Pseudogetreide

√Ėkologischer Anbau von Pseudogetreide: Amarant, Quinoa und Buchweizen

Amarant (Amaranthus sp.), Quinoa oder Reismelde (Chenopodium sp.) und Buchweizen (Fagopyrum sp.) z√§hlen zu den so genannten Pseudogetreidearten: Obwohl das kohlenhydratreiche Korngut dieser Arten oft √§hnlich verwendet und verarbeitet wird wie Getreide, unterscheiden sich die Pflanzen aus botanischer Sicht deutlich vom Getreide: W√§hrend alle Getreidearten zur Familie der S√ľ√ügr√§ser (Gramineae) geh√∂ren und einkeimbl√§ttrige Pflanzen sind, stammen die Pseudogetreidearten aus unterschiedlichen Pflanzenfamilien und sind zweikeimbl√§ttrige Pflanzen.

Amarant ist ein Fuchsschwanzgew√§chs (Familie Amarantheceae), Quinoa ein G√§nsefu√ügew√§chs (Familie Chenopodiaceae) und Buchweizen ein Kn√∂terichgew√§chs (Familie Polygonaceae). Auch aus ern√§hrungsphysiologischer Sicht gibt es entscheidende Unterschiede: Die Pseudogetreide bilden im Vergleich zum Getreide nur sehr geringe Mengen an getreidetypischen Speicherproteinen und an Gluten. Deshalb sind Pseudogetreide-Produkte insbesondere f√ľr Personen, die an Z√∂liakie und Glutenunvertr√§glichkeit leiden, interessant. Insbesondere im Naturkosthandel werden spezielle Produkte aus Pseudogetreide angeboten, sodass die Vermarktungs- und Verarbeitungsm√∂glichkeiten prinzipiell gegeben sind. F√ľr den √Ėkoanbau sind Pseudogetreide auch deshalb interessant, weil sie eine Bereicherung f√ľr die Fruchtfolge darstellen k√∂nnen und zudem als selbstvertr√§glich gelten.

Amarant ‚Äď f√ľr die besseren Klimalagen

Amarant ist eine sehr alte Kulturpflanze, die urspr√ľnglich aus S√ľd- und Mittelamerika stammt. Entsprechend w√§rmebed√ľrftig ist diese Kultur, sie sollte nur in den besseren Klimalagen angebaut werden. Daneben ist sie auch durch einen mehr oder weniger ausgepr√§gten Kurztagescharakter und eine sp√§te Abreife gekennzeichnet.

Es gibt drei Amarant-Arten die zur K√∂rnernutzung geeignet sind. Insgesamt sind weltweit mehr als 1200 Sorten bekannt, deren Anspr√ľche aber noch wenig erforscht sind. In √Ėsterreich wird Amarant derzeit z√ľchterisch bearbeitet; dabei ist der fr√ľhreife Zuchtstamm "Neuer Typ" entstanden, der dort vorwiegend verwendet wird. An den Boden stellt Amarant wenig Anspr√ľche; optimal sind leichte B√∂den mit guter Wasserf√ľhrung und geringer N√§herstoffversorgung. Empfindlich reagiert Amarant auf verschl√§mmte und ausgetrocknete Bodenoberfl√§chen sowie auf Fr√∂ste. Ausges√§t wird Amarant nach den letzten Fr√∂sten von Ende April bis Mitte Mai. Da das Tausendkorngewicht sehr gering ist (rund ein Gramm), hat sich die flache Aussaat per Einzelkorns√§maschine bew√§hrt. Der Reihenabstand richtet sich vor allem nach der vorhandenen Hacktechnik, da die Unkrautregulierung ein Knackpunkt beim Amarantanbau ist. Bis zu drei Hackdurchg√§nge sind beim Anbau n√∂tig. Bereits bei der Standortwahl sollte deshalb auch auf einen geringen Unkrautdruck geachtet werden. Besonderheiten des Amarants sind sein geringer Wasserbedarf bei der Kornreife und die effektive Nutzung des Mineralstoffangebots aus dem Boden. Je nach Sorte betr√§gt die Vegetationsdauer zwischen 120 und 150 Tagen. Geerntet wird mit √ľblicher M√§hdruschtechnik zwischen Ende August und Ende September. Fr√ľher Frost kann die Samenreife f√∂rdern. Die Pflanzen sollten m√∂glichst trocken geerntet werden, ideal sind Feuchtigkeitsgehalte von unter 35 Prozent. Nach der Ernte ist eine Nachtrockung und Reinigung unbedingt erforderlich.

