Distelfalter (Vanessa cardui)

Distelfalter

Vanessa cardui (L.), synonym Cynthia cardui
Familie: Edelfalter

Der Distelfalter im Film


Beschreibung

Der Distelfalter ist ein schwarz-weiß-orange gezeichneter Schmetterling von vier bis sechs Zentimetern Flügelspannweite, der vereinzelt als Schädling an Sojabohnen auftritt. An der Unterseite der Hinterflügel befinden sich vier bis fünf kleine Augen. Der Körper ist pelzig orange behaart, die verdickten Fühlerenden sind an der Spitze weiß.

Die bis vier Zentimeter lange Larve ist schwarz mit gelb-grünen Seitenlinien und sehr stachelig. Die Stacheln selbst sind bei jungen Raupen schwarz, später weiß, und verästelt. Die Junglarve lebt auf der Blattoberseite unter einem schützenden Gespinst, später spinnt sie ein Blatt tütenförmig um sich herum zusammen. Ältere Raupen halten sich ungeschützt fressend auf den Blättern auf.

Ähnliche Schädlinge

  • Amerikanische Distelfalter (Vanessa virginiensis) werden sehr selten bis Westdeutschland verdriftet. Sie tragen auf der Unterseite der Hinterflügel nur zwei Augen.

Schadbild und Schadwirkung

Die Eiablage ist durch tropfenförmige gelbe Aufhellungen an den Sojablättern zu erkennen. Befall zeigt sich zunächst an Gespinsten, eingerollten Blättern und grünlich-schwarzen Kotkrümeln, später werden Raupen und der verursachte Lochfraß deutlich sichtbar. Der Befall ist innerhalb des Feldes oft in Nestern konzentriert, besonders nahe an Disteln. Früh gesäte, üppig entwickelte Felder und solche mit Distelverunkrautung werden bevorzugt. Sind ihre Nahrungsquellen abgefressen oder werden beispielsweise Distelflächen durch Mahd zerstört, wandern die Larven auf der Suche nach Futterpflanzen auch in Massen in Gärten ein und an Hauswänden hoch.

In den meisten Jahren halten sich die Schäden aber in Grenzen und die beeindruckenden und beliebten Wanderfalter können toleriert werden. In Jahren mit Massenzuwanderung, wie 2009 und 2015, können 15‒20 Prozent der Sojafelder ernste Fraßschäden aufweisen. In einzelnen Schlägen können die Raupen einen fast vollständigen Kahlfraß verursachen. Problematisch sind nur die Larven der ersten Faltergeneration, die sich daraus entwickelnden Falter zweiter Generation wandern wieder in andere Regionen ab.

Biologie und Lebensraum

Distelfalter fliegen regelmäßig im Mai aus Nordafrika und Südeuropa kommend in langen Reihen über die Alpen nach Deutschland. Sie legen dabei bis zu 15.000 Kilometer zurück. Besonders viele Falter kommen zu uns, wenn die Nordafrikanischen Witterungsbedingungen zunächst eine starke Vermehrung begünstigen und dann trockener werden, sodass die Falter weiter nördlich auf Futtersuche gehen. Sie erreichen dann eine Verbreitung über ganz Deutschland, mit stärkeren Konzentrationen in Süddeutschland. Sie ernähren sich von Nektar, insbesondere von Disteln.

Die Falter legen einzelne Eier auf die Blattoberseite eines breiten Spektrums an Raupen-Futterpflanzen. An Sojabohnen werden Raupen ab Ende Mai und verstärkt in der ersten Junihälfte beobachtet. Sie verpuppen sich kopfüber von einem Trieb hängend in einer sogenannten Stürzpuppe, aus der Mitte Juli die nächste Faltergeneration schlüpft. Bei sommerlichen Temperaturen von 18‒32 Grad entwickeln sich aus den Eiern in drei bis zehn Wochen ausgewachsene Falter. Eine zweite Generation schlüpft Ende August, durch die Vermehrung von Parasiten ist diese aber weniger zahlreich und legt als Wandergeneration keine erneuten Eier in Deutschland. Sie wandert im September und Oktober nach Süden zurück, um Frost zu meiden.

Regulierungsstrategien

Vorbeugende Maßnahmen

  • Felder mit Distelverunkrautung meiden
  • Bestände ab Mitte Mai auf Falter und Eiablage kontrollieren

Direkte chemische Maßnahmen

  • Als Schadschwellen gelten 20 Raupen je Meter Sojareihe oder ein bis zwei Befallsnester je 100 Quadratmeter. Nur junge Larven sollten bekämpft werden (eingesponnene); ältere Larven (frei fressend) verpuppen sich bald und richten wenig weitere Schäden an.
  • In Jahren mit Massenauftreten sollten frühzeitig Sondergenehmigungen für die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln auf Basis von Bacillus thuringiensis subsp. aizawai beantragt werden. Detailliertere Anwendungsempfehlungen und aktuelle Meldungen zum Distelfalterauftreten gibt der Sojaförderring

Letzte Aktualisierung 21.10.2020

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