Gerste

├ľkologischer Gersteanbau

Der Stellenwert von Winter- beziehungsweise Sommergerste im ├Âkologischen Landbau leitet sich insbesondere im Marktfruchtbau vom notwendigen Fruchtwechsel zwischen den Getreidearten sowie zwischen Sommer- und Winterungen ab. Die Anbaufl├Ąche f├╝r Biogerste betrug im Jahr 2015 knapp 23.500 Hektar.

Ein im Vergleich zu anderen Getreidearten eher unterdurchschnittliches Ertragspotenzial und die bei Braugerste h├Âheren Qualit├Ątsrisiken, werden von den geringen Anspr├╝chen an Standort und N├Ąhrstoffversorgung nicht immer wettgemacht.

Sommergerste wird f├╝r Brauzwecke sowie als Futter- und Speiseware angebaut. Werden bei Sommergeste gute Brauqualit├Ąten erreicht (Eiwei├čgehalt < 11,5 Prozent, hoher Vollgerstenanteil mit gut ausgebildetem Korn und feiner Spelze, hohe Keimf├Ąhigkeit, frei von Besch├Ądigungen und Fremdger├╝chen), l├Ąsst sich die Ware gut vermarkten.

Wintergerste wird dagegen in der Regel im eigenen Betrieb verf├╝ttert. Marktfruchtbetrieben produzieren Wintergerste meist ├╝ber Erzeugergemeinsschaften, um sie an Futtermittelhersteller zu vermarkten. Mit Ausdehnung der Schweinehaltung wird der Bedarf an Futtergerste weiter steigen.

Standort

Sommergerste besitzt eine relativ breite Anbaueignung und gedeiht auch auf schw├Ącheren Standorten, allerdings mit geringeren Ertr├Ągen. Entscheidend f├╝r den Anbauerfolg ist unter anderem die fr├╝he Befahrbarkeit der B├Âden. Eine zeitige Saat ohne Struktursch├Ąden muss sichergestellt sein.

Auf Staun├Ąsse, schlechte Durchl├╝ftung und Verdichtungen reagiert Braugerste sehr empfindlich. Eine gute Bodenstruktur, erg├Ąnzt durch eine ausreichende Kalkversorgung, ist daher besonders wichtig.

B├Âden mit gutem N├Ąhrstoffangebot, insbesondere in der Jugendphase sind Voraussetzung f├╝r gute Brauqualit├Ąten. Lehmige und tiefgr├╝ndige B├Âden setzen vor allem in k├╝hleren Lagen Stickstoff aus organischer Substanz langsam und kontinuierlich frei. Insbesondere in Betrieben mit h├Âherem Viehbesatz und/oder starkem Kleegrasanbau muss auf solchen Standorten bei h├Âheren Bodentemperaturen, ausreichender Bodenfeuchte und guter Durchl├╝ftung mit einer hohen Stickstoffnachlieferung gerechnet werden. Ein schwer kalkulierbarer Stickstofffluss mit dem Risiko zu hoher Eiwei├čgehalte ist die Folge. Sandige oder flachgr├╝ndige und humusreiche B├Âden bieten bessere Voraussetzungen. In w├Ąrmeren Lagen mineralisieren sie den vorhandenen Stickstoff aus organischer Substanz relativ schnell, aber nicht besonders lang anhaltend.

Die Kunst des erfolgreichen Anbaus von Braugerste besteht vor allem darin, alle anbautechnischen Ma├čnahmen optimal auf die Gegebenheiten des Standortes abzustimmen.

Fruchtfolge

Wintergerste hat den Nachteil, dass sie au├čer in Gunstlagen bis sp├Ątestens Ende September im Boden sein muss, da sonst die Gefahr der Auswinterung steigt. Vorfr├╝chte m├╝ssen deshalb fr├╝h r├Ąumen. Die fr├╝he Bestellung kann jedoch Probleme durch hohen Unkrautdruck vor dem Winter bereiten.

