Einsatz von Ölrettich gegen Wurzelgallennematoden

Ölrettich zur Regulierung von Wurzelgallennematoden

Der Wurzelgallennematode Meloidogyne hapla (M. hapla) ist einer der bedeutendsten Schaderreger im ökologischen Landbau. Ursachen für sein verstärktes Auftreten liegen unter anderem in zu engen Fruchtfolgen, einem hohen Anteil an Wirtspflanzen (Leguminosen, Gemüse, Hackfrüchte) bzw. einem geringen Anteil an Nicht-Wirtspflanzen (Getreide, Mais) in der Fruchtfolge sowie einer nicht ausreichenden Beikrautkontrolle. Direkte Bekämpfungsmaßnahmen oder resistente Sorten stehen nicht zur Verfügung, so dass eine Bekämpfung im Ökolandbau derzeit vor allem über die Fruchtfolge möglich ist.

Zwei Forschungsvorhaben im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau haben sich mit dieser Problematik auseinandergesetzt. Im  ersten Projekt "Resistenter Ölrettich zur Regulierung von Wurzelgallennematoden im ökologischen Landbau" wurden die Einsatzmöglichkeiten von Ölrettich (Raphanus sativus) als Zwischenfrucht bzw. Fangpflanze zur Bekämpfung von M. hapla aufgezeigt. Im Nachfolge-Projekt "Nachhaltige Wirkung von Ölrettich auf die Abundanzdynamik von Wurzelgallennematoden im ökologischen Landbau" wurde die Wirkung dieser Maßnahmen auf den Ertrag von Kartoffeln als Folgekultur untersucht. Im Folgenden werden die Ergebnisse der beiden Projekte vorgestellt.

Der Schädling und seine Symptome

Zahlreiche ökologische Gemüse- und Kartoffelerzeuger sind von Schäden durch den Nördlichen Wurzelgallennematoden (Meloidogyne hapla) betroffen. Kleine, deformierte Früchte - zum Beispiel "beinige" Möhren - sowie Ertrags- und Qualitätsverluste können Folgen eines Befalls mit diesen vor allem in leichten Böden verbreiteten Fadenwürmern sein. Sie zählen zu den bedeutendsten Schaderregern im Gemüsebau.

Die im Boden geschlüpften Larven dringen in die Pflanzenwurzeln ein. Dem Landwirt fallen Bereiche mit kümmerlichem Wuchs im Pflanzenbestand auf, die Blätter sind gelblich verfärbt und welken schnell bei Trockenheit, der Wuchs ist gehemmt, der Ansatz von Blüten und Früchten verringert, die Reife verzögert. An den Wurzeln sind kleine runde Anschwellungen (Gallen) zu erkennen.

Regulierungsmaßnahmen

Zur Reduzierung des Befalls stehen im Ökolandbau eine Reihe geeigneter Methoden zur Verfügung:

  • Zufuhr organischer Substanz zur Förderung von Gegenspielern der Nematoden
  • Optimale Nährstoffversorgung zur Stärkung der Kulturpflanzen
  • Zukauf nematodenfreien Pflanzenmaterials
  • Mehrjährigrer Anbau von Nicht-Wirtspflanzen (Getreide, Mais) in Verbindung mit sorgfältiger Beikrautregulierung
  • Verzicht auf Klee-Untersaaten
  • Mehrmonatige sommerliche Schwarzbrache
  • Biofumigation und Fangpflanzenanbau

Eine ausreichende Regulierung kann mit den vorhandenen Möglichkeiten nicht immer erreicht werden. So ist eine mehrmonatige Schwarzbrache zwar wirksam, sollte aber wegen der damit verbundenen starken Nährstoffauswaschung vermieden werden. Einem mehrjährigen Getreideanbau können ökonomische Gründe entgegenstehen.

Resistente Zwischenfrüchte

Der Anbau resistenter Zwischenfrüchte könnte eine sinnvolle Ergänzung der Fruchtfolge darstellen. Die Nematoden dringen zwar in das Gewebe resistenter Pflanzen ein, können sich dort jedoch nicht vermehren. Derzeit sind jedoch keine gegen Meloidogyne hapla (M. hapla) resistenten Sorten erhältlich.

