Nachfrage nach Biozucker wächst

Nachfrage nach Biozucker wächst

Der weltweite Zuckerkonsum ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen und wird zukünftig weiter zunehmen. In Deutschland wird dagegen von Jahr zu Jahr weniger Zucker verzehrt, zumindest wenn die Haushaltspackungen betrachtet werden. Lediglich die Nachfrage nach Biozucker ist über die Jahre kontinuierlich gestiegen und hat sich seit 2012 mehr als verdoppelt. So sind zwar die Käuferzahlen stabil geblieben, aber Zucker wird seltener eingekauft. Die Kundinnen und Kunden ernähren sich bewusster, außerdem backen sie weniger und kochen weniger ein. Das Wachstum kann den Rückgang im konventionellen Bereich jedoch nicht ausgleichen. Das Jahresmittel der Verbraucherpreise für Biozucker lag 2017 bei 3,05 Euro pro Kilo. Damit müssen Verbraucherinnen und Verbraucher das Vierfache bezahlen wie für konventionell erzeugten Zucker.

Rübe oder Rohr, braun oder weiß, das ist hier die Frage

2016 wurden etwa 25.000 Tonnen Biozucker in Deutschland verbraucht. Davon gehen mehr als vier Fünftel in die Verarbeitung von Getränken, Milchprodukten, Süßwaren und anderen Erzeugnissen. Mit der heimischen Zuckerrübenernte wurden 2015 etwa 14.000 Tonnen abgedeckt, der Rest stammt aus Importen. Dabei handelt es sich in der Regel um Biorohrzucker, der etwa 25 Prozent günstiger ist als ökologischer Rübenzucker. Die höheren Kosten bei der Rübe entstehen vor allem durch die Handhacke.

Im Handel wird fast ausschließlich Roh- und Voll-Rohrzucker angeboten. Rohrzucker kommt zum großen Teil aus Paraguay und Brasilien. Er wird dort meist in kleinbäuerlichen Strukturen produziert. Die braune Färbung entsteht durch die Mellasserückstände, diese geben dem Rohrzucker auch sein karamelliges Aroma und die braune Farbe. Beim Rübenzucker ist dies genauso, nur dass die Melasserückstände unangenehm schmecken und der Rübenzucker deshalb vollständig raffiniert wird. Chemisch sind die beiden Zucker identisch. Braun oder weiß ist aber häufig eine Frage des antrainierten Geschmacks, so glauben bis heute viele Verbraucherinnen und Verbraucher, dass brauner Zucker gesünder sei.

Bisher geht der weiße Rübenzucker vor allem in die Verarbeitung. Zum Beispiel in Joghurts wünschen die Kundinnen und Kunden reine "nicht karamellige Süße". Vor einigen Jahren hat ein größerer Naturkosthändler schon versucht, weißen Biorübenzucker zu verkaufen, das lohnte sich damals noch nicht. In unserem Nachbarland Österreich aber ist das schon lange deutlich anders: Dort wird schon seit 2006 österreichischer Biorübenzucker in den Supermärkten angeboten. Mit der richtigen Kommunikation dürfte auch in Deutschland die Zeit reif sein. Die Erzeugergemeinschaft rebio mit ihrer Tochterfirma Landmacher macht es vor. Sie verkauft Biorübenzucker verschiedener Verbände an den Naturkostgroßhandel.

Auch bei Zucker lohnt es sich, auf Regionalität zu achten. Eine Studie (PDF-Datei), die die Schweizer Zucker AG in Auftrag gegeben hat, kommt zum Fazit, dass der regional in Süddeutschland und in der Schweiz angebaute und verarbeitete Zucker die Umwelt um rund 40 Prozent weniger belastet  belastet als ein importierter Bio-Fairtrade-Rohrzucker aus Paraguay. In der Vergleichsstudie wurden die Umweltauswirkungen entlang der gesamten Zuckerproduktionskette untersucht. Entscheidend für die postivere Umweltbilanz waren weniger die Transportwege, sondern verschiedene Faktoren im Rübenanbau und in der Rübenverarbeitung.

Mehr Zuckerrüben, bio und konventionell

Rund 2.000 Hektar Bio-Zuckerrüben wurden in Deutschland 2017 angebaut, so die Schätzungen der AMI. Bei durchschnittlichen Erträgen von 50 Tonnen pro Hektar und einem Zuckergehalt von 18 Prozent wären das 18.000 Tonnen aus Deutschland, deutlich mehr als noch vor einigen Jahren. Mit Wegfall der EU-Quotenregelung ist aber auch der Zuckerrübenanbau in Deutschland insgesamt deutlich gewachsen, so dass der Bio-Anteil am Anbau weiterhin unter einem halben Prozent liegt. Daher lohnt sich keine eigene Verarbeitung – und die Biozuckerrüben werden in der Regel am Anfang einer Kampagne Mitte September mit entsprechenden Frühlieferzuschlägen in den Zuckerrübenfabriken verarbeitet.

