Sauerkirschen

Ökologischer Anbau von Sauerkirschen

Sauerkirschen werden auch im ökologischen Anbau in erster Linie für die Verarbeitung kultiviert. Derzeit werden in Osteuropa und auf dem Balkan immer mehr Sauerkirschflächen umgestellt.

Kulturtechnik

Um den Anbau von Sauerkirschen für die Verarbeitung wirtschaftlich betreiben zu können, ist eine maschinelle Ernte erforderlich. Bei der Wahl der Unterlage und der Pflanzabstände ist dies zu beachten. Bei den Unterlagen kann zwischen Prunus avium, Colt oder Maxma 14 (nach abnehmender Wuchsstärke geordnet) gewählt werden.

In der Regel werden Pflanzabstände von fünf bis sechs mal drei Meter gewählt. Da Sauerkirschen am einjährigen Holz fruchten, ist für ein gutes Wachstum zu sorgen. Es empfiehlt sich, wie bei den anderen Obstbaumkulturen auch, den Baumstreifen durch Bodenbearbeitung offen zu halten, um die Konkurrenz an Nährstoffen und Wasser möglichst gering zu halten. Die Düngung kann durch organische Wirtschafts- oder Handelsdünger erfolgen.

Im Sauerkirschenanbau ist die Spitzendürre, verursacht durch den Pilz Monilia laxa, die mit Abstand gefährlichste Krankheit. Durch Behandlungen mit Kupfer zur Austriebszeit und schwefelsauren Gesteinsmehlen bzw. NeudoVital in der Blütezeit lässt sich im ökologischen Anbau der Befallsdruck etwas reduzieren.

Leider ist die "Schattenmorelle", welche im konventionellen Anbau die stärkste Verbreitung hat, besonders anfällig für Monilia. In vielen Jahren kommt es bei dieser Sorte trotz vorbeugender Maßnahmen zu starkem Befall. Dies führt in der Regel zu großen Ertragsausfällen und einem hohen Zeitaufwand für das Ausschneiden der befallenen Triebe.

Demgegenüber erweisen sich die Sorten "Ungarische Traubige" und "Morina" als sehr widerstandsfähig gegenüber Monilia. Obwohl diese Sorten nur 60 bis 70 Prozent des Ertragspotenzials der Schattenmorelle haben, kann dieser Nachteil durch die höhere Gesundheit wieder ausgeglichen werden.

Eine weitere bedeutende Krankheit ist die Sprühfleckenkrankheit, gegen die die erwähnten Sorten allerdings keine besondere Anfälligkeit aufweisen. Der Befallsdruck kann durch zwei Behandlungen nach der Blüte vermindert werden, und die Blätter bleiben so länger gesund.

Sortenwahl

Mit dem Zwetschgen- und Kirschensortiment muss eine lange Reifeperiode abgedeckt werden. Ferner sind guter Geschmack und eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten von Bedeutung.

Bei Sauerkirschen muss bei der Sortenwahl auf eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen die Monilia-Spitzendürre geachtet werden. Da die Schattenmorelle - welche im konventionellen Anbau die weiteste Verbreitung hat - hier sehr anfällig ist, scheidet sie für Neupflanzungen im ökologischen Obstbau aus. Das Gleiche gilt für die Sorte Vowi.

Eine interessante Sorte ist die ungarische Sorte Ujfehertoi fürtös (Ungarische Traubige). Sie weist zwar nur 60 bis 70 Prozent des Ertrages der Schattenmorelle auf, ist aber sehr robust gegenüber Monilia und Sprühfleckenkrankheit. Eine weitere interessante Sorte ist die Neuzüchtung Morina aus Dresden-Pillnitz. Nur eingeschränkt empfehlenswert ist Gerema. Sie ist zwar sehr ertragreich und relativ robust gegenüber Monilia, weist aber eine sehr hohe Anfälligkeit gegenüber der Sprühfleckenkrankeit auf. Darüber hinaus wächst Gerema sehr schwach, so dass sie für die maschinelle Ernte wenig geeignet ist.

Sauerkirschen sind in der Regel selbstfertil, so dass Befruchtersorten nicht zwingend notwendig sind. Bei schlechten Blühbedingungen wird jedoch auch bei selbstfertilen Sorten durch die Anwesenheit von Befruchtern der Fruchtansatz verbessert.


Letzte Aktualisierung 03.09.2015

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