Roggen

Ökologischer Roggenanbau

Roggen ist mit knapp 50.000 Hektar Anbaufläche (2015) nach Weizen die wichtigste Getreidekultur im ökologischen Landbau. Er spielt auch in den Fruchtfolgen des ökologischen Anbaus eine wichtige Rolle, insbesondere auf schwächeren Standorten.

Das Absatzpotenzial am Ökomarkt ist jedoch aufgrund der Konsumgewohnheiten klar begrenzt. Die Verwertung erfolgt praktisch ausschließlich als Backroggen. Voraussetzung ist, dass die Qualitätsansprüche erfüllt werden (Fallzahl: >120; Verkleisterungstemperatur > 63 Grad; Schrot-Amylogramm > 270; Hektolitergewicht >70 kg/hl; wichtig: frei von Mutterkorn). Der Futterwert und der Anteil in Futterrationen ist für Rinder und Schweine (bis zu 50 Prozent in der Ration) höher, als oft angenommen wird. Die Vermarktung als Futterroggen ist jedoch wegen deutlich geringerer Erlöse nur begrenzt möglich.

Standort

Roggen ist eine der genügsamsten Getreidearten. Er ist überwiegend selbstverträglich und kommt bei geringerem Ertragsniveau auch mit schwachen, sandigen, kalten oder höher gelegenen Standorten und schlechter Kalkversorgung (bis pH-Wert fünf) klar. Bei schweren Böden und kalten, nassen Frühjahren kann es zu Problemen kommen. Roggen verträgt aufgrund eines ausgeprägten Wurzelwerkes und einer früheren Abreife Sommertrockenheit besser als Weizen.

Fruchtfolge

Durch den langen Wuchs und seine Genügsamkeit steht der Roggen in der Regel als abtragendes Glied in der Fruchtfolge. Er kommt auch mit höherem Unkrautdruck gut zurecht. Das Einbringen eines Kleegemenges als Untersaat ist im Roggen möglich.

Saat

Eine zeitige Aussaat führt zu einer ausreichenden Bestockung im Herbst, so dass Roggen wie erwünscht mit zwei, drei oder vier kräftigen Trieben gut entwickelt in den Winter gehen kann. Eine spätere Aussaat hat tendenziell weniger Herbstverunkrautung zur Folge, erhöhrt aber auch das Risiko von Ertragsverlusten durch eine unzureichende Vorwinterentwicklung. Ortsübliche Aussaattermine liegen je nach Standort in der Zeit vom 15. September bis 15. Oktober. Bei früher Saat kann eventuell abhängig vom Standort noch im Herbst gestriegelt werden.

DieSaatmenge liegt je nach Standort und Tausendkorngewicht (ca. 28 bis 40 g) bei 90 bis 180 Kilogramm je Hektar. Bei Hybridsorten kann die Aussaatmenge um etwa 20 Prozent reduziert werden. Allgemein ist bei ungünstigen Aussaatbedingungen und späterer Saat eine Aussaatmengenerhöhung um zehn Prozent sinnvoll.

Saattermine und Saatmengen für Roggen
StandortSaatterminSaatmenge
(Körner pro m2)
leichte Standorte15. Sep bis 05. Okt  250 - 300
mittlere Böden
über 400 m Höhe
20. Sep bis 10. Okt  
15. Sep bis 05. Okt 
270 - 320
300 - 350
gute Böden20. Sep bis 15. Okt270 - 320

Die Verwendung von Saatgut mit hoher Keimfähigkeit ist vor allem bei erschwerten Bedingungen (Kalttest)  unbedingt zu beachten. Zertifiziertes Ökosaatgut verfügt über eine entsprechende Keimfähigkeit und muss bei Hybridroggen verwendet werden. Nachbau ist grundsätzlich möglich, hat aber Mindererträge zur Folge. Bei Populationssorten kann nachgebaut werden. Es empfiehlt sich aber auch hier die Verwendung zertifizierten Saatguts, da es bei Roggen als Fremdbefruchter durch Nachbarfelder und Feldraine zu unerwünschter Bestäubung kommen kann und sich damit die Leistungsfähigkeit der Sorte möglicherweise reduziert.

Saattiefe, Reihenabstand, Walzen:Roggen sollte flach, das heißt ein bis drei Zentimeter tief, in ein gut abgesetztes, rückverfestigtes Saatbett ausgesät werden. Bewährte Reihenabstände liegen bei neun bis zwölf Zentimetern. Damit wird die optimale Standraumverteilung erreicht. Wichtig ist auch ein Anwalzen im Frühjahr, wenn im Winter die Böden hochgefroren sind.

Sortenwahl

Für den ökologischen Anbau sind neben dem Ertrag auch Standfestigkeit bei maximaler Länge, Auswuchsfestigkeit und eine geringe Neigung zur Mutterkornbildung entscheidend.

Hybridsorten bringen gegenüber Populationssorten sieben bis 16 Prozent Mehrertrag. Sie haben tendenziell eine höhere Neigung zu Mutterkorn und benötigen bessere Standorte, die ihrem Potenzial gerecht werden. Das Saatgut ist erheblich teurer, die Saatmenge wird aber etwas reduziert. Zur besseren Bestäubung sollten mindestes zehn Prozent Populationssortensaatgut (möglichst länger als der Hybride und mit gleichem Blühzeitpunkt) zugemischt werden. Eine Umrandung des Schlages mit Populationssaatgut ist zusätzlich denkbar.