Im Rahmen des ersten Forschungsprojektes konnten aber Kulturpflanzensorten mit geringer Anfälligkeit gegen M. hapla identifiziert werden. Bei zweijährigen Versuchen im Gewächshaus, in Kleinparzellen sowie auf zwei Ökobetrieben zeigte sich übereinstimmend, dass die Ölrettichsorte 'Commodore' unter den derzeit angebotenen Ölrettichsorten die geringste Anfälligkeit gegenüber M. hapla besitzt. In Feldversuchen kam es bei mittleren Besatzdichten zu keiner Vermehrung von M. hapla. Hier gilt es anzusetzen und durch weitere züchterische Arbeit eine resistente Sorte zu entwickeln.

Viel versprechende Ergebnisse erbrachten auch weitere Versuche des umfangreichen Gesamtprojektes:

Die Rotkleelinie HC 86 zeigte in Gewächshausversuchen eine deutliche Reduzierung des M. hapla-Befalls im Vergleich zu praxisüblichen Rot- und Alexandrinerkleesorten. Hier bietet sich der Züchtung ein interessanter Ansatz für die Entwicklung einer M. hapla-resistenten Leguminose.

Die Eignung weiterer Kulturpflanzen zur Regulierung der Wurzelgallennematoden wurde geprüft. Der Anbau von Sudangras und Tagetes ergab eine deutliche Befallsreduzierung (siehe nachfolgende Tabelle).

Vermehrungsrate (Endbesatz (Pf) : Ausgangsbesatz (Pi)) von Meloidogyne hapla an verschiedenen Kulturpflanzen (Mittelwerte aus je zehn Wiederholungen)
KulturPf/Pi
*Mittelwert aus fünf Versuchen
Ölrettich 'Commodore' 0,14*
Sudangras 'Susu'0,01
Tagetes patula0,02
Tagetes erecta0,06
Tagetes patula 'Single Gold'0,05
Rotklee 'Kvarta'30,8
Alexandrinerklee 'Alex'9,1
Rotklee 'Tempus'51,7
Alexandrinerklee 'Winner'12,8

Das Einarbeiten der Pflanzenreste resistenter Zwischenfrüchte erhöht die Wirkung gegen M. hapla deutlich. Bei Tomaten als Folgekultur bewirkte das Einarbeiten der Vorkulturen Ölrettich (Sorten 'Commodore' und 'Boss') und Tagetes spp. eine Verringerung des Nematodenbefalls der Tomaten um mehr als die Hälfte. Auch die Fruchtgewichte pro Tomatenpflanze konnten durch Einarbeitung der Vorfrucht (außer bei Tagetes) stark erhöht werden. 

Ansätze für praxistaugliche Strategien zur Regulierung von M. hapla sind damit vorhanden. Die wirksame Umsetzung in die Praxis sollte nach Ansicht der Wissenschaftler unterstützt werden durch:

  • Die umfassende Information der Landwirte und Anbauberater zur Bedeutung pflanzenparasitärer Nematoden im ökologischen Landbau
  • Die Züchtung resistenter Sorten, zum Beispiel unter Verwendung von Ölrettich 'Commodore' und Rotklee HC86
  • Die Verbesserung von Strategien, z.B. dem Anbau von Fangpflanzen

Wirkung von Ölrettich auf Folgekultur Kartoffel

In dem Folgeprojekt wurde die Wirksamkeit von Ölrettich als Zwischenfrucht bzw. Fangpflanze zur Bekämpfung von M. hapla untersucht. Betrachtet wurde dabei der Ertrag von Kartoffeln als Folgekultur. Da neben M. hapla auf den Versuchsflächen auch der Wurzelläsionsnematode Pratylenchus spp. auftrat, wurde diese Gattung bei den Untersuchungen mit berücksichtigt.

Unter den Anbaubedingungen des Jahres 2004 kam es zu keiner Vermehrung von M. hapla an Kartoffeln, obwohl Klimabedingungen und Kulturdauer grundsätzlich förderlich waren. Als Grund hierfür vermuten die Wissenschaftler eine ausgeprägte Sortenabhängigkeit bei der Anfälligkeit gegenüber M. hapla, mit den Kartoffelsorten 'Linda' bzw. 'Solara' als wenig anfällige Sorten. Im Gegensatz zu M. hapla konnte sich Pratylenchus spp. an beiden Kartoffelsorten gut entwickeln.

Im Kartoffelertrag zeigten sich auf den beiden Versuchsflächen keine Unterschiede in Abhängigkeit von der Vorkultur. Annahme der Wissenschaftler ist, dass andere Faktoren, wie z. B. die Nährstoffwirkung der Vorfrucht, eine mögliche Schädigung durch pflanzenparasitäre Nematoden überlagert haben. Die Untersuchungen haben aber auch gezeigt, dass die Ölrettichsorte 'Commodore' den Wurzelgallennematoden M. hapla signifikant weniger vermehrt als die Ölrettichsorte 'Siletina', so dass 'Commodore' auf Befallsflächen bevorzugt angebaut werden sollte.

