Mehlmottenschlupfwespe Habrobracon hebetor

Mehlmottenschlupfwespe Habrobracon hebetor

Beschreibung

Die Mehlmottenschlupfwespe Habrobracon hebetor (Say, synonym Bracon hebetor) ist 3‒4 mm lang und fällt durch ihren breiten Kopf und den eng eingeschnürten „Hals“ auf. Kopf und die Mitte des Halsschildes sind meist gelbbraun und der restliche Körper schwarzbraun gezeichnet, aber auch schwarze Tiere kommen vor. Am Hinterleibsende findet sich eine leicht hervorragende Legeröhre. Die sehr ähnliche Habrobraconbrevicornis ist 2‒3 mm lang und befindet sich in der praktischen Erprobung als kommerziell einsetzbarer Nützling. Beide gehören zu Familie der Brackwespen.

Biologie und Parasitierungsverhalten im Vorratsschutz

Habrobracon hebetor ist ein weltweit verbreiteter Parasitoid von Schmetterlingsraupen, und wird seit 2002 in Mitteleuropa in Vorratslägern angewandt. Die Wirtsraupen werden anhand des Geruchs ihrer Gespinste ausfgespürt, angestochen und gelähmt. Dadurch wird die Weiterentwicklung und Fraßaktivität sofort unterbrochen. Mehrere Eier werden außen an die Wirtsraupen abgelegt. Die höchste Vermehrungsrate wird bei 30° C erreicht. An einer großen Zünslerraupe entwickeln sich circa fünf Parasitoide. Insgesamt legt ein Weibchen in seinem circa dreiwöchigen Leben 60‒80 Eier. Die Wespenlarven saugen die Wirtsraupe von außen her aus und verpuppen sich dann in einem Kokon in geringer Entfernung. Der Lebenszyklus vom Ei zur ausgewachsenen Wespe dauert bei 30° C etwa zehn Tage, bei gemäßigteren Temperaturen länger. Im Lager sammeln sich die Männchen an Erhebungen, wie zum Berispiel der Getreideoberfläche, wo sich die Weibchen dann zur Paarung einfinden. Die Parasitoide können als Puppen und ausgewachsene Wespen in Lagern überwintern und sich so dauerhaft etablieren.

Damit unterscheidet sich die Mehlmottenschlupfwespe von der Schlupfwespe Venturia canescens, die gegen die gleichen Schädlinge einsetzbar ist, aber parasitierte Larven nicht lähmt und erst durch die Entwicklung je einer Larve im Innern der Wirtsraupe zum allmählichen Absterben des Wirtes führt. 

Einsatzmöglichkeiten des Nützlings gegen Motten

Parasitierte Vorratsschädlinge

Die Mehlmottenschlupfwespe parasitiert Mottenlarven ab dem zweiten Entwicklungsstadium, insb. von Zünslern. Auch Mottenlarven anderer Familien können angegriffen werden sowie die in der Bienenhaltung schädlichen Wachsmotten.

Einsatzbedingungen

  • Honigzufütterung erhöht die Aktivität der Brackwespe
  • Eiablage bei 16‒44 °C
  • Zur Vorbeugung im Ansiedlungsverfahren: 1 Wespe je 4 Schädlingslarven, bauen Population im Lager langsam auf und die nachfolgenden Generationen kontrollieren langfristig die Schädlinge.
  • Zur akuten Behandlung in Überschwemmungsverfahren: 1 Wespe je 2 Schädlingslarven, oder 20.000 Wespen je 1.000 m3, erzielt hohe Schädlingskontrolle direkt durch die ausgebrachten Wespen, ihre Vermehrungsrate ist dann aber niedriger.
  • H. hebetor kann in Getreideschüttungen mindestens 30 Zentimeter (Roggen) bzw. 14 Zentimeter (Reis) tief eindringen, aber nur selten in Verpackungen wie Jutesäcke (im Gegensatz zu Erzwespen). Die Wirksamkeit nimmt mit zunehmender Tiefe der Schädlingslarven ab.
  • Der Aktionsradius beträgt 20 Quadratmeter

Eine kombinierte Ausbringung mit der Schlupfwespe Venturia canescens erreichte im Versuch die höchste Schädlingskontrolle, mit 93 % Befallsminderung. Dabei wurden  pro Mottenlarve zwei Wespen, eine von jeder Art, ausgebracht. Im Vergleich dazu wurden bei einzelner Anwendung von H. hebetor 66 % der Schädlinge und von V. canescens 59 % der Schädlinge getötet. Durch ihre schnelle Vermehrung und Fähigkeit in Getreideschüttungen einzudringen kann H. hebetor dichte Ansammlungen von Mottenlarven gut kontrollieren. Dagegen dringt V. canescens nicht in Schüttungen ein aber spürt Larven über größere Entfernungen, zum Beispiel einzelne verstreute Larven in weniger stark befallenen Produkten und Lagern, auf.


Letzte Aktualisierung 13.09.2016

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