Braunrost (Puccinia triticina, ehem. Puccinia recondita f. sp. tritici) Roggenbraunrost (Puccinia recondita f. sp. secalis)

Braunrost

Weizenbraunrost Puccinia triticina (Eriks.), ehemals Puccinia recondita f.sp. tritici,
Roggenbraunrost
Puccinia recondita f.sp. secalis (Rob. ex Desm.), Abteilung Ständerpilze

Schadbildbeschreibung

Der Braunrost weist ovale, rostbraune Pusteln (Sommersporenlager) auf, die vorwiegend auf den Blattoberseiten unregelmäßig verteilt sind. Gelegentlich sind die Rostpusteln auch an den Blattscheiden und Halmen vorzufinden.

Später entstehen auf der Blattunterseite, manchmal auch auf der Blattscheide, schwarze, längliche Wintersporenlager.

Ähnliche Erreger

Gelbrost (Puccinia striiformis) an Weizen ist mit Braunrost wegen der ähnlichen Färbung zu verwechseln, allerdings erkennt man Gelbrost an der streifenförmigen Anordnung der Pusteln.

Schwarzrost (Puccinia graminis) an Roggen weist Reste der aufgeplatzten äußersten Hautschicht (Epidermis) des Blattes am Rande der Rostpusteln auf.

Schadwirkung

Weizenbraunrost befällt Weich- und Hartweizen sowie Dinkel und Emmer, Roggenbraunrost befällt Roggen. An Gerste verursacht eine spezialisierte Pilzart eine ähnliche Krankheit, allerdings befällt Weizenrost nicht die Gerste und umgekehrt.

Meist kommt die Infektion mit dem wärmebedürftigen Pilz eher spät und verursacht dadurch kaum Ertragsverluste. Bei einer frühen Infektion vor dem Ährenschieben, insbesondere bei warmer Frühsommerwitterung und an spät reifenden Sorten, können aber erhebliche Ertragsverluste entstehen. Neben dem Ertrag wird auch die Kornqualität (Eiweißgehalt) gemindert. Im ökologischen Landbau ist Rost vor allem ein Problem, wenn die Stickstoff-Versorgung hoch ist. Dies wird oft am Schlagrand beobachtet, wo die Pflanzen weniger unter Konkurrenz leiden.

Biologie der Pilzkrankheit

Weizenbraunrost tritt vor allem in den wärmeren Anbauregionen Deutschlands regelmäßig auf. Für die Ausbreitung sind höhere Temperaturen und Taubildung günstig (ideal 20 - 25 Grad am Tag und 15 Grad in der Nacht), daher tritt er besonders in warmen Frühsommern auf und befällt das Getreide relativ spät. Roggenbraunrost kommt auch mit geringeren Temperaturen zurecht (Nachttemperaturen bis 12 °C). Starke Sonneneinstrahlung fördert die Sporenbildung.

Der Pilz kann als Mycel in Ausfall- und Wintergetreide überwintern, aber auch die rostbraunen Sommersporen überstehen milde Winter. Sporen werden vom Wind weit transportiert und können auf fechten Blättern in nur wenigen Stunden keimen. Von dort werden binnen einer Woche neue Sporen verbreitet.

Die im Herbst gebildeten Wintersporen infizieren dagegen die wilde Wiesenraute (Weizenbraunrost) bzw. Wildpflanzen wie Ochsenzunge und Natternkopf (Roggenbraunrost), an der sich der Pilz geschlechtlich vermehrt und dadurch jährlich mehr als 20 neue Rassen bilden kann. Dadurch werden Resistenzgene in Weizensorten schnell überwunden. Im Frühjahr wechselt der Pilz zurück in Getreidebestände.

Regulierungsstrategien

Zur Kontrolle werden ab dem Fahnenblatt-Stadium die drei obersten Blätter von zwei Halmen an zwanzig Stellen im Bestand kontrolliert. Bei Symptomen an zeh Prozent dieser Blätter gilt im konventionellen Anbau die Schadschwelle als erreicht.

Vorbeugende Maßnahmen

  • Sortenwahl mit geringer Anfälligkeit: möglichst früh reifende Sorten. Die Beschreibende Sortenliste bewertet die Anfälligkeit von Winter- und Sommerweichweizen, Dinkel, Hartweizen und Roggen. Unter den für den ökologischen Landbau ausgewiesenen Winterweizensorten weist z. B. Adesso eine geringe Anfälligkeit auf (Bestnote 2), Dinkelsorten sind dagegen allgemein eher anfällig. Roggensorten können fünf verschiedene Resistenzgene aufweisen.
  • In einer Region sollte man Sorten mit unterschiedlichen Resistenzgenen auswählen. Sortenmischungen sind gegen windverbreitete Krankheiten wie Rost sehr wirksam. Es sollten Sorten mit verschiedenen Resistenzen gemischt werden.
  • Bodenbearbeitung: Ausfallgetreide und Ungräser frühzeitig vernichten
  • Wintergetreide eher später, Sommergetreide eher früher sähen

Direkte Bekämpfung mit zugelassenen Pflanzenschutzmitten

Eine direkte Bekämpfung ist zurzeit im ökologischen Landbau nicht möglich.


Weblinks

Bundessortenamt: Download der Beschreibenden Sortenliste einschließlich Bewertung der Braunrostrsistenz und Beurteilung unter ökologischen Anbaubedingungen

Landwirtschaftskammer Niedersachsen: Download der Landessortenversuche Weizen 2018. einschließlich neuer Prüfsorten

Vermeidung von saatgutbürtigen Krankheiten: Strategien für den Ökolandbau. Versuche im Ökologischen Landbau u.a. mit Sortenbewertung hinsichtlich Anfälligkeit für Braunrost.

Letzte Aktualisierung 04.02.2018

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