Den besten Bekämpfungserfolg bei M. hapla hatte die Brache, die aber wegen der damit verbundenen starken Nährstoffauswaschung vermieden werden sollte. Eine Alternative wäre der Anbau von Ölrettich als Fangpflanze. In dem Forschungsvorhaben wurde der Ölrettich im Jahr 2003 allerdings zu spät umgebrochen und zeigte keine optimale Wirkung. Innerhalb weiterführender Untersuchungen 2004 konnten jedoch Bekämpfungsraten bis zu 97 Prozent erzielt werden, was das grundsätzliche Funktionieren dieses Verfahrens aus Sicht der Wissenschaftler hervorhebt.

Resultate für die Praxis

Die Ergebnisse beider Forschungsvorhaben haben verschiedene Möglichkeiten für die Regulierung von M. hapla aufgezeigt. Die Beratung hat diese Ergebnisse aufgenommen und begonnen, Bekämpfungsstrategien zu entwickeln, die nun in der Praxis erprobt werden. Für die Bekämpfung von M. hapla berücksichtigen diese Strategien folgende Erkenntnisse:

  • Mit Bekämpfungsmaßnahmen von M. hapla ist unmittelbar nach dessen Auftreten durch geeignete Fruchtfolgemaßnahmen zu beginnen.
  • Betriebsübliche Fruchtfolgen müssen zu diesem Zweck unter dem Gesichtspunkt einer Reduzierung des Nematodenbesatzes umstrukturiert werden.
  • Verzicht auf den Anbau hoch anfälliger Kulturen wie Möhren und Zwiebeln, solange die eingeschlagene Gegenstrategie nicht zur Unterschreitung der Schadschwellen geführt hat.
  • Bei einem Anbau von Ölrettich als Gründüngung oder Zwischenfrucht sind Sorten mit geringer Anfälligkeit für M. hapla zu bevorzugen (Bsp.: 'Commodore', 'Radical', 'Remonta', 'Ramses').
  • Der Anbau von Ölrettich als Fangpflanze führt zu einer guten Bekämpfung von M. hapla. Voraussetzung ist das rechtzeitige Einarbeiten der Kultur maximal sechs Wochen nach Aussaat, da es sonst zu einer Vermehrung der Nematoden kommt. Ein Neuaustrieb des Ölrettichs ist zu verhindern. Für den Anbau als Fangpflanze eignen sich alle Ölrettichsorten.
  • Bei Anbau von Nicht-Wirtspflanzen (Getreide, Mais) ist eine gute Unkrautregulierung ganz entscheidend für den Bekämpfungserfolg von M. hapla.
  • Die konsequent durchgeführte Schwarzbrache ist eine sehr wirkungsvolle Maßnahme. Auflaufende Beikräuter sind mindestens alle drei bis vier Wochen einzuarbeiten, ein erneutes Anwachsen ist zu verhindern.

Projektinfos

Resistenter Ölrettich zur Regulierung von Wurzelgallennematoden im ökologischen Landbau (BÖL-Projekt Nr. 02OE107)

Ausführende Stelle:

Julius Kühn Institut
Toppheideweg 88
48161 Münster
Ansprechpartner: PD Dr. Johannes Hallmann
Tel.: 0251 8710625
E-Mail: johannes.hallmann@jki.bund.de

Kooperationspartner:

  • ÖKORING - Versuchs- & Beratungsring für Ökologischen Landbau Niedersachsen e.V.
  • Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Nachhaltige Wirkung von Ölrettich auf die Abundanzdynamik von Wurzelgallennematoden im ökologischen Landbau (BÖL-Projekt Nr. 02OE107/F)

Ausführende Stelle:

Julius Kühn Institut
Toppheideweg 88
48161 Münster
Ansprechpartner: PD Dr. Johannes Hallmann
Tel.: 0251 8710625
E-Mail: johannes.hallmann@jki.bund.de

Hinweis:

Der Schlussbericht zum Projekt "Nachhaltige Wirkung von Ölrettich auf die Abundanzdynamik von Wurzelgallennematoden im ökologischen Landbau" (BÖL-Projekt Nr. 02OE107/F) wurde im August 2006 veröffentlicht.

Letzte Aktualisierung 28.05.2014

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