Europäischer Bio-Markt wächst

Europäischer Bio-Markt wächst auf über 40 Milliarden Euro

Die Europäerinnen und Europäer gaben 2018 rund acht Prozent mehr Geld für Bio-Produkte aus als im Jahr zuvor. Damit wuchs der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln in Europa nach drei Jahren mit zweistelligen Wachstumsraten wieder etwas verhaltener. Durchschnittlich kauften Kundinnen und Kunden aus Europa für 51 Euro im Jahr Bio-Produkte ein. In der Europäischen Union waren es 73 Euro pro Jahr.

Der Bio-Markt in Europa wächst seit Jahren. Seit 2010 haben sich die Ausgaben der privaten Haushalte für Bio-Lebensmittel und -Getränke mehr als verdoppelt. Mit einem Plus von acht Prozent zum Vorjahr war der Zuwachs 2018 nicht mehr ganz so hoch wie in den drei Jahren zuvor. Dennoch hat der Bio-Markt Europas damit eine nie dagewesene Dimension erreicht und es gibt kein europäisches Land, welches nicht zum Wachstum beigetragen hat. In ganz Europa wurden 2018 Bio-Lebensmittel im Wert von 40,7 Milliarden Euro gekauft, in der Europäischen Union waren es 37,4 Milliarden Euro. Dies sind die Ergebnisse der gemeinsamen Auswertung des Forschungsinstitutes für biologischen Landbau (FiBL) und der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI).

Deutschland ist größter Bio-Markt Europas

In keinem Land Europas geben die Verbraucherinnen und Verbraucher so viel Geld für Bio-Lebensmittel- und Getränke aus wie in Deutschland. Mit einem Wachstum von rund sechs Prozent im Vergleich zu 2017 betrug der Bio-Umsatz 2018 deutschlandweit insgesamt 10,9 Milliarden Euro. Damit fiel in Deutschland im Vergleich zu manch anderen Ländern das Umsatzwachstum unterdurchschnittlich aus. So schrieben Belgien, Dänemark, Frankreich und die Schweiz erneut zweistellige Wachstumsraten.

Frankreich ist nach Deutschland der zweitgrößte Bio-Markt Europas. Diese Spitzenposition verdankt die Grande Nation dem starken Wachstum in den vergangenen Jahren. Allein 2018 stiegen die Umsätze mit Bio-Lebensmitteln um 15 Prozent, gefolgt von der Schweiz und Dänemark mit je rund 13 Prozent Zuwachs.

Das Wachstum des Bio-Marktes wird im Wesentlichen durch den Lebensmitteleinzelhandel vorangetrieben. Die bessere Verfügbarkeit von Bio-Lebensmitteln bei Handelsketten hat den Konsum maßgeblich erhöht. Die Sortimente in vielen Supermärkten und Discountern wurde erweitert. Eine Besonderheit Deutschlands ist die hohe Zahl an Discountern, die als eine alternative Einkaufsstätte zum traditionellen Lebensmitteleinzelhandels (LEH) den Verkauf von Bio-Produkten als Umsatzmotor nutzen.

Auch in anderen Ländern Europas sind Discounter mittlerweile als preiswerte Einkaufsstätte mit einem eher schmalen Warenangebot vertreten, aber die Anteile am Gesamtmarkt sind hier oftmals kleiner als in Deutschland. Nach Angaben von Agence Bio wurden 2018 in Frankreich die Hälfte der Ausgaben für Bio-Lebensmittel im LEH getätigt. Demnach seien Bio-Produkte für den Großteil der Bevölkerung leicht verfügbar. Agence Bio spricht von einer neuen Etappe in der Entwicklung des Bio-Lebensmittelabsatzes. Der Bio-Fachhandel kommt aber immer noch auf einen Anteil von 34 Prozent. Die Zahl der Bio-Supermärkte in Frankreich ist in den vergangenen Jahren erheblich gewachsen. Einen Überblick über die großen Ketten des französischen Naturkosthandels finden Sie hier in französischer Sprache.

Bio-Anteile steigen europaweit

Nach wie vor sind europäische Länder weltweit führend beim Marktanteil von Bio-Produkten. Dänemark lag 2018 mit 11,5 Prozent Bio-Anteil am Lebensmittelmarkt mit Abstand vorn, gefolgt von der Schweiz mit 9,9 Prozent, Schweden mit 9,6 Prozent und Österreich mit 8,9 Prozent. Deutschland steht mit 5,3 Prozent Marktanteil 2018 an sechster Stelle in Europa.

Das meiste Geld für Bio-Produkte pro Person, gaben die Däninnen und Dänen und die Schweizerinnen und Schweizer (je 312 Euro) aus, gefolgt von den Schwedinnen und Schweden (226 Euro) und Österreicherinnen und Österreichern (215 Euro). Deutschland lag 2018 mit 132 Euro Ausgaben je Einwohnerin und Einwohner an achter Stelle in Europa. Unsere dänischen Nachbarinnen und Nachbarn sind in Bezug auf Bio ohnehin revolutionär: Die dänische Regierung hat angekündigt, dass sie die ganze Landwirtschaft des Landes auf biologische Wirtschaftsweise umstellen will. Auch 2019 erwartet der Branchenverband Organic Denmark ein ähnlich dynamisches Wachstum des Bio-Marktes wie im Vorjahr, wie aktuelle Daten und Fakten zum dänischen Bio-Markt zeigen.

