Sortimentsgestaltung – ein Blick nach Frankreich

Sortimentsgestaltung – ein Blick nach Frankreich

Die Zahlen sprechen für sich: Fast 15 Prozent Marktwachstum in 2015, rund fünf Prozent mehr Handelsunternehmen, neun Prozent mehr Verarbeitungsunternehmen – und beeindruckende 23 Prozent mehr Biofläche. Der französische Biomarkt erreichte 2015 mit einem Umsatz von 5,76 Milliarden Euro eine neue Rekordmarke. Großen Anteil an diesem Erfolg hatte mit einem Plus von 18 Prozent der Außer-Haus-Verkauf. Was ist das Erfolgsmodell des französischen Biosektors?

Französischer Biomarkt auf der Überholspur 

Anders als in Deutschland wächst in Frankreich nicht nur die Nachfrage nach Bio, sondern auch die Produktion. Seit 2015 werden mehr als fünf Prozent der Landwirtschaftsfläche biologisch bewirtschaftet. In Deutschland waren es 2015 rund 6,4 Prozent der Landwirtschaftsfläche, allerdings bremsen niedrige Erzeugerpreise und hohe Pachtpreise die Umstellungsbereitschaft. Bei weiter anhaltendem Flächenwachstum in Frankreich aber, dürften die Anteile bald die deutschen Werte überholen. 2015 stellten jeden Monat 200 landwirtschaftliche Betriebe auf Bio um. Die hohe Nachfrage, aber auch verschiedene Fördermöglichkeiten, helfen den Landwirtinnen und Landwirten in unserem Nachbarland bei der Entscheidung. Dabei sind die Flächenförderungen eher geringer als in Deutschland. Entscheidend ist ein ganzes Paket an Maßnahmen wie Zertifizierungsbeihilfen, Investitionsbeihilfen, vereinfachte Umstellung auf extensiven Flächen und Umweltbeihilfen.

76 Prozent "Made in France"

Hinzu kommt eine große Präferenz der Französinnen und Franzosen zu heimischer Ware. 76 Prozent der in Frankreich konsumierten Bioprodukte sind "Made in France", so die halbstaatliche Bioagentur Agence Bio. Bei vielen Produkten kann Frankreich sich vollständig mit Bioprodukten aus dem eigenen Land versorgen. 100 Prozent des in französischen Mühlen verarbeiteten Weizens kommt aus Frankreich. Auch bei Wein, Milch und Milchprodukten sowie Eiern liegen die Inlandsanteile bei jeweils mehr als 97 Prozent. 

Außerdem werden französische Bioprodukte zunehmend exportiert – 2015 mit einem Plus von 27 Prozent. Daran hat das klassische Exportprodukt Wein einen bedeutenden Anteil: Hier stieg der Export um 26 Prozent und machte rund zwei Drittel der Bioexporte aus. Insgesamt führten die französischen Biounternehmen Produkte im Wert von 435 Millionen Euro aus. Der Export für eher hochpreisige französische Produkte ist nicht einfach, die Konkurrenz mit günstigeren anderen Herkünften ist groß.

Feinkost und Fertiggerichte sind Verkaufsrenner

Eine viel größere Rolle als in Deutschland spielen in Frankreich verarbeitete Bioprodukte, Fertiggerichte und Feinkost. Feinkost war 2014 mit 1,3 Milliarden Euro die bedeutendste Produktgruppe am Biomarkt. Frische Angebote von gekühlten Sommersuppen über interessante Cerealien jeglicher Form, gesunde Bioknabberartikel inklusive Knäckebrot. Solche Angebote erfreuen sich inzwischen einer flächendeckenenden Präsenz. Frischeartikel in Bioqualität wie Taboulé und eine große Auswahl fertiger Salate gibt es in größeren Städten Frankreichs nahezu an jeder Ecke. Biofertiggerichte sind ganz anders als in Deutschland schon seit einigen Jahren Erfolgsbringer. Fertige Coq au Vin, Pasteten oder Ratatouille in Bioqualität erfreuen sich großer Beliebtheit. Gegen Fast-Food mit Qualität hat in Frankreich niemand etwas einzuwenden, im Gegenteil: Leckeres Essen – auch in Bioqualität – soll unkompliziert sowie schnell und einfach zu genießen sein. Das wäre auch in Deutschland ein Versuch wert, denn hierzulande haben ebenfalls immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten wenig Zeit zum Kochen und wollen trotzdem leckere und gesunde Mahlzeiten zu sich nehmen.

Außer-Haus-Verkauf stark gewachsen

Mit staatlichen oder kommunalen Vorgaben hat auch der Außer-Haus-Verkauf in Frankreich erstmals die fünf Prozent Marke beim Bioanteil überschritten. So geben immer mehr Kommunen Vorgaben für einen bestimmten Bioanteil in der Schul- oder Krankenhausverpflegung. Die Impulse dafür kamen von den Küchenteams und -leitungen genauso wie von den Eltern der Schülerinnen und Schüler beziehungsweise der Kantinengäste. Die Ausgaben in der Außer-Haus-Verpflegung sind auf 191 Millionen Euro gestiegen. Sechs von zehn Kantinen, Mensen und Restaurants verwenden bereits Bioprodukte, bei den Schulen sind es 74 Prozent und bei den Kantinen 62 Prozent. Krankenhäuser und soziale Einrichtungen hinken mit 26 Prozent noch hinterher. Knapp die Hälfte verwendet nur einzelne Biozutaten, 26 Prozent bieten einen der in Frankreich üblichen drei Gänge in Bioqualität an und 27 Prozent ein ganzes Menü. Die am häufigsten verwendeten Produkte sind Obst – insbesondere Äpfel, Milchprodukte – vor allem Joghurt und Gemüse (mit einem Schwerpunkt bei Möhren, Rohkostsalaten, Tomaten und Blattsalaten). Außerdem gibt es häufig Nudeln, Reis, Geflügel und Fleisch, gefrorenes Gemüse und frisches Brot in Bioqualität. Das große Erfolgskonzept dieser Entwicklung sind regionale Partnerschaften mit kurzen Wegen und saisonalen Produkte.


Letzte Aktualisierung 16.10.2018

BÖLW – Branchenreport 2020

Grafik: Weltkugel

Zahlen und Fakten zur Bio-Branche in Deutschland.

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