Deutscher Bio-Markt boomt

Deutscher Bio-Markt boomt

Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln und -Getränken in Deutschland steigt immer weiter. 2021 gaben die Verbraucherinnen und Verbraucher rund sechs Prozent mehr für Bio-Produkte aus als im Vorjahr. Der konventionelle Handel hat dabei das Wachstum des Bio-Marktes stark vorangetrieben.

Im Jahr 2021 gaben die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland 5,8 Prozent mehr Geld und damit insgesamt 15,87 Milliarden Euro für Bio-Lebensmittel und -Getränke aus. Dies sind die Ergebnisse des von der AMI koordinierten Arbeitskreises Biomarkt auf Basis von Daten der Marktforschungsinstitute GfK, Nielsen, bioVista, BNN und Klaus Braun Kommunikationsberatung. Der Bio-Markt kann sich damit mehr als behaupten – vor dem Hintergrund des Rekordwachstums von 2020 und einem stagnierenden Gesamtmarkt für Lebensmittel eine positive Entwicklung! Am Lebensmittelmarkt erhöhte sich der Bio-Anteil damit auf vorläufige 6,8 Prozent.

Konventioneller Handel als Wachstumsmotor

Treibende Kraft war wie bereits 2020 vor allem der konventionelle Lebensmitteleinzelhandel (LEH), einschließlich Drogeriemärkte, der seine Umsätze mit Bio-Lebensmitteln und -Getränken um 9,1 Prozent auf insgesamt 9,88 Milliarden Euro gesteigert hat. Sein Anteil am Bio-Markt wuchs damit binnen eines Jahren von 60 auf 62 Prozent. Die Discounter und Vollsortimenter trugen in ähnlichem Maße zum Wachstum bei. Während die Discounter bei den Frischeprodukten stärker zulegten, haben die Vollsortimenter und auch die Drogeriemärkte vor allem ihr Bio-Trockensortiment vergrößert. Deutlich zugenommen hat der Umsatz mit Markenprodukten.

Immer mehr Menschen versuchen mit dem sogenannten One-Stop-Shopping den Einkauf des gesamten Bedarfs an einem Ort zu erledigen, möglichst in gut erreichbarer Lage. Davon profitieren die Food-Vollsortimenter wie Edeka und Rewe, die dies mit immer größerer Bio-Auswahl ermöglichen, sowie gut gelegene Bio-Supermärkte. Zu Beginn des Jahres war das Umsatzwachstum in allen Einkaufsstätten am größten. Im Jahresverlauf 2021 ließ das Wachstum nach und war im dritten Quartal sowie im Oktober am kleinsten.

Bio-Fachhandel fast auf hohem Niveau des Jahres 2020

Der Naturkosthandel hat nach dem Sprung im Jahr 2020 die Umsätze im Folgejahr nicht halten können. Dennoch liegen die Umsätze knapp 13 Prozent über dem Vor-Corona-Niveau von 2019. Insgesamt verkauften der Bio-Fachhandel im vergangenen Jahr Lebensmittel und Getränke (ohne Non-Food-Artikel) im Wert von 3,58 Milliarden Euro. Hinsichtlich des Marktanteils büßten sie damit zwei Prozentpunkte auf nun 23 Prozent ein. Der Naturkosthandel verzeichnete das erste Mal in zehn Jahren ein Minus. Die Zahlen des ersten Quartals 2021 fielen noch sehr gut aus, aber in den Folgemonaten schlug das Umsatzplus nach und nach in ein Minus um. Nach Einschätzung des Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) e.V. kamen, neben den Effekten der Urlaubssaison, die wiederholten Einschränkungen für Laden-Bistros negativ zum Tragen. Dieser Bereich hat einen wesentlichen Anteil am Umsatz der Bio-Läden inne.

Nach dem sprunghaften Umsatzwachstum von 35 Prozent im Jahr 2020 legten die sonstigen Einkaufsstätten, zu denen die Hofläden, der Online-Handel (inklusive Lieferdienste), Wochenmärkte, Bäckereien, Metzgereien und Reformhäuser zählen, zuletzt um weitere sieben Prozent zu. Sie kommen damit auf einen stabilen Marktanteil von 15 Prozent und einem Umsatz von 2,41 Milliarden Euro. Die Direktverkäufe, ob im Hofladen oder auf Wochenmärkten, sind im zweiten Halbjahr 2021 wieder unter das Niveau von 2020 gerutscht. Anhaltend hoch sind dagegen die Online-Verkäufe von Bio-Lebensmitteln. Hier scheinen sich die geänderten Einkaufsgewohnheiten der Verbraucherinnen und Verbraucher etabliert zu haben. Der Online-Verkauf von frischen Bio-Lebensmitteln, zu dem auch Abokisten gehören, macht jedoch weniger als vier Prozent des von der AMI betrachteten Frischesegments am Bio-Lebensmittelmarkt aus.

Topseller sind Bio-Milchalternativen

Die Nachfrage hat bei einigen Bio-Produkten im Jahr 2021 in besonderem Maße zugelegt. Zu den Bio-Produkten mit den größten Wachstumsraten zählten Milchalternativen, Fleisch und Butter. Die pflanzlichen Milchalternativen haben seit Jahren wachsende Anteile am gesamten Milchmarkt inne. Im Bio-Segment stellen Milchimitate 2021 ein Drittel aller von den privaten Haushalten eingekauften Mengen von Milch und Milchalternativen. Die mit Abstand meistgekaufte Variante war dabei Bio-Haferdrink. Dieser deckte im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte der Nachfrage privater Haushalte nach pflanzenbasierten Milchalternativen aus ökologischer Erzeugung.

Traditionelle Produkte wie Fleisch, Butter, Milch und Eier führen die Produktliste im Ranking an. Speiseöl und Mehl, die 2020 als typische „Hamsterprodukte“ verstärkt gekauft wurden, konnten ihre Verkaufsmengen 2021 halten. Die großen Warengruppen Obst und Gemüse konnten nur noch in kleineren Schritten zulegen, weil die Warenverfügbarkeit mit Spätfrösten und verregnetem Sommer nicht immer ausreichend war. Bei Kartoffeln sind die Einkaufsmengen deutlich stärker gestiegen als der Umsatz, weil die Preise im 1. Halbjahr niedrig waren.

Ausblick auf 2022 – Hält der Megatrend Bio an?

Die Einkaufsgewohnheiten der Verbraucherinnen und Verbraucher haben sich nicht erst seit dem Ausnahmejahr 2020 verändert. In den vergangenen Jahren nahmen die Einkäufe von Bio-Lebensmittel erheblich zu und die Ergebnisse des Öko-Barometers 2021 sehen für die kommenden Jahre einen anhaltenden Trend zu mehr Bio. Seit 2002 ermittelt diese repräsentative Umfrage, wie oft und warum Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland biologisch erzeugte Lebensmittel kaufen. Demnach gaben 38 Prozent der Befragten an, regelmäßig Bio-Produkte zu kaufen. Mit Blick auf die Zukunft schätzen 47 Prozent der Befragten, dass sie häufig (41 Prozent) oder ausschließlich (sechs Prozent) Bio-Lebensmittel erwerben werden. Unter den vier dargebotenen zusammenfassenden Motivbündeln für den Einkauf von Bio-Lebensmitteln wurde von mehr als drei Viertel der Befragten der Aspekt „Umwelt- bzw. Klimaschutz sowie artgerechte Tierhaltung“ als wichtigster oder als zweitwichtigster Grund gewählt.


Mehr zum Thema auf Oekolandbau.de:

Letzte Aktualisierung 10.03.2022

Nach oben
Nach oben