Weizen

Ökologischer Weizenanbau

Die ökologische Anbaufläche von Weizen betrug 2016 in Deutschland etwa 63.000 Hektar (2015: 58.000 Hektar). Zusammen mit dem verwandten Spelzweizen (Dinkel) ist Weizen wie im konventionellen Anbau die Getreideart mit dem größten Anbauumfang.

Ökoweizen ist eine auf hohem Mengenniveau gut vermarktbare Kultur. Insbesondere gilt dies für qualitativ hochwertige Partien von Backweizen, die in der Erzeugung nicht immer sicher zu erzielen sind. Weiterer wichtiger Vermarktungsweg ist die Verwertung als Futterweizen. Von geringerer Bedeutung dagegen ist die Nutzung als Brauweizen und zur Flocken- und Keksherstellung. Neben dem Anbau von Weichweizen (triticum aestivum) hat in wenigen klimatisch bevorzugten Gegenden der Anbau von Hartweizen (triticum durum) eine gewisse Bedeutung.

Standort

Weizen braucht tiefgründige, nährstoffreiche, lehmige Böden mit guter Wasserversorgung. Besonders die Erzeugung von ökologischem Qualitätsweizen stellt deswegen tendenziell höhere Ansprüche an den Boden als im konventionellen System. Weizen kann zwar auch auf leichteren Standorten angebaut werden, ist dort aber im Ertrag Roggen und Triticale unterlegen. Vor allem Backweizenqualität lässt sich auf leichten Böden kaum erreichen.

Fruchtfolge

Von allen Getreidearten beansprucht der Weizen die günstigste Fruchtfolgestellung. Er steht vorzugsweise nach Futter- oder Körnerleguminosen, oder nach Hackfrüchten wie Kartoffeln, Zuckerrüben und Feldgemüse. Weizen ist selbstunverträglich. Auch der Anbau nach Getreide ist aufgrund von Fußkrankheiten und Qualitätsproblemen bei Backweizen nur in Ausnahmefällen sinnvoll. Eine vierjährige Anbaupause ist ratsam.

Saat

Die Saatzeit sollte im ortsüblichen Rahmen liegen. Eine frühere Saat bringt in der Regel ertragliche Vorteile, geht aber oft  zu Lasten der Qualität. Ein späterer Saatzeitpunkt  verringert den Pilz- und Unkrautdruck geringfügig, ist aber mit einem höheren Auswinterungsrisiko verbunden.

Die Saatstärke von Winterweizen liegt bei 300 bis 450 Körnern und bei Sommerweizen bei 350 bis 450 Körnern pro Quadratmeter. Je nach betrieblichen Bedingungen ist die zum Teil deutlich geringere Bestockung zu berücksichtigen, so dass die standortangepasste optimale Bestandsdichte relativ stärker über Aussaatmenge und -zeitpunkt bestimmt werden muss. 

Zur besseren Absicherung eines optimalen Feldaufgangs sollte nur getestetes Saatgut (Kalttest, Steinbranduntersuchung) verwendet werden.

Saattiefe, Walzen: HIer gibt es  keine grundsätzlichen Unterschiede zu den konventionellen Erfahrungen, außer, dass Walzen "Spuren" für die mechanische Unkrautregulierung hinterlässt).

Die Aussaatmenge kann geringer sein als im konventionellen Landbau üblich und liegt etwa bei 150 bis 220 Kilogramm pro Hektar. Bei Spätsaaten nach Mitte Oktober sind entsprechende Saatgutzuschläge zu machen. Übliche Werte von 10 bis 16 Zentimetern Reihenabstand ermöglichen eine gleichmäßige Standraumverteilung der Einzelpflanzen. Beim Anbau von Backweizen und/oder speziellen Standorteigenschaften wie schweren Böden mit entsprechender Verunkrautung (zum Beispiel Ackerfuchsschwanz) sind auch Anbausysteme mit weiterem Reihenabstand möglich, bei denen zwischen den Reihen gehackt oder gemulcht wird. Über eine Reduzierung des Ertrages beziehungsweise eine zusätzliche Mineralisation wird eine Verbesserung der Backqualität angestrebt. Außerdem bietet die Hacke mehr Möglichkeiten zur mechanischen Unkrautregulierung unter schwierigeren Bedingungen.

