Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae)

Kohlhernie

Plasmodiophora brassicae (Woronin), Abteilung Protozoen

 

Schadbildbeschreibung

Die Pflanzen sind verkümmert, die Blätter sind blaugrau, ältere Blätter vergilben. Bei Trockenheit weisen sie schnell Welkeerscheinungen auf. Die Kopfbildung kann beeinträchtigt sein oder es kommt zu einer verfrühten Blüte. Unterirdisch zeigen sich Wucherungen an einzelnen Wurzeln oder dem gesamten Wurzelsystem, in jedem Fall auch an den Seitenwurzeln. Die Wucherungen sind klumpenartig oder walzenförmig, innen weiß und nicht hohl.

Ähnliche Schaderreger

Der Kohlgallenrüssler oder auch Mauszahnrüssler verursacht ebenfalls Wucherungen an den Wurzeln von Kreuzblütlern. Diese sitzen jedoch ausschließlich an der Hauptwurzel, sind eher rundlich und innen hohl.

Schadwirkung

Kohlhernie tritt an Kreuzblütlern auf, also an den Ackerfrüchten Raps, Senf, und verschiedenen Gründüngern, im Gemüsebau an Kohlgemüsen, Rettich, Radieschen, Speiserübe und Rucola, im Kräuteranbau an Kresse und Senf, sowie an Beikräutern dieser Pflanzenfamilie. Die Krankheit kann auch in verschiedenen anderen Pflanzenarten wie Rotklee, Erdbeeren und verschiedenen Wildarten symptomfrei auftreten und von dort auf Kreuzblütler übertragen werden. Eine Übersicht über die Wirtspflanzen  gibt das Hortipendium.

Biologie in Kürze

Der Schleimpilz überdauert als Dauerspore im Boden. Unter günstigen Bedingungen schlüpfen die beweglichen Zoosporen, dringen in die Wurzelhaare ein und verursachen die typischen Wucherungen. Optimale Infektionsbedingungen bestehen bei 23 bis 25 Grad, hoher Bodenfeuchte und niedrigem pH-Wert. Die Krankheit wird durch verseuchten Boden der an Geräten, Maschinen, Pflanzkisten oder Schuhen anhaftet, verseuchtes Beregnungswasser, befallenes Pflanzenmaterial, infizierten Stallmist und Kompost oder mit dem Wind sowie durch Regenwürmer verschleppt.

Regulierungsstrategien

Vorbeugende Maßnahmen

  • Anbaupause von mindestens vier Jahren einhalten
  • kein Anbau auf staunassen Böden
  • Bodenverbesserung: tief lockern, Boden-pH-Wert von 7,0 anstreben,
    Organische Masse zuführen, Gründüngungen mit Roggen oder Weidelgras im Sommer
  • erregerfreie Anzuchtflächen, Substrate und Gießwasser verwenden
  • gesunde Jungpflanzen verwenden. Ein Befall der Jungpflanzen und der Substrate wird durch die Anzuchtbetriebe meist ausgeschlossen.
  • eigene Anzuchterden dämpfen, pH-neutrale Anzuchterde bevorzugen
  • Pflanzenstärkungsmittel auf der Basis mikrobieller Kulturen gegen bodenbürtige Pilzkrankheiten anwenden
  • befallene Stellen möglichst zuletzt bearbeiten
  • Maschinen nach Gebrauch reinigen
  • kranke Pflanzen entfernen

Maßnahmen bei vorangegangenem Befall

  • Für mindestens sieben Jahre den Anbau von allen Kreuzblütler-Arten unterbrechen
  • Bodenaktivität fördern, durch oben genannte Maßnahmen und zum Beispiel durch Einsatz von Düngern auf der Basis von Pilzbiomasse
  • resistente Sorten verwenden. Im Falle von Raps können diese der Beschreibenden Sortenliste des Bundessortenamtes entnommen werden. Da die Resistenzen rassenspezifisch und nicht dauerhaft sind, wird der Anbau nur bei akutem Befallsrisiko empfohlen.
  • den Anbau durch Verwendung von  Folie oder Vlies und kräftigen Jungpflanzen verfrühen
  • befallene Pflanzenteile (Kohlstrünke) entfernen oder nach der Ernte sofort zerkleinern

Es sind in Deutschland keine Pflanzenschutzmittel verfügbar.

Letzte Aktualisierung 09.12.2019

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