Ein gro├čer Vorzug von Sommergerste ist ihre Flexibilit├Ąt bez├╝glich der Standortwahl und der Stellung in der Fruchtfolge. In der Praxis findet sie ihren Platz oft in zweiter oder dritter Tracht einer Abfolge von Marktfr├╝chten und steht meist nach Wintergetreide. Bisweilen ist die Stickstoffverf├╝gbarkeit unter diesen Bedingungen eingeschr├Ąnkt. Sommergerste dankt jedoch eine Vorfrucht, die ihr f├╝r eine optimale Jugendentwicklung und Bestandesdichtebildung gen├╝gend Stickstoff zur Verf├╝gung stellt.

Auf B├Âden mit hoher Umsetzungsaktivit├Ąt kann eine nicht zu w├╝chsige Gr├╝nd├╝ngung Vorteile bringen, die im Sp├Ątherbst eingearbeitet wird. Vor allem Kartoffeln sind aufgrund der Bodenstruktur eine g├╝nstige Vorfrucht. Kombiniert mit einer Feldfutter/Kleegemenge-Untersaat ist Sommergerste auch als abtragende Frucht gut platziert, da sie der Untersaat ideale Voraussetzungen bietet.

Saat

Sommergerste hat ein relativ schwaches und vor allem empfindliches Wurzelwerk und ben├Âtigt deshalb einen gut durchwurzelbaren Oberboden ohne Verdichtungen. Trockene Grundbodenbearbeitung geh├Ârt daher wirchtig f├╝r einen erfolgreichen Gerstenanbau, genauso wie das Aufbrechen vorhandener Verdichtungen im Pflugsohlenbereich. Im Regelfall ist eine sorgf├Ąltige, nicht zu flache Herbstfurche allen anderen Bearbeitungsvarianten vorzuziehen. Eine Fr├╝hjahrsfurche zieht besonders auf leichteren B├Âden oft eine zu knappe Wasserversorgung nach sich.

Die Aussaat erfolgt bei abgetrockneten B├Âden und feinem Saatbett ab Mitte M├Ąrz bis Mitte April. Da Sommergerste nur bedingt frostempfindlich ist, w├Ąre eine Saat im M├Ąrz aus ertraglicher Sicht zu empfehlen. Im Zweifelsfall gilt jedoch "trocken vor fr├╝h". Keine Getreideart reagiert empfindlicher auf Bearbeitungsfehler als Gerste. Die Saatbettbereitung ist schonend mit m├Âglichst wenig Bodendruck durchzuf├╝hren. Zur besseren Durchl├╝ftung ist eine tendenziell tiefere Saatbettbereitung sinnvoll.

Beste Auflaufbedingungen vorausgesetzt, reichen die sorten- und gegendtypischen Saatst├Ąrken von meist 330 bis 350 keimf├Ąhigen K├Ârnern je Quadratmeter aus. Etwas h├Âhere Saatst├Ąrken (380 bis 400 K├Ârner/Quadratmeter) wirken sich bei regelm├Ą├čig zu knappen Bestandesdichten eher positiv aus. D├╝nnsaaten sind im System ├Âkologischer Landbau nur mit gro├čer Vorsicht zu empfehlen.

Wie bei allen Druschfr├╝chten wird die Verwendung von Saatgut mit hoher Keimf├Ąhigkeit auch bei erschwerten Bedingungen (Kalttest) unbedingt empfohlen und auf zertifiziertes ├ľkosaatgut oder entsprechend getesteten Nachbau verwiesen.

Die anzustrebende Ablagetiefe in das feinkr├╝melige, abgesetzte Saatbett liegt bei zwei bis drei Zentimetern. Die ├╝blichen Reihenabst├Ąnde von neun bis zw├Âlf Zentimetern sind ohne Alternative. Um einen schnellen Feldaufgang zu gew├Ąhrleisten, ist ein Anwalzen aufgrund der intensiven Saatbettbereitung oft zwingend.

Sortenwahl

In den Bundesl├Ąndern werden j├Ąhrlich verschiedene Sorten unterschiedlicher Kulturarten getestet. Dabei werden (zum Teil) auch Versuche auf ├ľkobetrieben durchgef├╝hrt. Unter den folgenden Links finden Sie die jeweiligen Webseiten, auf der Versuchsergebnisse f├╝r verschiedene Kulturen ver├Âffentlicht werden.

