Markt für Bio-Strauchbeeren

Der Markt für Bio-Strauchbeeren wächst dynamisch

Bio-Strauchbeeren, allen voran Bio-Heidelbeeren, stehen zunehmend in der Gunst der Verbraucherinnen und Verbraucher. Das zeigt nicht nur der Blick auf die Nachfrage, auch die deutsche Produktion nahm in den vergangenen Jahren zu. Dennoch trägt das hiesige Angebot nur einen kleinen Teil zur Marktversorgung bei, das Marktwachstum erfolgt vor allem über Importe.

Auch wenn der Anbau von Bio-Strauchbeeren in Deutschland zuletzt einen kleinen Dämpfer erhalten hat, zeigte die Entwicklung in den Vorjahren nur in eine Richtung: nämlich nach oben. So hat sich die ökologisch bewirtschaftete Anbaufläche von Strauchbeeren zwischen 2012 und 2019 auf rund 3.000 Hektar verdoppelt. Erstmals seit Jahren wurde die positive Entwicklung 2020 ausgebremst. Mit 2.992 Hektar ging die Bio-Strauchbeerenfläche um zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück, wie die Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeigen. An der gesamten Anbaufläche von Strauchbeeren lag der Anteil der Bio-Fläche bei 32 Prozent.

Grund für den hohen Anteil der Bio-Fläche sind die Beerenarten, die nahezu ausschließlich für die Verarbeitung angebaut werden. Dazu gehören beispielsweise Aroniabeeren, Sanddorn und Schwarzer Holunder. Bei diesen liegt der Bio-Anteil mit 77 bis 97 Prozent deutlich höher. Auch flächenmäßig nehmen die Beerenarten für die Verarbeitung einen großen Anteil bei Bio-Strauchbeeren ein.

Bei den Bio-Strauchbeeren, die hauptsächlich für den Frischmarkt angebaut werden, liegen Bio-Heidelbeeren vorne. Hier hat sich das Flächenwachstum zuletzt weiter fortgesetzt. Die kleinen blauen Beeren wurden 2020 auf 323 Hektar angebaut. Damit legte die Anbaufläche um fünf Prozent zum Vorjahr zu. An der gesamten Anbaufläche von Heidelbeeren lag der Bio-Anteil bei zehn Prozent. Führendes Bundesland im Anbau von Bio-Heidelbeeren ist Niedersachsen, dahinter folgen mit deutlichem Abstand Bayern und Nordrhein-Westfalen.

Geschützter Anbau von Bio-Himbeeren legt zu

Positiv entwickelt hat sich zudem die Erzeugung von Bio-Himbeeren im geschützten Anbau. Hier hat sich die Fläche zuletzt nahezu auf 19 Hektar verdoppelt. Die Beeren wachsen statt im Freiland in Gewächshäusern oder unter Folientunneln heran. So sind die Pflanzen vor Witterungseinflüssen geschützt und die Beeren können trocken geerntet werden, wodurch sich die Vermarktungsfähigkeit verbessert. Auch der Ertrag liegt höher als im Freiland. Auf der anderen Seite ist der geschützte Anbau mit höheren Kosten verbunden.

Dass die Erntemenge von Bio-Strauchbeeren 2020 um 16 Prozent auf rund 35.800 Tonnen gegenüber dem Vorjahr gesunken ist, hängt nicht nur mit der kleineren Anbaufläche zusammen. Zum einen wirkte sich die nach wie vor die Trockenheit im Jahr 2019 aus, zum anderen waren es neben den geringen Niederschlägen vor allem die Spätfröste, die die Erntemengen minderten.

Discounter setzen auf Bio-Strauchbeeren

Die privaten Haushalte in Deutschland sind in den zurückliegenden Jahren auf den Geschmack von Bio-Strauchbeeren gekommen. Wie eine AMI-Analyse auf Basis des GfK-Haushaltspanels zeigt, hat sich die Einkaufsmenge innerhalb von fünf Jahren fast verfünffacht. Auch 2021 setzt sich das Wachstum fort: Zwischen Januar und August kauften die privaten Haushalte bereits neun Prozent mehr Bio-Strauchbeeren ein als im gesamten Kalenderjahr 2020.