Die Däninnen und Dänen tätigen die meisten Bio-Einkäufe in großen Supermärkten. Dort liegen die Bio-Lebensmittel in der Regel direkt neben dem konventionell produzierten Pendant. Mehr als die Hälfte aller Däninnen und Dänen kauft mindestens einmal die Woche ein Produkt aus ökologischer Erzeugung.

Auch die Bio-Umsätze unserer deutschsprachigen Nachbarinnen und Nachbarn in Österreich und in der Schweiz haben sich 2018 sehr dynamisch entwickelt. In beiden Ländern sind von Anfang an die Ketten des Lebensmitteleinzelhandels stark in die Bio-Marktentwicklung involviert – und sind in beiden Ländern mit Anteilen von gut 80 Prozent am gesamten Bio-Markt vertreten. Es besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen den Handelsketten und den jeweiligen Bio-Verbänden, der Bio Austria und der Bio Knospe. Der Handel hat die Warenzeichen mit entwickelt. Coop und Migros in der Schweiz fördern und entwickelt seit Jahren Projekte zum Beispiel zu Biodiversität, Saisonalität und Hörnertragenden Kühen. In Österreich hat der Discounter Hofer innerhalb weniger Jahre seine Marke "Zurück zum Ursprung" zur zweitbekanntesten Bio-Marke Österreichs mit inzwischen 450 Produkten entwickelt. Interessant: Die Marke definiert Region als "dort, wo die Erzeugung Tradition hat". Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) bewertet die Nachhaltigkeit der "Zurück zum Ursprung" Bäuerinnen und Bauern anhand von 58 Kriterien in vier Dimensionen nach internationalen Richtlinien der FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen).Mit diesem zusätzlichen Engagement haben es die Handelsketten in beiden Ländern geschafft, Kundenvertrauen aufzubauen und zu vertiefen.

Ein Blick über den großen Teich

Weltweit gesehen bleiben die USA und Europa die größten Märkte. In US-Dollar gerechnet vergrößerte sich der US-amerikanische Bio-Markt 2018 um knapp sechs Prozent zum Vorjahr. Für 2019 wird in den Vereinigten Staaten ein Wachstum in ähnlichem Umfang erwartet, so die amerikanische Organic Trade Association (OTA). Die Amerikanerinnen und Amerikaner gaben rund 124 Euro pro Person aus, der Bio-Anteil am Lebensmittelmarkt lag 2018 bei 5,7 Prozent. Damit kommen sie auf ein vergleichbares Niveau wie Deutschland. Obst und Gemüse spielt am US-Bio-Markt eine viel größere Rolle als in Europa, der Bio-Anteil bei Obst und Gemüse liegt inzwischen bei knapp 15 Prozent.

Die Rohstoffsicherung ist immer noch ein Thema bei den US-amerikanischen Verarbeitern, allerdings nicht mehr in dem Ausmaß wie noch vor einigen Jahren. Neben den klassischen Rohstoffen hat aber der Engpass bei der Versorgung mit Saatgut und Bio-Düngemitteln zugenommen.

Ausblick

Die großen Handelsketten dürften in den kommenden Jahren weiter Anteile am Bio-Markt gewinnen. Bei vielen europäischen Ländern besteht auch noch durchaus Nachholbedarf was das Bio-Angebot in den Regalen des konventionellen Handels betrifft. Die Verbraucherinnen und Verbraucher achten schon allein aus Umweltgründen beim Einkauf immer mehr auf Produkte aus ökologischer Erzeugung. Durch eine größere Produktauswahl im Handel dürften die Ausgaben für Bio-Lebensmittel- und Getränke in den nächsten Jahren weiter deutlich wachsen. Auch die Kombination von Bio und Regional ist in vielen europäischen Ländern noch lange nicht als Vermarktungsvorteil ausgeschöpft.

Bei der Betrachtung des Bio-Marktes in Europa wurde mangels belastbarer Zahlen der Außer-Haus-Verkauf von Bio-Lebensmitteln nicht berücksichtigt. Fachleute erwarten aber gerade im Außer-Haus-Konsum den Wachstumsmarkt der Zukunft. Einzelne Länder wie beispielsweise Dänemark haben hier eine Vorreiterrolle. So sollen hier die öffentlichen Küchen bis 2020 mindestens 60 Prozent Bio-Lebensmittel einsetzen. Die Stadt Kopenhagen hat 2019 bereits einen Bio-Anteil von 90 Prozent in der Gemeinschaftsverpflegung. In Deutschland wurde mit der Kampagne "Bio kann jeder – nachhaltig essen in Kita und Schule" ein Aktionsprogramm zu mehr Bio in Kindergärten und Schulen ins Leben gerufen.

Auch in Frankreich ist die ökologische Außer-Haus-Verpflegung (AHV) seit Jahren auf dem Vormarsch. Der Einsatz von biologischen Lebensmitteln wächst hier sogar schneller als der gesamte Bio-Markt in Frankreich.


Letzte Aktualisierung 05.05.2020

BÖLW – Branchenreport 2020

Grafik: Weltkugel

Zahlen und Fakten zur Bio-Branche in Deutschland.

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Meldungen zum Bio-Markt

Die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) bietet zahlreiche Bilanzen, Studien und Charts rund um den Bio-Markt an.

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