Gängige Sorten für den ökologischen Anbau (Stand: 2009)
  • Hybridsorten: Visello, Askari, Rasant
  • Populationssorten: Conduct, Ducato, Matador, Amilo, Recrut
  • Synthetische Sorten: Carotop, Cantor, Kapitän

Auf schwächeren Standorten sind Populationssorten nach wie vor die richtige Wahl. Neu am Markt sind synthetisch hergestellte Sorten. Sie basieren auf Linien aus der Hybridsortenzüchtung und liegen im Ertragsniveau zwischen Populations- und Hybridsorten.

Düngung

Trotz seiner Genügsamkeit ist Roggen ein dankbarer Verwerter von mäßigen Stickstoffgaben. Diese sollten bevorzugt im zeitigen Frühjahr in Form von Gülle oder Jauche ausgebracht werden. Mistgaben im Herbst sind aus Sicht der Stickstoffverwertbarkeit nicht zu empfehlen.

Unkrautregulierung

Roggen ist die Getreideart, die am ehesten mit hohem Unkrautdruck zurecht kommen kann. Bedingt durch gute Winterhärte, einem zügigen Wachstum auch bei geringen Temperaturen im Frühjahr und durch seine Länge hat Unkraut wenig Chancen.

Wenn ein Striegeleinsatz erfolgt, ist dieser mit Vorsicht auszuführen (besonders bei Nachtfrösten), da die Bestockungsknoten dicht unter der Ackeroberfläche liegen. Es wird in der Regel ein- bis maximal zweimal um den Bestockungszeitpunkt herum gestriegelt. Die Pflanzen sollten aber immer mindestens drei kräftige Blätter aufweisen. Ein Unkrautkämmen vor dem Ährenschieben ist ebenfalls möglich. Allerdings muss dabei der Nutzen gegenüber möglichen Schäden gut abgewogen werden.

Krankheiten und Schädlinge

Die hohe Widerstandsfähigkeit von Roggen erstreckt sich auch auf Krankheiten. Schneeschimmel und Roste können vor allem bei früher Saat, in gefährdeten Lagen oder durch die Sortenwahl hin und wieder Probleme bereiten.

Ein weiteres Problem kann Mutterkornbefall sein. Mangelnde Bestäubung bei der offenen Blüte ist die häufigste Ursache für ein verstärktes Auftreten. Dies ist sorten- aber mehr noch wetterabhängig. Eine trockene Witterung in der Blütezeit (8 bis 10 Tage) erlaubt eine bessere Bestäubung, eine feuchte beziehungsweise nasse dagegen erschwert dies und damit das Risiko für ein Infektion. Tendenziell nimmt die Anfälligkeit in der Reihenfolge Populations-, Hybridsorten und synthetische Sorten zu.

Maßnahmen zur Reduzierung von Mutterkorninfektion:

  • Zehn Prozent Populationssorten bei Hybridroggen zusetzen und Feldränder mit Populationssorten ausstellen.
  • Zwiewuchs und damit verlängerte Blüte sollten durch Vermeidung von Bodenverdichtung und ungleichmäßigen Beständen verhindert werden. Fahrgassen zum Striegeln sollten so angelegt sein, dass ein Zwiewuchs ausgeschlossen ist. Auch späte Stickstoffgaben können zu einer Blühzeitverlängerung führen.
  • Extrem dünne Bestände vermeiden, da dies zu verspätet abblühenden Nebentrieben führen kann (Standort-angepasste Bestandsdichte)
  • Andere Gräserarten an Wegrändern und Feldrainen können Mutterkorninfektion auslösen. Daher ist ein Pflegeschnitt von Randstreifen unter Berücksichtigung des Arten- und Biotopschutzes eine weitere Möglichkeit zur Infektionsvermeidung.
  • Der Einsatz des Pfluges, wie im ökologischen Landbau üblich, ist für das Vergraben der Sporen eine entscheidende Maßnahme und damit unbedingt zu empfehlen.

Schadinsekten sind im Regelfall kein Problem. Blattläuse können hin und wieder auftreten. Die Schäden sind aber in der Regel überschaubar bis gering. Die Halmfliege ist bei Beachtung der Fruchtfolge ebenfalls kein Thema.

Besonderheiten

Die Auswuchsneigung von Roggen, bedingt durch die kurze oder fast nicht vorhandene Keimruhe, führt bei feuchten Bedingungen zur Abreife und meist unmittelbar zu Qualitätsverlusten. Die rechtzeitige Ernte stehender Beständen ist wichtig. Je nach Witterungsverlauf in der Ernte kann es empfehlenswert sein, den Roggen bereits mit 18 bis 20 Prozent Feuchte zu ernten und schonend herunterzutrocknen, um  Fallzahlen und Backqualitäten zu sichern.


Aus der Forschung - für die Praxis

Im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) werden zahlreiche Forschungsprojekte durchgeführt.

Letzte Aktualisierung 08.05.2018

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