Treiber dieser Entwicklung sind Bio-Heidelbeeren. Ihr Anteil an den Bio-Strauchbeerenkäufen ist zwischen 2015 und 2020 von 61 auf 84 Prozent gestiegen. Im Gegenzug verringerte sich der Anteil bei Bio-Himbeeren von 20 auf 11 Prozent. Dennoch hat sich die Einkaufsmenge an Bio-Himbeeren im selben Zeitraum mehr als verdoppelt. Bezogen auf die gesamte Einkaufsmenge an Strauchbeeren erreichten Bio-Strauchbeeren zuletzt einen Anteil von drei Prozent.

Bei Betrachtung der Einkaufsmengen nach Einkaufsstätten erklärt sich schnell, wodurch das Wachstum bei Bio-Strauchbeeren zustande kam. Seit drei Jahren haben die Discounter im Zuge des allgemeinen Beerenbooms verstärkt Bio-Strauchbeeren im Sortiment gelistet. Entsprechend ist der Absatz über die Discountschiene stetig gestiegen. 2020 wurde in den Discountern 39 Prozent der Bio-Strauchbeerenkäufe getätigt. Wichtigste Einkaufsstätte für Bio-Strauchbeeren sind jedoch die Vollsortimenter. Sie stellten zuletzt einen Anteil von 41 Prozent an der Einkaufsmenge. Die Einkaufsstätten außerhalb des Lebensmitteleinzelhandels büßten in den vergangenen Jahren hingegen Anteile an der Einkaufsmenge ein. Ihr Anteil an der Einkaufsmenge ist zwischen 2015 und 2020 um 36 Prozentpunkte auf 17 Prozent gesunken. In diese Kategorie wird auch der Naturkostfachhandel eingeordnet.

Importe sind Wachstumstreiber bei Bio-Heidelbeeren

Um die steigende Nachfrage nach Bio-Strauchbeeren in Deutschland zu bedienen, reicht das Angebot aus dem Inland nicht aus. Der Großteil der Bio-Heidelbeeren, die mittlerweile ganzjährig im Lebensmitteleinzelhandel angeboten werden, wird importiert. Hier zeigen sich bei Bio-Heidelbeeren keine Unterschiede zur konventionellen Ware bezüglich der Herkunft. Vor der deutschen Saison sind die Mittelmeerländer, allen voran Spanien, bedeutende Bezugsquellen der blauen Beeren. Nach der deutschen Saison übernimmt Ware aus Übersee das Ruder. In den Monaten von Oktober bis Januar werden neben südafrikanischen Zufuhren fast ausschließlich Bio-Heidelbeeren aus Peru angeboten. Ab Februar ergänzt Ware aus Chile das Programm.

Bei Bio-Himbeeren ist die Einkaufsmenge in den zurückliegenden Jahren ebenfalls gestiegen, jedoch auf einem niedrigeren Niveau als bei Bio-Heidelbeeren. Außerhalb der deutschen Saison (Juni bis August) wird kaum Ware angeboten. Der Aufwand für Verpackung und Transport ist ohnehin hoch und für Importe aus Drittländern in der Off-Season nochmals größer. Dazu sind Himbeeren sehr sensibel im Handling. Das Wachstum am Markt entspricht in diesem Fall daher vorwiegend der größeren Produktion in Deutschland. Eine starke Konzentration auf das hiesige Angebot führt immer wieder zu Schwankungen. Ernteausfälle- und -rückgänge spiegeln sich sofort im Verkauf wider. So ist beispielsweise die Einkaufsmenge an Bio-Johannisbeeren 2020 um 36 Prozent gesunken.


Letzte Aktualisierung 27.10.2021

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