Verarbeiter suchen heimische Biorüben

Handel und Verarbeiter gehen von einem wachsenden Markt für heimischen Biozucker aus. Die Südzucker und Nordzucker AG, die beiden größten Zuckerproduzenten in Deutschland, aber auch die Rebio Erzeugergemeinschaft in Süddeutschland werben um deutsche Biobetriebe, in den Anbau der Kultur einzusteigen.

Nordzucker hatte sich aus seinen Biozuckerbemühungen in der Vergangenheit zurückgezogen, hat zuletzt aber auf die positive Marktentwicklung im Biobereich reagiert und 2017 wieder Biozuckerrüben unter Vertrag genommen. Ab 2018 stehen somit erste Mengen an Biorübenzucker zur Vermarktung bereit. Nach eigenen Angaben sieht Nordzucker das größte Potenzial und die besten Bedingungen für Biorübenanbau in Deutschland und Dänemark. Die Konditionen sind durchaus attraktiv. So bietet die Südzucker AG für das Anbaujahr 2018 einen Basis-Nettopreis von über 110 Euro pro Tonne Rüben. Das ist mehr als drei Mal so viel, wie konventionelle Betriebe im Jahr 2017 für ihre Ware erhalten haben.

Grundsätzlich betonen die Zuckerproduzenten, dass sie an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert sind. Derzeit bieten die großen Produzenten Lieferverträge mit einem Jahr Laufzeit (Südzucker) beziehungsweise mit ein- oder dreijähriger Laufzeit (Nordzucker) an. Preise und Abrechnungskonditionen werden nach Vertragsende der jeweiligen Marktsituation angepasst.

Die Südzucker AG ist bereits seit vielen Jahren in der Produktion und Vermarktung von Biozucker aktiv. Schon Mitte der Nuller-Jahre wurden die ersten Biorüben in der Zuckerfabrik in Warburg verarbeitet, stammen aber aus dem gesamten Einzugsgebiet der Südzucker AG. Die Preiskonditionen für den Biorübenanbau im Jahr 2018 setzten sich wie jedes Jahr aus einem Grundpreis und einem zusätzlichen Biozuschlag zusammen. Auf Grund der guten Marktlage wird der Biozuschlag für Rüben der Kampagne 2018 von 56 Euro pro Tonne auf 70 Euro pro Tonne deutlich erhöht und ist damit so hoch wie nie zuvor. In Folge dessen erhöht sich auch der Frühlieferausgleich, der auf den Biozuschlag bezahlt wird von 6,55 Euro pro Tonne auf 8,19 Euro pro Tonne (bei Lieferung am 15.9.) Ab der Kampagne 2018 soll es eine Prämie für Biorübenlieferungen geben, die frei von Unkraut sind.

Rebio ist seit 2011 dabei

Der Biozucker für die regionale Bioland Erzeugergemeinschaft rebio wird in Baden-Württemberg und Bayern angebaut und in der Schweiz von der Schweizer Zucker AG zu Zucker verarbeitet. Der Bio-Zucker ist in allen Verbandsqualitäten verfügbar. In den vergangenen Jahren konnten die Flächen kontinuierlich gesteigert werden und rebio spricht von einer sehr guten Nachfrage nach Biozucker von Verbandsbetrieben. Insbesondere Verarbeiter, die Produkte mit dem Warenzeichen einer der Bio-Verbände herstellen, ist Biorübenzucker die Variante der Wahl. Auf Informationsveranstaltungen werden weitere Biozuckerrübenanbauerinnen und -anbauer gesucht. Auch die Vereinbarungen für das Jahr 2019 zwischen den Vertreterinnen und Vertretern der Landwirtinnen und Landwirte und rebio sowie der Schweizer Zucker AG werden bereits im August 2018 getroffen.


Letzte Aktualisierung 10.06.2018

BÖLW – Branchenreport 2020

Grafik: Weltkugel

Zahlen und Fakten zur Bio-Branche in Deutschland.

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Meldungen zum Bio-Markt

Die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) bietet zahlreiche Bilanzen, Studien und Charts rund um den Bio-Markt an.

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