Weichwanzen

Weichwanzen an Fenchel

Gemeine Wiesenwanze, Lygus pratensis (L.)
Trübe Feldwanze, auch Behaarte Wiesenwanze, Lygus rugulipennis (Popp.)
Selleriewanze, auch Wiesenwanze, Orthops campestris (L.) und Weitere

Schadbildbeschreibung an Fenchel

Ab Mitte Mai sind besonders nach langen trockenen, warmen Perioden erst punktförmige, dann unregelmäßige gelblichweiße Saugflecken zwischen den Blattadern, oft auch an den Blattstielen zu finden. Die Einstichstellen werden später bräunlich bis rötlich. Verfärbte Gewebebereiche nekrotisieren, werden schwarz, vertrocknen und brechen heraus, so dass die Blattspreite durchlöchert erscheint. Blätter zeigen Verkrümmungen und Wuchshemmungen. Oberhalb der Saugstellen entstehen dunkelgrüne Verfärbungen, dann Welkeerscheinungen und Nekrosen.

Nach drei bis sieben Tagen hängen die befallenen Pflanzenteile als braune Büschel nach unten und fallen dann ab. An älteren Trieben vertrocknet nur die Triebspitze, der übrige Trieb färbt sich gelb und bleibt kürzer. Blüten öffnen sich nicht und verbräunen, Blütenstiele können rötlich oder bräunlich verfärbt und verkrümmt sein.

Die Blattstiele und Doldenstrahlen weisen teilweise Gewebeschwellungen (Hypertrophien) auf, welche aufplatzen können. Angestochene Fruchtanlagen nekrotisieren an den Einstichstellen, es findet keine Fruchtentwicklung mehr statt, die Samen sind nicht keimfähig.

Weichwanzen werden fünf bis sieben Millimeter lang. Ein Teil der Deckflügel ist verhärtet. Charakteristisch für die Arten ist oft die Färbung des Schildchens, also des dreieckigen Bereiches zwischen den Ansätzen der Vorderflügel, eine genauere Artbestimmung erfordert eine mikroskopische Untersuchung. Die Larven und Nymphen sind oft blasser gefärbt und tragen keine Flügel beziehungsweise unvollständig entwickelte Flügelstummel.

Die Selleriewanze ist oval und leicht abgeflacht, 3,6 bis 4,5 Millimeter lang, glänzend grün mit unscharfer brauner Zeichnung und grünem dreieckigem Schildchen. Die Fühler sind dunkelbraun, die Beine grün. Die Männchen tragen einen großen schwarzen Fleck auf den Deckflügeln.

Die Gemeine Wiesenwanze ist etwa sechs bis sieben Millimeter lang, und variabel in grün- braun oder grautönen bis rötlich gefärbt und glänzend. Das herzförmige, hellgrüne Schildchen trägt eine Zeichnung in Form eines nach vorne offenen "V". Die Oberseite der Tiere ist punktiert und weist schwärzliche, verwaschene Flecken (Makeln) an den Außenrändern auf.

Die Trübe Wiesenwanze misst um die fünf Millimeter. Sie kann hellgrün oder bräunlich bis rotbraun oder schwarzbraun gefärbt sein und trägt kleine schwarze Flecken auf den Vorderflügeln. Das Schildchen trägt eine charakteristische Zeichnung in Form zweier schwarzer Spitzen. Der verhärtete Teil der Deckflügel ist dicht beflaumt und erscheint matt. Die Larven und Nymphen haben je zwei schwarze Punkte auf Halsschild und Rückenschildchen.

Schadwirkung

Weichwanzen befallen ein breites Spektrum an Wild- und Kulturpflanzen. Schäden verursachen sie besonders an Luzerne, Klee, Kartoffel, Getreide, Zuckerrübe und Hopfen, indem sie junge Triebspitzen besaugen. Hierzu gibt des Schädlingsporträt der Trüben Wiesenwanze Auskunft.

An Fenchel zur Samenernte können sie zu Ernteausfaällen an Früchten führen. Aufplatzungen können zudem als Eintrittspforte für pilzliche Sekundärerreger, zum Beispiel Doldenbräune und Stängelnekrose dienen. Bei Doldenblütlern besteht zudem die Gefahr der Übertragung des bakteriellen Doldenbrandes.

Biologie

Die Wanzen verlassen ab März bis Mai ihr Winterquartier und suchen in einem mehrere Kilometer messenden Umkreis nach geeigneten Nahrungspflanzen. Zur Partnerfindung verwenden sie akustische Signale. Besonders an Wildpflanzen wie Ampfer und Brennessel (Trübe Wiesenwanze) und wilden Doldenblütlern (Selleriewanze) legen sie im Mai bis Juni weißliche, flaschenförmige Eier an die Mittelrippen der Blätter und Blattstiele. Die daraus schlüpfenden Jungtiere entwickeln sich über flügellose Larven- und Nymphenstadien bis etwa Juli oder August zum Vollinsekt. Diese Sommergeneration führt ab Anfang Juli zu einem stark vermehrten Auftreten ausgewachsener Wanzen.

Diese zahlreichere Sommergeneration verursacht die Hauptschäden an Kulturpflanzen. Sie legt ihre Eier bis Ende Juli/Anfang August auf feldmäßig angebauten Doldenblütlern ab, vorrangig an die Doldenstrahlen. Die ein Millimeter langen Eier werden dabei fast völlig in das Pflanzengewebe versenkt. Diese bringen teilweise eine zweite Generation hervor, welche etwa im September voll entwickelt ist. Die Gemeine Wiesenwanze bildet in Norddeutschland nur eine Generation. Schon ab Ende August nimmt aber die Larvendichte ab und auch die Vollinsekten wandern zunehmend in Winterquartiere ab. Bis November suchen sie Überwinterungsplätze in der Bodenstreu oder an immergrünen Pflanzen oder unter Rindenschuppen von Laubbäumen auf. Die Behaarte Wiesenwanze ernährt sich neben den Pflanzensäften auch von Blattläusen und Insekteneiern.

Regulierungsstrategien

Vorbeugende Maßnahmen

  • Standortwahl (ausreichend Abstand zu befallenen Altbeständen),
  • Unkrautkontrolle (besonders auch an den Seitenstreifen zur Begrenzung der Einwanderung),
  • optimale Bedingungen für die Kulturpflanze zur Förderung eines zügigen Wachstums,
  • Kulturschutznetze.

Direkte Bekämpfung durch zugelassene Pflanzenschutzmittel

In Deutschland sind Pflanzenschutzmittel auf der Basis von Kaliseife, Pyrethrinen und Rapsöl zugelassen.

Letzte Aktualisierung 09.12.2019

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