Blattdürre (Septoria tritici) an Weizen

Blattdürre

Septoria tritici (Roberge ex Desmaz) (Nebenfruchtform), Mycosphaerella graminicola (Fuckel) (Hauptfruchtform), Abteilung Schlauchpilze

Beschreibung der Blattkrankheit an Weizen

Im zeitigen Frühjahr, manchmal bereits im Herbst, erscheinen auf den unteren Blättern ovale, gelbgrüne bis wässrig graugrüne Flecke. Später kommt es zu streifigen Nekrosen, die von den Blattadern begrenzt werden. Dort bilden sich auf beiden Blattseiten reihig angeordnete, schwarze Fruchtkörper (Pyknidien). Sie sind mit bloßem Auge als kleine schwarze Punkte erkennbar und entlassen bei Befeuchten weißen Sporenschleim.

Die Fruchtkörper erscheinen im Durchlicht braun bis schwarz mit heller Öffnung. Schließlich vertrocknen und sterben die Blätter von der Spitze ausgehend ab (Blattdürre). Ährenbefall tritt selten auf.

Ähnliche Erreger

Blatt- und Spelzenbräune tritt oft gleichzeitig mit Blattdürre auf. Sie verursacht eher ovale Flecken bildet braune Fruchtkörper und tritt vermehrt im Sommer auf, während die Blattdürre typiscerweise bei niedrigen Temperaturen beginnt. Einesichere Unterscheidung erfolgt nur anhand der Fruchtkörper, die bei S. nodorum kaum erkennbar und braun sind und rosa Sporenschleim entlassen.

Schadwirkung

Die Blattdürre befällt besonders Weich- und Hartweizen sowie Dinkel, tritt aber auch an Roggen, Triticale und einigen Wildgräsern auf. Da sich verschiedene Formen des Pilzes auf diese Wirtspflanzen anpassen ist eine Ansteckung zwischen Weich- und Hartweizen, anderen Getreidearten und Wildgräsern aber unwahrscheinlich. Die Blattdürre tritt im ökologischen Getreideanbau und insbesondere in neu umgestellten Betrieben häufiger auf, da hier Durchwuchs von Vorjahresgetreide schwieriger zu bekämpfen ist.

Wenn der Pilz das Korn infiziert werden Kornzahl und Tausendkornmasse erheblich reduziert, dazu kommt die Schädigung der Blattfläche. Es können bis zu 30% Ertragsverluste auftreten, im ökologischen Landbau sind die Schäden wegen geringerer Düngung und Pflanzendichte aber meist geringer.

Biologie der Pilzkrankheit

 

Die Infektion geht von befallenen Strohresten an der Bodenoberfläche aus - insbesondere von noch stehenden Getreidestoppeln, auf denen sich im Spätsommer bei Niederschlägen die Hauptfruchtform mit Ascosporen bildet. Die Infektion frühgesäter Weizensaaten erfolgt ab Anfang Oktober durch die windverdrifteten Sporen.

Bei Weizen nach Weizenvorfrucht gehen die Infektionen auch durch Pyknosporen von Ernterückständen aus. Die weitere Ausbreitung im Bestand erfolgt nur über die durch Regenspritzer verbreiteten Pyknosporen. Die Ausbreitung erfolgt bereits bei milder Winterwitterung und wird in der wärmeren Jahreszeit häufig gebremst.

Kaltes feuchtes Wetter in Frühjahr und Hebrst oder milde Winter und lang anhaltende Nässeperioden begünstigen Septoria tritici-Epidemien. Der Pilz ist, im Gegensatz zu Septoria nodorum, auch bei niedrigen Temperaturen aggressiv. Erste Infektionen treten ab vier Grad Tagesminimumtemperatur auf, acht bis zehn Grad sind günstig für eine Infektion, 20 bis 25 Grad optimal für die Entwicklung. Selbst bei diesen hohen Temperaturen sind für eine Infektion mindestens 20 Stunden Blattnässedauer erforderlich, bei 12 Grad über 50 Stunden.

Regulierungsstrategien: Blattdürre vorbeugend verhindern

Durch gute Vorbeugung lassen sich Ernteverluste durch Blattdürre im ökologischen Landbau weitgehend verhindern.

Vorbeugende Maßnahmen

  • Ernterückstände und auflaufendes Ausfallgetreide sorgfältig beseitigen/ einarbeiten
  • Keine zu frühe Saat von Winterweizen, späte Saaten verringern deutlich einen hohen Ausgangsbefall
  • Weniger Weizenanteil in der Fruchtfolge
  • Sortenwahl mit geringer Anfälligkeit: möglichst spät reifende und langstrohige Sorten mit kurzen und aufrecht stehenden Blättern. Die  Beschreibende Sortenliste bewertet die Anfälligkeit für „Blattseptoria“ von Winter- und Sommerweichweizen, Dinkel und Hartweizen und weist Reifedauer und Pflanzenlänge aus. Unter den für den ökologischen Landbau ausgewiesenen Winterweizensorten weisen z. B. Julius und Govelino eine geringe Anfälligkeit auf (Bestnote 3), Dinkelsorten sind dagegen allgemein eher anfällig.
  • Nutzung gesunden Saatguts
  • geringe Bestandsdichte für schnelles Abtrocknen

Direkte Bekämpfung mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln

Eine direkte Bekämpfung ist zurzeit im ökologischen Landbau nicht möglich.


Weblinks

Bundessortenamt: Download der Beschreibenden Sortenliste für Getreide, mit Bewertungen der Anfälligkeit für Septoria unter ökologischen Anbaubedingngen

Vermeidung von saatgutbürtigen Krankheiten: Strategien für den Ökolandbau. Versuche im Ökologischen Landbau u.a. mit Sortenbewertung hinsichtlich Anfälligkeit für Blattseptoria.

Landessortenversuche in Mecklenburg-Vorpommern 2011und 2009: Bewertung von Sommer- und Wintergetreiden im Ökologischen Landbau hinsichtlich der Anfälligkeit für Blattdürre

Letzte Aktualisierung 04.02.2018

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