Nachhaltige Intensivierung

Nachhaltige Intensivierung

Aus biologischer Sicht ist in der Natur Wachstum die Bedingung f├╝r Leben. In der Wirtschaft z├Ąhlt in Deutschland und in vielen anderen Volkswirtschaften stetiges wirtschaftliches Wachstum, also die Zunahme der Wirtschaftsleistung, zu den Hauptzielen staatlicher Wirtschaftspolitik. Und auch f├╝r die Landwirtschaft hei├čt es auf Betriebsebene h├Ąufig: Fl├Ąchen- oder Tierbestandswachstum bei gleichzeitiger technischer Weiterentwicklung ist wichtig, denn sie schaffen eine notwendige Gewinnsteigerung, um mit der Einkommensentwicklung mitzuhalten. Allerdings f├╝hrt dieses betriebliche Wachstum zu einer immer kosteng├╝nstigeren Erzeugung und damit zu geringeren St├╝ckpreisen. Und hier bei├čt sich die Katze in den Schwanz. Denn bei geringeren St├╝ckpreisen muss die Produktion wieder erh├Âht werden, das hei├čt mehr mengenm├Ą├čiges Wachstum bei gleichzeitiger technischer Weiterentwicklung.

M├╝ssen Biobetriebe das Wachstumsspiel mitspielen?

Der Blick in die Natur relativiert das Bild vom Wachstum. Wachstum bedeutet nicht nur eine Zunahme der ├Ąu├čeren Gr├Â├če, sondern aucheine Weiterentwicklung und Differenzierung. Zudem ist das Wachstum in der Natur durch R├╝ckkopplungsmechanismen begrenzt. Auch ├ľkonomen diskutieren deshalb ├╝ber die Grenzen des Wachstums, ├╝ber immaterielles und qualitatives Wachstum.

Es geht also auch anders. Das gilt insbesondere in der Landwirtschaft, allein schon weil die verf├╝gbare landwirtschaftliche Fl├Ąche begrenzt ist. Dazu kommt, dass die Pacht- und Kaufpreise extrem hoch sind. Es ist also notwendig, den Blick st├Ąrker auf ein qualitatives innerbetriebliches Wachstum zu lenken, also auf eine nachhaltige Intensivierung.

Der Begriff ist umstritten. Aber die Tatsache, dass qualitatives Wachstum auch im ├ľkolandbau n├Âtig ist, ist es nicht. Denn wenn man sich deutlich macht, dass eine nachhaltige Intensivierung nicht nur allein die Produktion umfasst, sondern auch Fragen von Spezialisierung, Diversifizierung und Professionalisierung sowie sozialem Miteinander im gesamten Sektor, ist eine nachhaltige Intensivierung eine gro├če Entwicklungschance.

Auch das ist nachhaltige Intensivierung

Gefragt sind vor allem Kreativit├Ąt und Freude am Experimentieren innerhalb der Systemgrenzen. Beispiele gibt es schon viele, hier eine kleine Auswahl:

Auf betrieblich-produktionstechnischer Ebene kann Wachstum zum Beispiel durch ein besseres Management von Bodenfruchtbarkeit und Bodenleben angesto├čen werden, das unter anderem f├╝r eine bessere N├Ąhrstoffversorgung, einen gesunden und resilienten Boden und ein gutes Wasserhalteverm├Âgen sorgt. Und dadurch nachhaltig den Boden f├╝r ein besseres Pflanzenwachstum und damit h├Âhere Ertr├Ąge bereitet. Auch in der Tierhaltung k├Ânnen Systeme effizienter genutzt werden, indem Dinge sinnvoll zusammengebracht werden. Zum Beispiel indem Mastgefl├╝gel in Maiskulturen gehalten wird und so Raubvogelschutz, Beikraut- und Insektenbek├Ąmpfung und Fl├Ącheneffizienz zusammengebracht werden.

Auf sozialer Ebene bringt die Zusammenarbeit zwischen spezialisierten Landwirtinnen und Landwirten die M├Âglichkeit zur nachhaltigen Intensivierung, zum Beispiel ├╝ber Maschinen-, Mist- oder Cut&Carry-Kooperationen. Innerhalb des Sektors kann eine bessere Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Handel beziehungsweise Verarbeitung f├╝r Sicherheit bei der Abnahme sorgen, und gemeinsame Absprachen ├╝ber realistische Qualit├Ątsanforderungen k├Ânnen die heimische Produktion st├╝tzen.

Auch eine engere, an  Praxisfragen orientierte Zusammenarbeit zwischen Praxis und Forschung ist notwendig. Ein echtes Erfolgsbeispiel ist der optimierte Backtest, der als alternative zum Rapid-Mix-Test entwickelt wurde, um ein realistisches Bewertungskriterium f├╝r die Qualit├Ąt von Bioweizen zu haben (siehe Bewertung von Biogetreide).

Auf gesellschaftlicher Ebene lassen sich auch Biobetriebe im Hinblick auf ein ├Âkologisches Habitatmanagement weiterentwickeln. Ein solcher Beitrag zum Naturschutz ist eine Dienstleistung f├╝r die Gesellschaft, gleichzeitig lassen sich Betriebe so auch zu widerstandsf├Ąhigen und lokal angepassten Landwirtschaftssystemen weiterentwickeln.

Wenn es um Fragen von Wachstum und Intensivierung in der Landwirtschaft geht, kann der ├ľkolandbau also richtungsweisend vorangehen, denn das Potenzial ist gro├č.


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Letzte Aktualisierung 15.12.2015

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