Quinoa ‚Äď widersteht K√§lte und Trockenstress

Auch Quinoa stammt urspr√ľnglich aus S√ľdamerika, kommt aber im Gegensatz zu Amarant mit niedrigeren Temperaturen zurecht und ist begrenzt frosttolerant. Sie gedeiht auch auf n√§hrstoffarmen, steinigen B√∂den und ist somit auch f√ľr den Anbau auf Grenzstandorten geeignet. Aufgelaufene Best√§nde setzen ihr zun√§chst langsames Wachstum auch unter feucht-k√ľhlen Fr√ľhjahresbedingungen fort. Je nach Sorte betr√§gt die Vegetationsdauer von Quinoa zwischen 120 und 210 Tagen. W√§hrend staunasse und verdichtete Standorte aufgrund der geringen K√∂rngr√∂√üe zu meiden sind, ist Quinoa wegen ihrer tiefen Durchwurzelung und physiologischen Anpassungen nach dem Auflaufen relativ trockenstressresistent. Zum Auflaufen ben√∂tigt Quinoa wie Amarant ausreichend Feuchtigkeit, da das Saatgut flach abgelegt wird und die Pflanze √ľberirdisch (epig√§isch) keimt. Auch bei Quinoa wird der Reihenabstand durch die vorhandene Hacktechnik bestimmt.

Bei der Sortenwahl sollte auch der Saponingehalt beachtet werden. Quinoa hat in der Regel einen hohen Gehalt an Saponinen. Durch Waschen im Wasserbad oder durch Polieren der Körner können diese Bitterstoffe reduziert werden. Es gibt auch saponinarme Sorten, die aber häufig weniger ertragsstabil sind.

Buchweizen ‚Äď anspruchsloser Bodenverbesserer

Bereits im 13. Jahrhundert wurde in Deutschland neben den √ľblichen Getreidearten Buchweizen angebaut, insbesondere als L√ľckenb√ľ√üer auf sandigen und moorigen B√∂den sowie als Pionierpflanze nach Brandrodung oder auf Heidemoorfl√§chen.

Buchweizen weist eine relativ hohe S√§urefestigkeit auf und ist f√ľr Bienen eine gern besuchte Futterquelle. Auch bei der Nematodenbek√§mpfung zeigt Buchweizen positive Wirkungen, denn durch den Buchweizenanbau wird der Entwicklungszyklus der Nematoden durchbrochen. Neben der Kornnutzung kann Buchweizen auch als Zwischenfrucht zur Gr√ľnnutzung verwendet werden. Dabei dient der Buchweizen als Stickstofff√§nger und bietet einen guten Erosionsschutz. Leichte B√∂den stellen einen optimalen Standort f√ľr Buchweizen dar. Auch auf schweren B√∂den ist der Anbau m√∂glich, diese sollten jedoch locker, nicht zu feucht und nicht verdichtet sein. Zur Saat sollte der Standort warm und nicht f√ľr Fr√ľhfr√∂ste gef√§hrdet sein. Der Aussaatzeitpunkt richtet sich nach der Nutzung: Zur Kornnutzung wird Mitte Mai ausges√§t (Bodentemperatur mindestens 10¬įC), zur Zwischenfruchtnutzung erfolgt die Aussaat Anfang Juli bis Mitte August. Ausges√§t werden zur Kornnutzung etwa 125 K√∂rner pro Quadratmeter , zur Zwischenfruchtnutzung etwa 300 K√∂rner. Auch Buchweizen wird mit einer Saattiefe von zwei bis drei Zentimetern flach ausges√§t. Die Ernte erfolgt von Anfang und Mitte August. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Mehrzahl der K√∂rner an den Zweigspitzen die Reifef√§rbung aufweisen. Eine Tocknung der K√∂rner ist in der Regel n√∂tig.

F√ľr alle Pseudogetreidearten gilt, dass zwar eine gewisse Nachfrage vorhanden ist, diese bisher aber gro√üteils durch Importe aus Osteuropa und S√ľdamerika gedeckt wird. F√ľr den Anbau dieser Nischenfr√ľchte sind also Abnahmevertr√§ge unerl√§sslich, um die Abnahme sicherzustellen. Au√üerdem sollte der Einstieg mit relativ geringen Fl√§chen erfolgen und der Anbau sowie der Umgang mit den speziellen Anforderungen (z.B. Trocknung) gut geplant werden.


Letzte Aktualisierung 08.05.2018

Nach oben