Weizenflugbrand (Ustilago tritici)

Weizenflugbrand

Ustilago tritici (Pers.), Synonym Ustilago nuda f. sp. tritici, Abteilung Ständerpilze

Schadbildbeschreibung

Infizierte Sämlinge haben eine geringere Triebkraft und der Feldaufgang ist reduziert. Das Wurzelsystem ist schlecht entwickelt, wodurch die Auswinterungsgefahr erhöht ist. Befallene Pflanzen sind kleiner, sie bleiben in der Bestockung zurück.

Deutlichen Symptome entstehen erst nach dem Ährenschieben, typischerweise sind nur einige Ähren einer Pflanze oder nur der untere Teil der Ähren befallen. Befallene Ähren werden etwas früher geschoben. Danach sind anstelle der Ährchen braunschwarze Brandsporenlager sichtbar, die sogenannten Brandbutten. Das silbrige Häutchen reißt zur Blütezeit und die Brandsporen stäuben aus. Zur Ährenzeit ragt die ausschließlich verbleibende Ährenspindel über den Bestand hinaus.

Schadwirkung im Weizenanbau

Weizenflugbrand befällt Weich- und Hartweizen und Dinkel, sowie vereinzelt Triticale, Roggen und Gräser. Gerstenflugbrand kann nicht auf Weizen oder Roggen und Weizenflugbrand nicht auf Gerste übertragen werden.

Der Ertrag mindert sich im Verhältnis zum Anteil flugbrandbefallener Ähren, wobei selten mehr als fünf Prozent der Pflanzen befallen werden. Hoher wirtschaftlicher Schaden entsteht, wenn Vermehrungsflächen aberkannt werden oder für den Nachbau vorgesehene Saatgutposten vom Nachbau ausgeschlossen werden müssen. Für die Saatgutzertifizierung sind höchstens 5 Flugbrandähren je 150 Quadratmeter Fläche zulässig (befallene Ähren nicht vor der Feldbesichtigung entfernen, keine kranken Bestände in 50 Meter Umkreis; Anforderungen der Saatgutanerkennung). Für ökologische Getreidezuchtbetriebe stellt Flugbrandbefall im Zuchtmaterial eine besonders hohe Herausforderung dar.

Biologie der Pilzkrankheit

Beim Weizenflugbrand handelt es sich um eine ausschließlich samenbürtige Erkrankung. Im Bestand oder von Nachbarfeldern aus verbreiten sie sich während der Blüte: Brandsporen werden aus den Brandähren durch Luftbewegung auf die offenen Blüten gesunder Ähren übertragen. Warm-feuchtes Wetter ab 12 °C zur Blütezeit, offen blühende Sorten und lange Blütezeit fördern die Verbreitung. Die Infektion verbreitet sich besonders über kurze Distanzen von wenigen Metern, kann aber vom Wind auch weiter transportiert werden.

Die aus den Sporen auskeimenden Hyphen dringen durch die Fruchtknotenwand in die sich entwickelnden Körner ein und besiedeln ein Teil des Embryos (das Scutellum). Mit der Kornreife tritt eine Ruhephase des Pilzes ein, in der er mehrere Jahre im Korn überdauern kann. Während der Keimung des Korns besiedelt er den Vegetationspunkt (die spätere Ähre) und wachsende Bereiche (meristematische Gewebe) des Keimlings. Durch die Halmstreckung während des Schossens wird das Pilzgeflecht passiv in der Pflanze verteilt. Außer in der Ährenanlage findet man es später auch in den Halmknoten, allerdings kommt es nur in der Ährenanlage zur Ausbildung von Brandsporen.

Regulierungsstrategien: vorbeugen und Saatgut behandeln

Vorbeugende Maßnahmen

  • Verwendung von zertifiziertem Saatgut
  • Frühe Aussaat im Frühjahr, späte Aussaat im Herbst
  • Wenig anfällige, geschlossen blühende und zügig abblühende Sorten wählen
  • optimale Saattiefe für frühes und schnelles Auflaufen

Direkte Maßnahmen am Saatgut

  • Heißwasser- und Heißluftbehandlung. Nur bei genauer Steuerung der Temperaturen und Rücktrocknung wird Flugbrand gut bekämpft ohne die Keimfähigkeit zu beeinträchtigen.
  • Von den gegen Steinbrand wirksamen Saatgutbehandlungsverfahren (Gelbsenfmehl, Bakterienpräparate auf Basis von Pseudomonas chlororaphis, Elektronenbeizung) ist keine oder im besten Falle nur eine Nebenwirkung zu erwarten.

Letzte Aktualisierung 07.05.2019

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