Sortenwahl

Sorten mit höherer Sicherheit, um die geforderte Backqualität (11,5 Prozent Rohprotein, 24 Prozent Kleber) zu erzielen sind in der Regel ertragsschwächere E-Weizen, wie zum Beispiel bei Winterweizen Akteur, Achat, Astardo, Bussard, Capo, Estevan, Skagen und bei Sommerweizen Combi, Eminent, Fasan und Thasos. Hinzu kommt aus dem A Segment die langjährig bewährte Sorte Naturastar.

Sorten, die nur im Ausnahmefall Backqualität erreichen können, sind in der Regel ertragsstarke E-Weizen und A-Weizen, z.B. Altos, Ludwig, Petrus. Sorten für Futter- und Brauzwecke sind in der Regel sogenannte Low-input-Sorten aus dem A-Segment bzw. ertragsstarke B- und C-Sorten, z.B. Pegassos, Aristos, Asketis, Romanus, Certo, Centrum. Grundsätzlich wird empfohlen, eine regional versierte und aktuell kompetente Sortenberatung zu Rate zu ziehen.

Düngung

Die Vorfrüchte  liefern beim Weizenanbau den Stickstoff. Sofern vorhanden, kann eine Düngung mit Stallmist, Gülle, Jauche oder anderen organischen Düngern erfolgen. Ein Düngetermin im zeitigen Frühjahr unterstützt den Ertrag, ein späterer Termin die Backqualität. Weitere Düngemaßnahmen (Kalium, Phosphor) sollten im Rahmen der Fruchtfolge auf Basis einer Bodenuntersuchung erfolgen.

Unkrautregulierung

Ein Großteil der verfügbaren Sorten hat eine ausreichende Konkurrenzkraft gegen Unkraut, so dass in der Regel zwei Durchgänge mit dem Striegel ausreichen. Ein erster Striegeldurchgang erfolgt möglichst zeitig ab dem Drei- bis Vier-Blatt-Stadium, ein zweiter drei bis vier Wochen später. In Einzelfällen kann in späteren Stadien das Klettenlabkraut "herausgekämmt" werden. Bei geplanter Untersaat sollte der letzte Striegeldurchgang vorverlegt werden. Bei verstärktem Auftreten von Herbstunkräutern und Gräsern wie Ackerfuchsschwanz sollte  Sommerweizen statt Winterweizen angebaut werden. Hier kann gegebenenfalls auch die Hacke zur Unkrautregulierung eingesetzt werden.

Krankheiten und Schädlinge

Der Pilzbefall unterscheidet sich im ökologischen Anbau erheblich vom Befall im konventionellen Weizenanbau:

  • Echter Mehltau tritt nur selten auf, meist bei überzogener Düngung.
  • Spelzenbräune kann über die Sortenwahl relativ gut kontrolliert werden.
  • DTR-Blattdürre hat je nach Standort eine sehr große Bedeutung, besonders auf schwächeren Standorten. Hier sind kaum Sorten mit ausreichenden Resistenzeigenschaften erhältlich.
  • Fusarien: Fusarienbefall tritt nur vereinzelt auf je nach Witterungsverlauf. Sortenunterschiede  sollten aber genutzt werden.
  • Braunrost und Gelbrost treten in gefährdeten Gebieten beziehungsweise bei entsprechendem Witterungsverlauf auf. Anfällige Sorten sollten auf gefährdeten Standorten vermieden werden.
  • Fußkrankheiten (Halmbruch, Schwarzbeinigkeit, Rhizoctonia) sind in getreidestarken Fruchtfolgen und milden Wintern problematisch.
  • Samenbürtige Krankheiten (Steinbrand, Zwergsteinbrand): Es sollte kontrolliertes Saatgut eingesetzt werden, das auf Brandsporen geprüft wurde. Auch der eigene Nachbau muss entsprechend kontrolliert werden.
  • In einigen Regionen können die Weizenhalmfliege (bei Sommerweizen), Blattläuse und die Fritfliege Probleme bereiten.
  • Informationen zu den Schadorganismen

Besonderheiten

Zur Absicherung der geforderten Qualitäten kann ein Wechsel von Winterweizen zu Sommerweizen sinnvoll sein.


Aus der Forschung - für die Praxis

Im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) werden zahlreiche Forschungsprojekte durchgeführt.


Letzte Aktualisierung 15.04.2018

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