruppenweise.
  • Aktiver Anbau standortfremder Bäume ist nicht zulässig.
  • Naturverjüngung ist anzustreben. Pflanzung und Saat bilden die Ausnahme.
  • Wildtierbestände sind von den Forstbetrieben so anzupassen, dass die Verjüngung der Baumarten, die natürlich vorkommen würde, möglich wird.
  • Rückegassen: Der Rückegassenabstand ist so zu wählen, dass nicht mehr als 10 Prozent des Waldbodens (Rückegassenabstand 40 Meter) befahren werden.
  • Biotopholz: Langfristiges Ziel ist ein Anteil an stehendem und liegendem Biotopholz von insgesamt 10 Prozent des Holzvorrates. Dafür müssen einzelne Bäume oder Altholzinseln gekennzeichnet, von einer Nutzung ausgenommen und ihrer natürlichen Alterung überlassen werden.
  • Bodenbearbeitung: Flächiges Befahren, Bodenbearbeitung und Maßnahmen zur Waldbodenentwässerung sind grundsätzlich nicht gestattet. Eine Oberbodenauflockerung (Humusschicht) auf Teilflächen ist nur in begründeten Ausnahmefällen mit Ausnahmegenehmigung möglich.
  • Ganzbaumnutzung, das heißt die Nutzung des gesamten oberirdischen Teiles von Waldbäumen ist nicht zulässig.
  • Pestizideinsatz: Die Ausbringung waldfremder Stoffe ist grundsätzlich verboten. Ausgenommen sind Verbiss-, Fege- und Schälschutzmittel ohne chemisch-synthetische Zusätze.
  • Düngung: Das Ausbringen von Düngern ist nicht zulässig. Eine Ausnahmegenehmigung für Kompensationskalkungen auf Teilflächen jedoch kann beantragt werden.
  • Biotopschutz: Sonderbiotope (zum Beispiel Trockenstandorte, Bruchwaldgesellschaften, Moore, Quellbereiche, Block- und Schluchtenwälder) müssen – über den gesetzlichen Schutz hinaus – erhalten werden. Darüber hinaus müssen seltene Baumarten erhalten werden.
  • Biologisch abbaubares Kettenöl ist vorgeschrieben (nur auf Pflanzenbasis).
  • Gentechnik: Der Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen und Pflanzenteilen ist verboten.
  • Brennholztrockung: Brennholz muss ohne Einsatz fossiler Energie auf natürlichem Wege getrocknet werden.

Vermarktung

Insofern der Waldbetrieb schon 12 Monate vor der Zertifizierung keine unzulässigen Pflanzenschutzmittel und Dünger ausgebracht hat, darf er seine Produkte sofort als Naturland-Produkte kennzeichnen und verkaufen. Falls erst mit Vertragsunterzeichnung auf solche Dünge- und Pflanzenschutzmittel verzichtet wird, muss 12 Monate mit der Naturland-Kennzeichnung gewartet werden.

Zertifizierte Betriebe können Produkte unter dem Naturland-Warenzeichen vermarkten und bewerben. Die Nutzung des Naturland-Zeichens ist im Rahmen einer gesondert zu treffenden Lizenzvereinbarung mit der Naturland-Zeichen GmbH geregelt. Für die Zeichennutzung fallen zusätzliche Lizenzkosten an.
Naturland bietet darüber hinaus eine FSC-Gruppenzertifizierung, unter Organisation der Naturland Fachabteilung Wald und Holz, an. Im Rahmen dieser Gruppenzertifizierung verpflichten sich die teilnehmenden Naturland-Waldbetriebe zur Einhaltung des FSC-Standards und können damit ihr Holz zusätzlich zum Naturland-Siegel mit dem internationalen Gütesiegel des FSC vermarkten.

Kontrollen

Mindestens alle vier Jahre findet eine Betriebskontrolle durch eine unabhängige Kontrollstelle statt. Zusätzlich finden stichprobenartig unangemeldete Kontrollen durch die Naturland Fachabteilung Wald und Holz statt. Jeder Betrieb muss einmal jährlich einen Betriebsmeldebogen mit der Dokumentationen zur Bewirtschaftung an den Naturland-Verband senden.


Letzte Aktualisierung 18.10.2019

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Das Dossier erläutert die Grundlagen des Biolandbaus und zeigt auf, wie diese in der Praxis angewendet werden. Die Publikation ist eine wertvolle Informationsquelle für Landwirtinnen und Landwirte mit Interesse an der Umstellung auf biologischen Landbau.

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