D├╝ngung

Das Ziel, mit einer guten Stickstoffversorgung im Fr├╝hjahr ausreichende Bestandesdichten zu erreichen, kann in viehhaltenden Betrieben durch G├╝lle oder Jauche unterst├╝tzt werden. Bei d├╝nnen Best├Ąnden kann mit 10 bis 20 Kubikmetern G├╝lle, die vor der Saat eingearbeitet werden, die Bestandesdichte gef├Ârdert werden. Stallmist- oder Kompostd├╝ngung ist wegen des schwer absch├Ątzbaren Mineralisierungsverhaltens bei Braugerste zu vermeiden.

Unkrautregulierung

Gerste verf├╝gt ├╝ber eine relativ geringe Konkurrenzkraft und reagiert besonders bei sch├╝ttenden B├Âden auch noch im Drei-Blatt-Stadium empfindlich auf das Striegeln.

Wintergerste wird im Fr├╝hjahr gestriegelt, um den Beikrautbesatz einzud├Ąmmen. Um Sch├Ąden zu vermeiden, striegeln viele Betriebe Sommergerste im Vorauflauf und dann erst wieder ab Bestockungsbeginn. Intensive mechanische Unkrautbek├Ąmpfung, insbesondere sp├Ątes Hacken, sollte noch vor dem Zwei-Knoten-Stadium abgeschlossen sein, um unerw├╝nschte Stickstofffreisetzungen sowie Zwiewuchs zu vermeiden. Bei starkem Flughaferdruck ist der Anbau von Sommergerste nicht zu empfehlen.

Krankheiten

Aufgrund der niedrigen Stickstoffversorgung ist der Infektionsdruck bei Gerste allgemein gering. Allerdings ist vor allem Braugerste bei ung├╝nstiger Witterung anf├Ąllig gegen├╝ber einzelnen Pilzkrankheiten, die eine schwache Kornausbildung und erh├Âhte Eiwei├čgehalte nach sich ziehen k├Ânnen. Eine erh├Âhte Anf├Ąlligkeit besteht gegen├╝ber Netzflecken bei feucht-warmer Witterung, Rhynchosporium-Blattflecken bei feucht-k├╝hler Witterung und seltener Mehltau bei Trockenheitsstress. Gerade im ├Âkologischen Landbau ist daher auf blattgesunde Sorten und auf Verwendung von gesundem Saatgut zu achten.

Besonderheiten

Da chemischer Pflanzenschutz und Minerald├╝ngung laut EU-Rechtsvorschriften f├╝r den ├Âkologischen Landbau nicht erlaubt sind, wird im ├Âkologischen Landbau mit allen klassischen, ackerbaulichen Ma├čnahmen die Basis f├╝r Ertrag und Qualit├Ąt gelegt. Dazu geh├Âren vor allem die Fruchtfolge, Grundbodenbearbeitung, Saatbeetbereitung und Saat. Von den drei Ertragsfaktoren (Kornzahl, Tausendkorngewicht, Bestandesdichte) ist gerade die zweizeilige Sommergerste bei der Kornzahl pro ├ähre beschr├Ąnkt.

Neben einer guten Kornausbildung ist Sommergerste deshalb besonders auf hohe Bestandesdichten von 500 bis 600 ├ähren pro Quadratmeter angewiesen. Allen kulturtechnischen Ma├čnahmen sind daher auf eine ausreichende Bestandesdichte ausgerichtet. Das gr├Â├čte Risiko des Braugerstenanbaus, n├Ąmlich ein zu hoher Eiwei├čgehalt, wird so entsch├Ąrft. Entscheidend ist in jedem Fall die optimale Abstimmung aller Ma├čnahmen auf die Besonderheiten des Standorts.

Wintergerste wird fr├╝h gedroschen und erm├Âglicht so eine gr├╝ndliche Stoppelbearbeitung und Zwischenfruchtanbau. Die notwendige Stickstoffversorgung erfolgt ├╝ber die Vorfrucht oder eine G├╝lle- beziehungsweise Jauched├╝ngung. Besonders leichte Bodentypen ben├Âtigen eine G├╝lle- oder Jauched├╝ngung, da sich Stickstoff hier leicht in unerreichbare Bodenschichten verlagert.


Aus der Forschung - f├╝r die Praxis

Im Rahmen des Bundesprogramms ├ľkologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (B├ľLN) werden zahlreiche Forschungsprojekte durchgef├╝hrt.

Letzte Aktualisierung 08.05.2018

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